Kirche : St. Nicolai wird barrierefrei

Pastor Dirk Homrighausen erklärt den zukünftigen Windfang am Südportal, dessen Ausmaße durch Holzleisten angedeutet sind. An ihre Stelle tritt eine Glas-Stahlkonstruktion.
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Pastor Dirk Homrighausen erklärt den zukünftigen Windfang am Südportal, dessen Ausmaße durch Holzleisten angedeutet sind. An ihre Stelle tritt eine Glas-Stahlkonstruktion.

Von Mai bis Oktober wird die Stadtkirche wegen der Innenrenovierung geschlossen. Alle Außenmauern erhalten einen Belüftungsgraben, Licht- und Akustikanlage werden erneuert.

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23. März 2018, 06:45 Uhr

Eckernförde | Die Verbindung von Historie mit modernster Technik für den Erhalt eines geschichtsträchtigen Bauwerks, das auch in ferner Zukunft noch Bestand hat – das ist auch das Leitbild im dritten Bauabschnitt der Sanierung der St.-Nicolai-Kirche. Nach der Renovierung von Mauerwerk sowie Dach, Glocke und Uhr (in Kürze) stehen demnächst die Innensanierung und Reste von Außenarbeiten an, die die Eingangssituation am Südportal und das untere Mauerwerk betreffen. Aus diesem Grund wird die Kirche vom 1. Mai bis 28. Oktober geschlossen. Gottesdienste werden in dieser Zeit an anderen Orten in der Stadt gehalten (siehe Kasten unten links).

Ein Schatz aus der Baugeschichte von St. Nicolai wurde im Zuge der Entscheidung des Kirchenvorstandes, die Eingangssituation auf der Südseite barrierefrei zu gestalten, entdeckt. Hinter dem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angefertigten Eingangsportal mit der blauen Tür und dem Löwentürknauf verbirgt sich ein gotisches Eingangsportal. Dieses wird freigelegt, wenn der Vorbau abgerissen ist. „Ein Abriss ist nötig, da der Vorbau in der Luft hängen würde, wenn eine Absenkung der Türsituation von rund 60 Zentimetern erfolgt, um die Barrierefreiheit zu erlangen“, erklärt Pastor Dirk Homrighausen. Der Kirchplatz bekommt ein langsam zunehmendes Gefälle, verändert aber dadurch sein Erscheinungsbild nicht. Auch innen wird sich die Eingangssituation verändern. Geplant ist ein lichter Windfang mit viel Glas und dünnen Stahlelementen, der auch Rollstuhlfahrern eine großzügige Bewegungsfreiheit bietet. „Der Windfang dient als Luftschleuse, um das Eindringen von Feuchtigkeit und Staub zu verhindern, deren Zusammentreffen für das Entstehen von Schimmelpilz verantwortlich ist“, erklärt Homrighausen. Das untere Mauerwerk aller Umfassungswände der Stadtkirche soll mithilfe eines 50 Zentimeter breiten Belüftungsgrabens trockengelegt werden. „Denn ursprünglich lag das Backsteinwerk frei und war luftumspült“, so der Pastor. Ein 75 bis 90 Zentimeter tiefer Graben, der mit einer verzinkten Konsole aus Nirorost abgedeckt wird, sorgt für eine dauerhafte Luftzirkulation. Eine Betonstützwand verhindert laut Planung nachrückende Erde, spezielles Gestein mit Gefälle unterstützt das Versickern von Regenwasser. Im Zuge der Grabungsarbeiten wird das gesamte Fugenwerk der unteren Außenmauer erneuert, dabei wird jeder einzelne Stein untersucht. „Alles erfolgt in einem feinfühligen Abstimmungsprozess zwischen Kirchenvorstand, Baurecht und Denkmalsamt“, erklärt Dirk Homrighausen. Atmende Wände soll es zukünftig auch im Inneren der Kirche geben. Die jetzige weiße Dispersionsfarbe aus den 1980er-Jahren, die sich wie eine Haut auf die Wände setzte, wird komplett entfernt. An ihre Stelle wird eine mineralische Spezialfarbe aufgetragen, die sich auch im Kreml und im Weißen Haus findet. Aus diesem Grund wird alles historisch Wertvolle (Altar, Epitaphe, Kanzel, Orgel, Taufbecken) eingehaust, das gesamte Gestühl im Turmcafé zwischengelagert. Modernste Technik kommt bei der Installierung einer neuen Lichtanlage zum Zuge. „Wir arbeiten an einem Lichtkonzept, das für Gottesdienste und Konzerte unterschiedliche Möglichkeiten bietet“, so der Pastor. Auf den neuesten Stand soll auch die Akustik der Kirche gebracht werden. So sollen auch Hörgeschädigte Predigten und Konzerte in Zukunft ungehindert verfolgen können. „Licht, Ton, Projektionsleinwände, Internetzugang – wir bringen unsere historische Kirche auf den neuesten Stand.“

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