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German Tenors : Starke Töne und eine spektakuläre Show

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das erste Mal waren sie in Gettorf: die German Tenors. Mit kräftiger Stimme und Orgelmusik begeisterten sie das Publikum.

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2013 | 05:16 Uhr

Zwei charmante Tenöre, die laut und kräftig singen, eine überaus gewandte Orgelspielerin und eine Menge schöner Arien und Lieder: Auf ihrer Weihnachts-Tour machten die German Tenors und Claudia Hirschfeld mit ihrem Programm Glanzlichter erstmals in Gettorf Halt. Nur wenige Plätze sind leer geblieben am Freitag in der St. Jürgen Kirche. Der Altarraum erstrahlte erst in Azurblau, dann in Rubinrot. Die angekündigte lettische Sopranistin Sonora Vaice war erkrankt.

Nach dem Ausstieg von Christian Polus im vergangenen Jahr, dem Begründer und musikalischen Leiter der German Tenors, die sich 1997 zusammenfanden und als erfolgreichstes Tenor-Trio Europas bezeichnet wurden, gilt es nun für die verbliebenen Tenöre Johannes Groß und den gebürtigen Chilenen Luis del Rio einen Weg zu finden, um den Fortbestand der German Tenors zu sichern. „Berlin - Hamburg - Gettorf. Kulturelle Provinz gibt es nicht“, versichert Johannes Groß. „Die Lieder, die wir singen, kennt fast jeder.“ Bodenständig und mit lockeren Sprüchen und Anekdoten führte er durch das Programm. Von Claudia Hirschfeld, mit der die Tenöre seit Anfang 2013 zusammenarbeiten, liest man, dass sie auch international zu den Superstars an ihrem Instrument zählt. Ganz in Weiß ließ sie ihre Hände und Füße auf den Tasten und Pedalen der elektronischen Konzertorgel, ihrem „Open Art Orchestra“, einer dreimanualigen Wersi Louvre GS 1000, tanzen. Zum Beweis, dass alles mit rechten Dingen zugeht, werden ihr Finger-und Fußspiel auf einer Leinwand übertragen. Neben „Va, pensiero“ aus Verdis Oper Nabucco, einer spirituelle Eigenkomposition und einem flotten Gospel-Potpourri zauberte sie immer noch eine Melodie aus ihrem schier unerschöpflichen Repertoire. Mächtig ertönte die Ode an die Freude aus Beethovens 9. Sinfonie, gewaltig, modern und rockig die Toccata von Bach. Da bebte die Kirche. Dazwischen wurde, wie versprochen, von ihr begleitet, gut gesungen. Beide Tenöre verfügen über eine erstaunlich starke, tenorale Kraft, strahlende Belcanto Töne gelingen. Doch die Anstrengung ist ihnen anzumerken. Mit dramatischen Gesten meisterte der aus dem Fach des sensiblen lyrischen Tenors stammende Luis del Rio „Una furtiva lagrima“ aus Donezettis Liebestrank und „Granada“, das Lied über die spanische Stadt den Bergen. Dass seine Stimme nicht immer trägt, schien keiner übel zu nehmen. Johannes Groß, der sich als großer Pavarotti-Fan äußerte, schmetterte in Erinnerung an den bedeutenden italienischen Tenor „La donna e mobile“ aus Verdis Oper Rigoletto, „Nessun Dorma“ aus Puccinis Oper Turandot und das neapolitanische „Core ´ngrato“. Gemeinsam sangen sie „Non ti scordar di me“, Luis del Rio auf Italienisch, Johannes Groß auf Deutsch, den Weltschlager „Dein ist mein ganzes Herz“ aus dem Land des Lächelns von Franz Lehár und stellten beim „O sole mio“ ihr Lungenvolumen unter Beweis. Das Publikum ließ sich verführen. Tosender Applaus, Bravo-Rufe, die Zuhörer standen auf zum Applaudieren. Auch wenn manch Freund des Gesangs die Stimmen lieber nur in Begleitung eines Klaviers gehört hätte, die meisten waren vollauf begeistert von dem gebotenen Gesamtspektakel. „Toll“, meinte Rudi Behringer aus Gettorf. „Ich habe mir ja einiges gedacht, aber das war mehr als ich erwartet habe. Der Johannes Groß hat eine super Stimme. Fantastisch. Und die Claudia Hirschfeld ist auch so eine Kanone mit ihrer Maschine. Wie ein ganzes Orchester. Da kann man nur seinen Hut ziehen.“


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