Jubiläum : St. Jürgen wird 700 Jahre

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Die St.-Jürgen-Kirche feiert in diesem Jahr ihren 700. Geburtstag.

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29. Januar 2018, 06:11 Uhr

Gettorf | Die St.-Jürgen-Kirche feiert in diesem Jahr ihren 700. Geburtstag. Die Gemeinde begeht diesen besonderen Geburtstag mit einer Festwoche, die am Pfingstsonntag mit dem traditionellen plattdeutschen Pfingstgottesdienst beginnt. Das vielfältige Programm, bei dem an alle Altersgruppen gedacht ist, findet seinen Abschluss und Höhepunkt in einem Festgottesdienst am Sonntag nach Pfingsten. Die Festpredigt hält Bischof Gothart Magaard. Ministerpräsident Daniel Günther hat sein Kommen zugesagt. Viele weitere Gäste aus Kirche, Politik und Gemeinde werden erwartet. An den Gottesdienst schließt sich ein Gemeindefest an.

Wahrscheinlich ist die St.-Jürgen-Kirche aber älter als 700 Jahre. In einem Kirchenführer von 1998 ist davon die Rede, dass „das Gettorfer Langhaus um 1250 oder wenig später in seiner ursprünglichen Form entstanden“ sei. Genaueres ist nicht bekannt. Erstmals urkundlich erwähnt ist die Kirche jedenfalls im Jahr 1318. Anfangs war nicht nur Gettorf ein kleines Dorf, sondern auch die Kirche sehr viel kleiner. Das sogenannte Langhaus war flachgedeckt und an jeder Längsseite gab es vermutlich sechs paarweise angeordnete schmale Fenster. Der Turm, der Chor, die Sakristei und die Marienkapelle kamen erst später dazu. Die Kirche gilt als ältester vollständiger Backsteinbau der Region. Der Chor wurde um 1300 angebaut. Im 14. oder 15. Jahrhundert wurde die Kirche, die damals noch St.-Nicolai-Kirche hieß, zur Wallfahrtskirche. Die Wallfahrten fanden zu Ehren des Heiligen Georg – niederdeutsch: St. Jürgen – statt. Eine zusätzliche kleine St. Jürgen-Kapelle entstand, die 1463 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Im Laufe des 15. Jahrhunderts ging der Name der kleinen Kapelle auf die ursprünglich dem Heiligen Nicolaus geweihte Pfarrkirche über. Laut alten Rechnungsbüchern hatte die Kirche bereits im 15.Jahrhundert eine Orgel.

Für die Gaben der Wallfahrer wie auch für die Versorgung der Pilger wurde ein Speicher benötigt. Der entstand spätestens im 15. Jahrhundert und wurde unmittelbar an der Westseite an die Kirche angebaut. In den Jahren 1485/1486 entstand auf dem Friedhof ein neuer Naturalienspeicher. Der an die Kirche angebaute Speicher wurde nicht mehr benötigt. Bereits 1487 wurde mit dem Bau des Turmes über dem alten Speicher begonnen. Dafür wurde aber nicht die gesamte Grundfläche des Speichers genutzt. Es blieb zunächst eine Lücke zwischen Kirchenschiff und Turm. 1491 wurde der Turm mit Bleiplatten gedeckt und fertiggestellt. Zwischen 1494 und 1497 erhielt der Turm drei neue Glocken. Von 1500 bis 1510 wurde das Langhaus bis zur Ostseite des Turmes verlängert. Das so verlängerte Kirchenschiff erhielt jetzt auch seine Kreuzrippengewölbe. Die schmalen Zwillingsfenster wurden durch große spätgotische Spitzbogenfenster ersetzt. Von 1518 bis 1520 wurde die Marienkapelle angebaut, wahrscheinlich auf Wunsch der Gettorfer Mariengilde.

Sechs Jahre nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg erreichte die Reformation auch Gettorf. 1523 wurde die erste lutherische Predigt gehalten. Ab 1525 beendete die Reformation dann die Wallfahrten. Die St.-Jürgen-Kapelle verfiel und wurde abgerissen. St. Jürgen blieb der Namensgeber der Hauptkirche.

Im Dreißigjährigen Krieg beanspruchten die Schweden die Bleiplatten, um Kugeln zu gießen. Seitdem ist der Turm mit Eichenschindeln gedeckt.

1643 erfolgte ein Gruftanbau an der Nordseite des Chores, heute die Sakristei. 1680 erhielt die Marienkapelle einen Gruftanbau an der Westseite. Hier sind heute Heiz- und Sanitärräume und der Windfang für den Behinderteneingang untergebracht. Die Sarkophage und Grabsteinplatten aus Kirche und Gruft befinden sich seit 1973 in der Marienkapelle.

Die St.-Jürgen-Kirche beherbergt wertvolle Kunstschätze aus vielen Jahrhunderten. Das wertvollste Kunstwerk ist der Marienaltar, den ein unbekannter Meister, wahrscheinlich um 1510 in Lübeck, ursprünglich für die Marienkapelle geschaffen hat. Die gotische Bronzetaufe von 1424 ist das älteste erhaltene Kunstwerk der Kirche. Aus der Barockzeit stammen hingegen der Taufdeckel (1712) und die Taufschale (1742). Die prachtvolle Spätrenaissance-Kanzel (1598) mit ihren kunstvoll geschnitzten biblischen Szenen ist das Hauptwerk des Eckernförder Bildschnitzers Hans Gudewerth des Älteren. Der Marienleuchter ist eine gelungene Symbiose aus verschiedenen Epochen. Der spätgotische Baldachin, der sich schadhaft und ohne Maria in einem Magazin des Flensburger Museums befand, erhielt 1997 eine neue „Doppelmadonna“ des Bildhauers Jörg Plickat und hängt derzeit in der Marienkapelle.

Eine so alte Kirche mit ihren vielen wertvollen Kunstschätzen zu erhalten, ist eine Herkulesaufgabe für die Gemeinde. „Ich bin sehr dankbar für unseren Kirchbauverein, der mit vielen Aktionen immer wieder Spenden einwirbt. Die nächste Aufgabe wird die Erneuerung der Turmleitern sein, sodass der Turm wieder bestiegen werden kann“, sagt Pastorin Christa Loose-Stolten.

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