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Eckernförder Zeitung

24. Oktober 2017 | 03:10 Uhr

Blueskonzert : Spitzenmusiker und volles Haus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ausverkauft: Abi Wallenstein, Georg Schroeter und Marc Breitfelder bringen den Blues in die Hüttener Kirche

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2014 | 08:00 Uhr

Wie haben die das nur wieder gemacht: Das Konzert in der Hüttener Kirche ist mit gut 250 Besuchern ausverkauft, alle Bänke sind besetzt, erste Gäste sichern sich eineinhalb Stunden vor Beginn den besten Platz. Die, das sind die aktiven Vereinsmitglieder des Vereins Hüttener Kirche und das Erfolgskonzept ist ganz simpel: Handverlesene Musiker (bevorzugte Richtung Blues), weniger Konzerte im Jahr, als eine Hand Finger hat.

Das Erfolgsduo Georg Schroeter (Piano) und Marc Breitfelder (Mundharmonika) kam inzwischen zum vierten Mal in die alte, ehrwürdige Backsteinkirche. Zusätzlich zu den beiden Kielern, die 2011 als erste Europäer die Internationale Blues Challenge (IBC) in Memphis/Tennessee gewannen und dem Schlagzeuger Tim Engel, konnten die umtriebigen Vereinsmitglieder Abi Wallenstein gewinnen, Herrn Blues persönlich. Der schlanke Hamburger, alterslos in schwarzer, leichter Lederjacke, schwarzer Hose und hellem Hut, seine herrlich abgewetzte Guild-Gitarre von 1957 um den Hals, steht da und lacht, sieht fast besser aus, als je zuvor. Vielleicht verraten die Lachfalten um die Augen, dass er in nicht allzu weiter Ferne sein 50. Bühnenjubiläum begehen wird. Verschmitzt und voller Schalk, fern aller Allüren und immer beim Publikum, nehmen er (smart, smart, smart...) und die drei anderen sympathischen Musiker ihr Publikum mit auf die staubigen, verzweigten Wege von Blues und Boogie. Abis Stimme – heiser und durch die Jahre geformt, irgendwie von innen leuchtend, ist die sandige Straße, die nach Hause führt, sandig – aber auch weich und warm. Ihr kann sich keiner entziehen. „Are you ready for the Blues?“

Abi will es gleich zu Beginn schon hören und bekommt es postwendend um die Ohren, das vielstimmige „Yeah!!“ Verschmitzt fordert er mehr: „Das ist heute etwas anders, als sonst in Kirchen, hier muss eine kleine Portion Ekstase dabei sein!“ Spricht`s und kriegt sie den Abend über serviert, die Entfesselung à la Hütten. Mit „Can`t be satisfied“, „Good morning Blues“ oder „Little Piece of Paper“ schlurfen oder tänzeln die schönsten Stücke des vergangenen Jahrhunderts behaglich und entspannt, aber immer wieder auch virtuos über Land, betören mit Soli und ganz viel Spaß am Spielen. Die vier Musiker bekommen vom Publikum, was sie verdienen: Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Applaus. Georg Schroeter am Piano produziert Klänge wie ein frischer Bergbach, es sprudelt und perlt und fließt hüpfend ins Tal, er singt mit dieser typischen, irgendwie belegten Stimme – Wiedererkennungswert: Hoch.

Hexenmeister Marc Breitfelder generiert in seinem zeitlosen Solostück „Station to Station“ neue Anbeter, erzeugt mit einer seiner 30 Mundharmonikas akustische Fata Morganen, die unterschiedlichste Instrumente vorgaukeln: Da hört das fassungslose Ohr Saxophon, Klarinette, Radiofetzen oder eine sich langsam in Bewegung setzende Dampflok. Da klappen Münder auf, voll ungläubigen Staunens – und das in der Kirche. Breitfelder holt sich Rückkopplungen (Feedback) aus den Boxen – ein Bluespunk – bis Abis Gitarre übernimmt. Tim Engel lässt die Drumsticks rotieren, spontaner Applaus reißt sich mitten im Solo los – heute ist man enthemmt. Und das bleibt auch so – nach jedem Solo johlt das volle Gotteshaus, es fühlt, dass das hier groß ist; klatscht begeistert, zeigt den Musikern, dass es sie liebt. Peter und Inge Petersen und Erika und Günther Schröder aus Owschlag sind zum dritten oder vierten Mal zum Konzert in Hütten: „Ich bin total begeistert!“, so Erika Schröder. Peter Petersen bestätigt: „Stimmt. Georg Schroeter, den find ich besonders toll. Der hat ne gute Stimme. Abi Wallenstein auch, aber trotzdem.“ Später, nach dem Auftritt, der mit Standing Ovations endet, stellt Wallenstein wiederum bescheiden klar: „Heute Abend war das Publikum der Hauptdarsteller.“ Gabriele Pahms, auch bekannt als Aktionstheater-Brabbeltasche Frau Pamms, ringt nach Luft und weiß, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben, keine Antwort. „Mir fehlen die Worte. Und das will was heißen bei mir.“

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