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Erstmalig : Stadt sucht Paten für 74 Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

So viele Flüchtlinge musste Eckernförde noch nie in einem Jahr aufnehmen. Die Stadt muss extra Wohnungen anmieten. Jetzt hat sich ein Arbeitskreis gegründet, in dem Ehrenamtliche eine Willkommenskultur entwickeln.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2014 | 05:43 Uhr

Der Kreis Rendsburg-Eckernförde muss im laufenden Jahr deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen als zunächst geplant (siehe EZ vom 24. September). Von 450 war Anfang des Jahres die Rede, mittlerweile ist die Zahl auf 820 gestiegen.

Auch die Stadt Eckernförde soll dazu ihren Anteil beisteuern: 74 Menschen soll sie unterbringen – 48 sind schon da, 26 könnten noch kommen. Allerdings ist diese Zahl nicht in Stein gemeißelt, wie die Erhöhung der Aufnahmequote zeigt. „Wenn das Soll erfüllt ist, heißt das nicht unbedingt, dass keine Flüchtlinge mehr kommen“, sagt Klaus Kaschke, Leiter des Amtes für Ordnungs- und Sozialwesen.

Zu ihnen zählen nicht nur die Opfer von Krieg und Gewalt, sondern auch politisch Verfolgte, Migranten und Asylbewerber. Viele in Eckernförde untergebrachte Flüchtlinge kommen aus Serbien, Tschetschenien und dem Jemen. Aus Syrien stammen zwölf Flüchtlinge. Elf Aussiedler kommen aus dem russischsprachigen Bereich. Um diese Menschen unterzubringen, hat die Verwaltung extra Wohnungen und Häuser angemietet – die vorhandenen Unterkünfte im städtischen Besitz wie zum Beispiel das Gebäudeensemble im Schulweg genügen da nicht. Und auch das kann nicht mehr allzu lange in Anspruch genommen werden, weil es für die Nooröffnung abgerissen werden soll. „Bei den Wohnungen leben wir von der Hand in den Mund, weil wir nie wissen, was auf uns zukommt“, sagt Kaschke. Immerhin muss die Stadt die Unterkünfte nicht selbst bezahlen – abgerechnet wird über dem Kreis.

Doch die Unterkunft ist nur ein Aspekt. Wenn die Flüchtlinge in Eckernförde ankommen, beginnt eigentlich erst die Arbeit: Die meisten sprechen kein Deutsch, können sich nicht verständigen. Manche müssen mit Behörden kommunizieren, andere benötigen ärztliche Versorgung. Wer kümmert sich darum? „Die Stadt ist administrativ schon sehr gefordert“, erklärt Klaus Kaschke. „Die Unterkunftssuche nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Eine umfängliche Willkommenskultur zu schaffen, können wir gar nicht leisten.“

Deshalb hat die Stadt einen Arbeitskreis ins Leben gerufen, an dem sich auch soziale Einrichtung – federführend der Verein Umwelt–Technik–Soziales (UTS) und die Arbeiterwohlfahrt (Awo) – beteiligen. Zusammen mit Freiwilligen wollen sie den Flüchtlingen helfen, sich zurechtzufinden. Dazu gehören auch die Sprachförderung und die Begleitung bei Behördengängen. „Es geht darum, den Flüchtlingen Selbstsicherheit zu geben, soziale Kontakte herzustellen, gemeinsam kulturelle Angebote wahrzunehmen und ihnen das Gefühl der Integration zu vermitteln“, sagt Martin Klimach-Dreger, Vorsitzender des Awo-Kreisverbandes.

Deshalb werden Integrationspaten gesucht, die sich dieser Aufgabe widmen wollen. Schon eine Stunde pro Woche soll für eine wirkungsvolle Unterstützung genügen. Beim ersten Treffen des Arbeitskreises in der vergangenen Woche waren rund 25 Freiwillige gekommen – weitere Interessierte sind willkommen.

> Kontakt: Martin Klimach-Dreger (Awo): Tel. 04351/3132 und Sabine Bleyer (UTS): Tel. 04351/726055 www.willkommen-in-eckernfoerde.de

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