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Ratsversammlung : Stadt will lebendige Innenhöfe

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In der Frau-Clara-Straße gehen Investoren mit gutem Beispiel voran: Andreas und Tanja Michelsen eröffnen am Sonntag Clara Hof Destillerie.

Eckernförde | Wer die Flensburger Innenhöfe kennt, weiß, wie reizvoll es sein kann, die Fußgängerzone nach links oder rechts in einen dieser kleinen, verwinkelten Höfe zu verlassen. Attraktive, kleine Läden und liebevoll gestaltete Innenhöfe bringen viel Flair in die Stadt. Diesem Beispiel möchte Eckernförde jetzt folgen – die Stadt entdeckt ihre Höfe. Die Ratsversammlung hat am Montagabend per Dringlichkeitsbeschluss den Weg frei gemacht, diese kleinen städtebaulichen Perlen zu polieren. Aufgrund aktueller Veränderungsbegehren, wie es im Amtsdeutsch heißt, wurde kurzerhand der Bebauungsplan „Nördliche Altstadt“ verändert. Höfe im Areal zwischen Schiffbrücke, Ottestraße und Jungfernstieg müssen damit bei Veränderungen wie Eigentümerwechsel nicht mehr wie vorgeschrieben entkernt und begrünt werden. Stattdessen sollen sie zur Belebung der Altstadt wohnlich und gewerblich genutzt werden können. Und das soll jetzt im B-Plan auch so festgeschrieben werden. Baugenehmigungen, so führte Bürgermeister Jörg Sibbel dazu aus, sollten aber bereits vor der Aufstellung des neuen B-Plans erteilt werden können, um den gewünschten positiven Effekt möglichst schnell zu erzielen.


Edelbrände in Handarbeit


Einer, der darauf nicht mehr warten muss und gleichwohl dabei ist, die hafenseitige Altstadt mit dem Geist edler Brände und Liköre zu verwöhnen, ist Brennermeister Andreas Michelsen. Zusammen mit seiner Frau Tanja erfüllt sich der 53-Jährige nun, nachdem die vier Kinder aus dem Haus sind, einen Lebenstraum und eröffnet nach eineinhalbjähriger Vorbereitungszeit und der erfolgreichen Suche nach einem passenden Standort im Innenhof gegenüber dem Rundspeicher am Hafen am kommenden Sonntag von 11 bis 16 Uhr die Destillerie Clara Hof. Eine Edel-Brennerei von höchster Qualität, in die das in Groß Wittensee lebende Ehepaar Michelsen nicht nur viel Herzblut, sondern auch eine sechsstellige Summe im Wert eines Eigenheims investiert hat. In der Spirituosen Manufaktur, in der die Edelbrände ausschließlich in Handarbeit hergestellt werden, hat der Brennermeister, Ernährungswissenschaftler, Brauer und Mälzer eine imposante kupferne Edelbrandkolonne mit einem 70 Kilo schweren Katalysator zum Herausfiltern von „Störstoffen“ entworfen und sie in einem Spezialbetrieb am Bodensee bauen lassen.

Allein dieser Anblick ist faszinierend. Das Resultat des vier- bis fünfstündigen Verdampfens und Destillierens ist es ebenfalls. In das Feindestillat, das Michelsen von einem befreundeten Brennermeister aus Ahlen bezieht, wird ein Aromakorb aus einer Vielzahl zuvor gequetschter Kräuter beziehungsweise Früchten gehängt, die zusammen das sogenannte Mazerat bilden. Die Rezepturen sind Betriebsgeheimnis. Dieser hochprozentige Sud landet in der 120 Liter fassenden Blase, dem kupfernen Kochbottich, und durchläuft von dort in einem vier- bis fünfstündigen Prozess unter ständiger Sicht- und Geschmackskontrolle den Destillationsprozess durch die Kolonnenböden bis zur finalen Abfüllung. Aus dem Röhrchen fließt eine wunderbare Mixtur aus Reinalkohol und fein abgewogenen Kräuter- und Früchtekompositionen, die für Genießer bestimmt sind. Das diese ausschließlich in Handarbeit aus ausgesuchten Zutaten entstandenen Brände hochpreisiger sind, versteht sich von selbst. Die bisherigen in der neuen Anlage entstandenen Brände, berichtet der Brennmeister mit leuchtenden Augen, hätten Außergewöhnliches entstehen lassen. Im Moment wird quasi rund um die Uhr produziert, der besonders reine „Mittellauf“ in Flaschen abgefüllt und das mit viel schwedischem Design geschmackvoll eingerichtete Geschäft mit den Edelbränden und Likören sowie dazu passenden skandinavischen Accessoires bestückt, um ab Sonntag gerüstet zu sein.


Signaturen und Führungen


Anis-Kräuter, Gin, Aquavit und Erdbeergeist sind derzeit im Angebot sowie neun Liköre. Später kommt noch ein Himbeergeist hinzu. „Wir haben noch ganz viele Ideen“, lassen Tanja und Andreas Michelsen weiteren Tatendrang erkennen. Unter anderem verhelfen sie dem skandinavischen Küstenkraut Porst, mit dem schon die Wikinger ihre Getränke würzten, als Beigabe zu Gin und Aquavit zu neuer Verbreitung in Deutschlands Norden. Die Abfüllungen der Geiste und Liköre in kleinen Chargen werden vom Brennmeister handsigniert und stehen im Verkaufsraum bereit. Einen Ausschank gibt es nicht. Andreas Michelsen bietet aber Destillerie-Führungen mit Kostproben an. Eine Kräuterausstellung und Geruchsfässer mit edlem Tequila, Jack Daniels und Cognac runden das Angebot im Clara Hof ab. Die Destillerie ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Führungen auf Anfrage unter Tel. 04351/880  885  6.

 

 

 

 

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erstellt am 18.Mär.2015 | 06:28 Uhr

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