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Schleswig-Holstein Musik Festival : “St. Altenhof-in-the-Fields”

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

SHMF in Altenhof: Ausgelassene Instrumentalisten – glückliches Publikum eine fröhliche Reise durch die Musik des Barockzeitalters.

shz.de von
erstellt am 13.Jul.2017 | 07:31 Uhr

Altenhof | Da staunte man am Dienstag in Altenhof nicht schlecht: Parkplätze Mangelware - Sitzplätze so gut wie ausverkauft, vor der Konzertscheune schon allerbeste Stimmung bei den eintreffenden Besuchern – und was stand auf dem Programm? Ein besonderes Konzert des Schleswig - Holstein Musik Festivals war angekündigt unter dem Titel „Air – A Baroque Journey“. Das allein wird für manchen Gast noch nicht der Magnet gewesen sein, aber die musikalische Begegnung mit dem Ausnahmegeiger Daniel Hope, dem hoch gerühmten Avi Avitar und seiner Mandoline, dazu weiteren fünf Instrumentalisten ließ bestes vermuten. Zu Recht – denn wie nannte Daniel Hope in seiner vergnügten und launigen Moderation sein neu gegründetes Ensemble - in Anlehnung an das bekannte, britische Orchester St. Martin-in-the-fields? „Wir sind dann wohl ‚St. Altenhof-in-the-fields‘“.

Und noch eine gute Überraschung zu Beginn: An der Kasse zückte man dieses Mal sein Portemonnaie umsonst, denn die Programme gab es kostenfrei. Den Grund dafür erklärte Intendant und Festivalleiter Christian Kuhnt gleich zu Beginn: Am frühen Morgen hatten die Musiker das Programm noch umgestellt. Das tat der Qualität des Abendprogramms jedoch keinerlei Abbruch, ganz im Gegenteil: Alle hörten gerne zu, wie der Daniel Hope in fast akzentfreiem Deutsch locker und fröhlich durch den Abend führte, die Konzertbesucher mitnahm auf eine vor Lebensfreude überschäumende Genussreise durch die Musik des Barockzeitalters.

Hat man klassische Musik so schon einmal gehört und erlebt? Im festen Rhythmus seiner Trommel kam der deutsche Percussionist Michael Metzler vom Ende des Saales her auf die Bühne marschiert, begleitet von Avi Avital (Mandoline), Daniel Hope (1. Violine), dem Griechen Simos Papanas (2. Violine), dem italienischen Cellisten Nicola Mosca, mit Emanuele Forni (Gitarre/ Laute) und Naoki Kitaya aus Tokio, der während des Konzertes das Cembalo spielte.

Kaum waren diese Weltklasse-Instrumentalisten auf der Altenhofer Festivalbühne angekommen, da ging es rund. Leichtfüßige Musik aus dem Barock, häufig so rhythmisch, dass man hätte tanzen mögen, so rasant und temperamentvoll, dass die beiden Violinisten ganz mit einstiegen – foot-tapping, lachend, im fröhlichen Blickkontakt mit dem ganzen Ensemble. Gleich, ob man Kompositionen von Scarlatti, Falconieri, Händel oder Vivaldi hörte, man sah die große Freude, die Leidenschaft, die unbegrenzte Begeisterung der Instrumentalisten, – und das alles steckte sofort an. Das Publikum war hin und weg, im Saal ganz „aus dem Häuschen“, applaudierte lachend und war rückhaltlos zugetan.

Hätte sich dieses Ensemble bessere Zuhörer wünschen können? War das nicht eine Musik, die in dieser Interpretation und Darbietung einfach glücklich machte?

Im Portrait des diesjährigen Festivals ist Avi Avital aus Israel mit insgesamt 20 Konzerten vertreten, dieses war sein fünfter Auftritt, – und er spielte seine Mandoline hinreißend, stets ohne Notenblätter und mit ganzer Seele. Kamen neben all der ausgelassenen Musik die eher sanfteren Passagen, konnte man bei seinem Spiel dahin schmelzen. Begleitet von zwei Geigen, Cello, Laute und einem verhaltenen Cembalo wurde die Musik dann geradezu anmutig, einschmeichelnd und verführerisch. Ein sehr sinnliches Erleben. Hörte man dazu noch Internes von verwunderlichen Eigenarten der Komponisten, damaligen Majestäten, skurrile Anekdoten, verschmitzt dargeboten von Daniel Hope, dann hatte man das ganz große Abendprogramm. Alle standen und jubelten, man wollte noch mehr. Nach einer weiteren Zugabe mit Bachs „Air“ zog man reich beschenkt von dannen.




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