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Käthe-Kollwitz-Strasse : Stadt schiebt Hellgrau einen Riegel vor

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Ratsversammlung schiebt der weiteren Ausbreitung hellgrauer Fassaden in der einheitlich roten Siedlung Käthe-Kollwitz-Straße einen Riegel vor. Eine Veränderungssperre wurde erlassen. Mit drei artfremden Häusern müssen die Anwohner allerdings leben.

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erstellt am 27.Sep.2014 | 06:23 Uhr

Kleine Doppelhäuser, einheitlich und Ton in Ton in Rot gehalten. So sah die kleine Wohnsiedlung in den kleinen Querstraßen links und rechts der Käthe-Kollwitz-Straße bislang aus. Wie aus einem Guss, die um 1936 im Auftrag der Marine-Intendantur Kiel gebaute Siedlung aus Unteroffizierswohnungen im nördlichen Bereich der Straße, die bis vor wenigen Jahren Eigentum des Gemeinnützigen Wohnungsunternehmens (GWU) war und nach und nach an die langjährigen Mieter oder an Investoren verkauft worden sind. Das einheitliche Bild und damit auch die Harmonie unter den Bewohnern ist allerdings gestört. Grund sind zwei komplett sanierte Doppelhäuser, die zwar als Einzelbauwerk sehr gut aussehen, aber eben mit grau-weißen Klinkersteine verblendet worden sind, und nicht in rot, wie alle übrigen Häuser, und damit nach Meinung einige Bewohner das einheitlich-harmonische Bild stören.

Anwohner Ralf Wiebenson hat das Thema in der Einwohnerfragestunde der Ratsversammlung am Donnerstagabend angesprochen und „eine Frage mit drei Fragezeichen“ gestellt. Nachdem zwei Doppelhäuser bereits von der einheitlichen Bebauung abweichen, droht das gleiche nun auch im Falle der Käthe-Kollwitz-Straße 6e – einer Doppelhaushälfte auf einem Endgrundstück, dass dem Vernehmen nach abgerissen und dem Neubau eines Doppelhauses weichen soll. Gibt es schon eine Baugenehmigung? Wenn ja, seit wann? Hätte man die Anwohner nicht schon längst über die Wirkungslosigkeit der nun beschlossenen Veränderungssperre informieren müssen?

Bürgermeister Jörg Sibbel verwies auf die im nicht-öffentlichen Teil der Bauausschussitzung am 19. März vorgestellte Planung, „der nichts entgegengestanden hat“. Anschließend habe es eine Begehung des „Verdachtsgebiets“ am 5. Mai durch den Bauausschuss gegeben, danach Anfang Juli zwei weitere Sitzung, in der das geplante Vorhaben nach Paragraph 34 der Bauordnung genehmigt worden sei.

Vertieft wurde die Thermatik dann in der Debatte über die Aufstellung eines Bebauungsplans für die Käthe-Kollwitz-Straße (B-Plan Nr. 71) und die Verhängung eines zweijährigen Veränderungssperre. Bauausschussvorsitzender Matthias Huber (Bürger-Forum) bedauerte ausdrücklich, „die frühzeitige Warnung der Anwohner nicht beachtet zu haben“. Leider sei es zu Veränderungen gekommen. Um weitere Abweichungen zu verhindern, seien die Veränderungssperre und die Aufstellung eines B-Plan die richtigen Instrumente.

Frauke Piechatzek (SPD) beklagte, dass die seitens ihrer Fraktion beantragte und beschlossene Gestaltungssatzung die kritikwürdige Veränderung des einheitlichen Erscheinungsbildes in der Käthe-Kollwitz-Straße nicht mehr habe verhindern können. Sie beklagte ferner, das das Bauamt es trotz einer vorgeblich guten Kommunikation mit der Investorin nicht erwirken konnte, dass die Fassade mit rotem Klinker und nicht in hellgrau erstellt wird. „Was war mit der Absprache? Darauf hatten wir vertraut“, sagte Frauke Piechatzek unserer Zeitung. Sie bemängelt, dass die Bauverwaltung den Anwohnern nicht frühzeitiger auf Die „Unruhe“ in dem Wohngebiet sei ihr erst bei der Begehung am 5. Mai bewusst geworden. Aber da stand das erste „weiße“ Haus in der Langemarckstraße bereits, und das zweite in der Käthe-Kollwitz-Straße 18f sei in Bau gewesen. Daraufhin habe die SPD dann den Antrag auf die Erstellung einer Gestaltungssatzung eingebracht. Die, so Piechatzek, solle im Sommer 2015 fertig sein und künftige Ausreißer verhindern. Bis dahin bleibe nur zu hoffen, dass potentielle Bauherren „ein Einsehen haben und die Häuser rot werden“.

Die CDU habe „eigentlich gar keinen Handlungsbedarf gesehen“, sagte Fraktionsvorsitzende Katharina Heldt. Bis auf eine Ausnahme sei die Bebauung dort homogen gewesen und das es im Zuge der Hausverkäufe durch das GWU zu Veränderungen kommen werde, sei klar gewesen. Eine „Beratung“ der Bauherren durch die Verwaltung wäre völlig ausreichend gewesen, doch leider seien Bauvorhaben „ohne Rücksicht auf die Umgebung“ durchgezogen worden. Von daher sei die Aufstellung eines B-Plan mit Veränderungssperre die richtige Entscheidung. Die daraus folgenden Einschränkungen beträfen jetzt aber alle Eigentümer. „Das heißt, erstmal keine neuen Fenster oder Carports mehr“, so Heldt.

Die Ratsversammlung stimmte der B-Planaufstellung mit einer Enthaltung und der Veränderungssperre mit zwei Enthaltungen zu.

Ralf Wiebenson erklärte nach der Sitzung, das es für die Anwohnern wichtig war, „eine Siedlung mit Erkennungscharakter“ zu erhalten. „Uns wurde von der Verwaltung die ganze Zeit doch nur vorgegaukelt, mit Gestaltungsfibel, Gestaltungssatzung wäre eine Bebauung zu regeln. Das aber schon lange vor der ersten Begehung feststand, was dort gebaut wird, und wir Anwohner von Anfang an veräppelt worden sind, ist ungeheuerlich“, empörte er sich. „Warum hat man nicht gleich mit offenen Karten gespielt und von vorn herein gesagt, das selbst mit einer Veränderungssperre und B-Plan nichts daran zu ändern ist, da die Projekte ja schon längst genehmigt waren. Eine Veränderungssperre hilft uns überhaupt nicht, und war auch so nicht gewollt.“ Der Bauherr könne bauen wie er will, da es schon genehmigt sei. Er werde sich mit Sicherheit keinen roten Klinker aussuchen, „da er doch schon den hellen Klinker liegen hat“.


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