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Flüchtlinge : Sprache – Schlüssel zur Kultur

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der zweite kostenlose Sprachkurs für 25 Flüchtlinge am Baltic Sea International Campus hat begonnen.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2015 | 06:12 Uhr

Eckernförde | Minali ist 32 Jahre alt und kommt aus Armenien. Der kurdische Jesit wurde in seiner Heimat verfolgt, weshalb er vor einem Jahr und acht Monaten nach Deutschland flüchtete. Seine Deutschkenntnisse sind noch immer dürftig – was nicht an ihm liegt. „Erst wenn die Flüchtlinge ihre Aufenthaltserlaubnis haben, werden Mittel für Deutschkurse bereitgestellt“, sagt Wei Qian, die Geschäftsführerin des Baltic Sea International Campus (BSIC) und schüttelt den Kopf. „Aber wenn wir den Leuten nicht schon früh die deutsche Sprache beibringen, wird es nur noch mehr Probleme geben.“ Der BSIC habe deshalb überlegt, wie er helfen könne und eine Lösung gefunden: Von der Peter-Jochimsen-Stiftung finanzierte und für die Flüchtlinge kostenlose Deutschkurse für diejenigen, die sie sich aus eigener Kraft nicht leisten können. Im Mai hat der zweite Kurs begonnen.

„Es ist nicht der weiseste Beschluss, die Asylbewerber ohne deutsche Sprachkenntnisse zu lassen“, bestätigt auch Lutz Oetker, Geschäftsführer des Vereins „Umwelt – Technik – Soziales“ (UTS). Der Verein bietet professionell Deutschkurse an und engagiert sich im Willkommenskreis Eckernförde. „Bis zu einer Aufenthaltserlaubnis oder -gestattung kann es mehrere Jahre dauern“, so Oetker. Deshalb arbeitet UTS eng mit dem BSI-Campus zusammen.

Für die Flüchtlinge sind die ersten Monate oder Jahre in Deutschland eine schwierige Zeit: Sie kommen in einem fremden Land mit einer fremden Kultur an und können sich nicht verständigen. In vielen Fällen suchen sie andere Asylbewerber, mit denen sie reden können, und isolieren sich auf diese Weise von der Gesellschaft, in die sie aufgenommen werden wollen.

Am BSI-Campus lernen die Asylbewerber an drei Tagen pro Woche vier Stunden lang die deutsche Sprache. Aus Syrien kommen sie, Eritrea, Armenien, Russland, dem Kosovo und Serbien. Insgesamt 25 Flüchtlinge sitzen hier zusammen – auch Minali ist darunter, der ein Jahr und fünf Monate lang von seiner neuen Außenwelt durch die Sprachbarriere so gut wie abgeschottet war. „Die Sprache ist die Grundvoraussetzung, um sich anzupassen“, sagt Wei Qian. „Deshalb müssen sie sie so schnell wie möglich lernen.“ Sie kritisiert auf der einen Seite die „konzeptlose“ Flüchtlingspolitik in Deutschland, bewundert aber gleichzeitig die Gastfreundschaft und Akzeptanz der Deutschen.

Ihr Wunsch ist es, dass sich so viele Menschen wie möglich ehrenamtlich einsetzen. Schon zweimal hat der BSIC Kulturabende veranstaltet, an denen die Flüchtlinge ihre Heimat vorgestellt haben, woraufhin sich viele Paten gefunden haben, die mit den Flüchtlingen in ihrer Freizeit etwas unternehmen und die sie bei Behördengängen unterstützen. Dazu möchten Wei Qian und ihre Mitarbeiterin Monika Ipsen, die sich schon lange privat für Flüchtlinge engagiert und eine der ersten war, die für eine Willommenskultur in Eckernförde warb, aufrufen. Wer sich engagieren möchte, kann sich bei ihr unter Tel. 04351/ 6665000 melden (Di., Mi., Fr. 9-13 Uhr) oder eine E-Mail an ipsen@bsi-campus.com schicken.

 

 

 

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