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Grossprojekt : Sportzentrum erhitzt die Gemüter

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Emotionale Bauausschusssitzung / Zustimmung zum Bebauungsplan und dem Entwurf fürs Sportlerheim

von
erstellt am 13.Aug.2014 | 06:05 Uhr

Vor der Sommerpause hatte die Politik die Planungen für das neue Sportzentrum am Sander Weg baurechtlich in Form gebracht. Vier Wochen lagen die Pläne zur Einsicht und Stellungnahme aus. Davon machten vor allem Bürger Gebrauch, teilte Bauamtsleiter Sönke Jacobsen am Montagabend im Bauausschuss mit und stellte vor, welche Lösung mit Stadtplanerin Kerstin Langmaack und Akustik-Sachverständiger Bernd Dörries ausgearbeitet wurde. Den anwesenden Anwohnern geht das jedoch nicht weit genug.

52 Seiten stark ist die Abwägung, die die Verwaltung mit den am Großprojekt beteiligten Fachleuten ausgearbeitet hat. Als Schwerpunkte hätten sich Lärm, Flutlicht, Verkehr, Entwässerung, Tier- und Pflanzenarten, Wertminderung der Immobilien und Schäden durch Baufahrzeuge herauskristallisiert, führte Jacobsen in die Debatte ein. Den Sorgen um Lärmbelästigung begegnet die Gemeinde mit der Beibehaltung der derzeit geltenden Einstufung als Wohngebiet, einem Verbot des Sportbetriebs zwischen 22 und 7 Uhr sowie auf den Plätzen 1 und 5 auch sonntags von 13 bis 15 Uhr, Lautsprechern mit niedrigen Schallleistungspegeln und einer überdachten Tribüne, die den Lärm vom Platz abfangen soll. Der noch bestehende Bolzplatz wird auf Antrag der CDU nur noch Funktion als Grünfläche haben, gekickt werden soll in Zukunft auf der neuen Sportanlage.

Das Flutlicht wird durch eine vier Meter hohe Sichtschutzwand auf dem Platz gehalten, wobei die Hauptaktivitäten mit Fluchtlicht auf den Plätzen 3 und 4 liefen, die von der Wohnbebauung abgewandt lägen, machte Jacobsen deutlich.

Der Verkehr werde auf den 306 Stellflächen umfassenden Parkplatz gelenkt, fünf davon sind für Menschen mit Behinderung reserviert. Derzeit gibt es 62 Parkplätze. Im Sander Weg dürfen nur noch Anwohner mit Parkausweis ihre Autos abstellen.

Keinen Handlungsbedarf sehen Jacobsen und die externen Berater bei der Entwässerung – das Regenwasser fließt in einen Vorfluter Richtung Wulfshagenerhütten, der befürchteten Wertminderung der Immobilien, bei Schäden durch Baufahrzeuge – vor Beginn der Arbeiten wird es eine Begehung geben, bei den Tier- und Pflanzenarten – die kleinwüchsige Königskerze beispielsweise könne gesichert und umgepflanzt werden, teilte Jacobsen mit.

Anwohner Gisbert Jäger rang nach Fassung. Der Biologe hatte seine Befürchtungen um die biologische Diversität in einer Stellungnahme zum Ausdruck gebracht. In seinen exemplarischen Ausführungen hatte Jacobsen nur die Königskerze genannt. „Das ist eine Brutalo-Baumaßnahme, bei der ökologische Zusammenhänge außer Acht gelassen werden“, empörte sich Jäger. „Das ist skandalös.“ Zweifel an der Wirksamkeit des skizzierten Schallschutzes meldeten Werner Timmler und Egon Hansen an. „Ich glaube nicht, dass die Tribüne den Schall schluckt“, sagte Hansen. Die Angaben seien für ihn nicht nachvollziehbar, fügte Timmler hinzu. Diplom-Geophysiker Bernd Dörries erläuterte daraufhin, dass er im Gutachten kumulativ gerechnet habe – also immer von der größtmöglichen anzunehmenden Lärmbelästigung ausgegangen sei. Mit seinen Aussagen sei er damit auf der sicheren Seite.

Peer Hansen vom Büro eds-planung brachte mit seiner Vorstellung der Gestaltung des Sportlerheims wieder Ruhe in den Sitzungssaal. Doch die währte nicht lang. Denn neben neben den Umkleiden und Sanitärräumen, den Schiedsrichterräumen und der Haustechnik im Untergeschoss, dem Besprechungs- und Verwaltungsraum im Erdgeschoss wird es auch eine Gastronomie mit Terrasse geben, von der aus sich der Blick über die Arena und den Rasenplatz bietet. „Das ist ein sehr schmuckes Gebäude geworden – alle Wünsche und Anregungen seitens der Vereine wurden untergebracht“, stellte der Ausschussvorsitzende Marco Koch (CDU) fest. Die Anwohner störten sich jedoch an der Gastronomie. Wenn die Geräusche es Spielbetriebs verstummt sind, schwappe der Lärm feiernder Gäste zu ihnen herüber, fürchten die Hauseigentümer aus dem Sander Weg. Einige hielten es zudem für unverantwortlich, eine Gaststätte mit Alkoholausschank in direkter Nähe zum Schulzentrum zu genehmigen. Diese Bedenken teilte der Ausschuss nicht. „Sich nach dem Spiel in geselliger Runde zusammenzusetzen gehört für mich zum Sport dazu“, machte Koch deutlich und erinnerte daran, dass die Situation am bestehenden Sportzentrum am Ringweg nicht anders sei.

Ganz andere Fragen stellten sich Meike Roggenkamp vom Bündnis 90/Die Grünen. „Wie soll das alles bezahlt werden?“, fragte sie und erhielt Beifall der Zuhörer. Ihren Informationen nach sei im Hauptamt noch nicht mit der Ermittlung der Folgekosten und der Verteilung auf die Nutzer begonnen worden. Doch schon am 3. September in der Gemeindevertretung solle die abschließende Entscheidung zum Bauvorhaben fallen. Gespräche zur Kostenverteilung mit dem Schulverband liefen bereits, entgegnete Bürgermeister Jürgen Baasch (SPD): „Wir machen uns schon Gedanken, wie man das gestalten kann.“

Bürger, die zum Bauprojekt Stellung genommen haben, erhalten eine schriftliche Antwort. Anregung und Abwägung finden sich zudem im Bürgerinformationssystem des Amtes wieder, das über das Internet aufzurufen ist.

 

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