zur Navigation springen

Standortdruck, Verluste und ein scharfer Name

vom

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Wer geglaubt hat, nach der Vorstellung der Kino-Standorte am 20. März im Bau- und Umweltausschuss müsse es bald losgehen mit dem Bau, hat sich geirrt. Die Fraktionen haben zwar beraten, haben sich auch positioniert, doch eine Entscheidung ist zwei Monate nach der Vorstellung noch nicht gefallen. Es gibt noch nicht mal eine Vorentscheidung. Drei Standorte sind noch im Rennen: Bahnhof, Gartenstraße und die Willers-Jessen-Schule. Es ist absolut offen, welcher das Rennen macht. Entscheiden muss das die neue Ratsversammlung, die die rund 19 300 wahlberechtigten Eckernförder ab 16 Jahren am 26. Mai zu wählen haben. Sie tut gut daran, sich diese Entscheidung gut zu überlegen, aber auch zügig zum Abschluss zu kommen, denn zwei bis drei Jahre Planungs- und Bauzeit werden wohl noch vergehen, bis die Eckernförder wieder in "ihr" Kino gehen und tief in die Traumwelten eintauchen können. Man kann das Thema zwar einfach verdrängen und sich anderen Dingen widmen, aber je mehr man über die Vorzüge und Qualität guter Kinofilme nachdenkt, desto mehr vermisst man es und desto stärker wird das Verlangen, Robert de Niro, Matt Damon oder Keira Knightly im XXL-Format zu erleben.

Der Kino-Standort sollte eine der ersten wichtigen Entscheidungen der neuen Ratsversammlung sein.

Nicht nur die Kino-Diskussion, auch zwei Unternehmen haben für Schlagzeilen gesorgt: die Stadtwerke und die Waffenschmiede SIG Sauer. Die einen haben mächtig Verlust gemacht und mit der Strom-Vertriebsfirma Nordland Energie GmbH nicht nur aufs falsche Pferd, sondern auch rund 160 000 Euro in den Sand gesetzt. Die anderen haben gute Geschäfte auf der Waffenmesse gemacht, was den abgeschobenen Arbeitern aus der Transfergesellschaft aber nicht weiterhilft - Leiharbeiter machen jetzt deren Jobs. Dumm gelaufen für diejenigen, die jetzt keine Perspektive mehr in dem Unternehmen haben, das nach Kündigungswellen und dem Verlust der imageträchtigen Jagdwaffen ganz unten angekommen war und vielleicht doch wieder Boden unter die Füße bekommt - die Hoffnung stirbt zuletzt.

Schmerzhaft sind auch die Verluste, die die Stadtwerke mit dem Nordland-Experiment eingefahren hat. Nach fünf Jahren wurde in der Geschäftsführung und im Aufsichtsrat die Reißleine gezogen. Sehr spät - zu spät? Von außen kaum zu beurteilen. Diese Dinge werden hinter verschlossenen Türen geregelt. Verluste sind in keinem Wirtschaftsunternehmen zu vermeiden, und auch das Kommunalunternehmen Stadtwerke werden auch künftig welche einfahren - ganz abgesehen von den gewollten Verlusten im Hafen, Wellenbad und bei den Stadtleuchten.

Doch man ist um eine - negative - Erfahrung reicher, wird künftig noch genauer hingucken und sich auch einer aufmerksam gewordenen Öffentlichkeit stellen müssen.

Der eine Name ist ins Gerede gekommen, der andere sorgt für scharfe Gedankenspiele. Die Gewerkschaft hat die Hindenburgstraße für eine Stunde zur "Straße der Demokratie" gemacht und damit einen Anstoß zum bewussten Umgang mit der Geschichte gegeben. Der "Tanga-Platz" vor der Stadthalle fiel aus anderem Grunde durch und erhielt durch den Zusatz "Partnerstadt" - ein kleines, moralisch klärendes Feigenblatt. an

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen