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Standort Damp : Spezial-OP: Ersatz fürs Ersatzgelenk

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Teil 3: Spezialisten der Helios Ostseeklinik ersetzen Erstimplantate in Hüfte und Knie / Knochenaufbau mit Material aus eigener Knochenbank

von
erstellt am 03.Mai.2017 | 06:33 Uhr

Damp | Medizin – Gesundheit – Erholung – diese drei Säulen bilden die Basis für den Standort Damp. Jahr für Jahr zieht es viele zigtausend Patienten und Urlauber an die Ostsee in Schwansen. In einer EZ-Serie wird der Standort und seine medizinische Bedeutung vorgestellt. Heute geht es im Teil drei der Serie um Revisionsoperationen und eine hauseigene Knochenbank.

Dank künstlicher Hüft- und Kniegelenksprothesen können sich viele Patienten wieder schmerzfrei bewegen und bleiben selbstständig. Auch gerissene Kreuzbänder im Knie lassen sich längst reparieren. Eine besondere Herausforderung ist es aber immer dann, wenn künstliche Gelenke oder bereits „reparierte“ Kreuzbänder verschleißen, ihre Funktion verloren haben und ersetzt werden müssen. Bei diesen sogenannten Revisionsoperationen sind die Spezialisten der Helios Ostseeklinik Damp gefragt. Hierbei können sie als eine der wenigen Kliniken in der Region auf eine hauseigene Knochenbank zurückgreifen, um mit biologischem Knochenmaterial defekte Hüft- und Knieknochen wieder aufzubauen.

Dr. Wolfgang Klauser ist seit 2015 Chefarzt der Abteilung Orthopädie. Er ist unter anderem Spezialist für die besonders komplexen Prothesenwechseloperationen. „Die Zahl der Wechseloperationen steigt weltweit“, berichtet er. Menschen werden immer älter und erhalten zusätzlich schon früher die ersten Implantate. Folglich müssen Endoprothesen auch schon im jüngeren Lebensalter gewechselt werden. Auch, wenn die Haltbarkeit von Hüftprothesen inzwischen bei etwa 20 bis 30 Jahren und die von Knieprothesen bei ungefähr 20 bis 25 Jahren liegt. Gründe für einen Wechsel können Lockerungen, nicht optimal passende Implantate oder in seltenen Fällen auch Infektionen der Kunstgelenke sein. „Patienten bemerken oft an einem Gefühl der Instabilität, dass etwas nicht stimmt“, erklärt Klauser. Bei gelockerten Prothesen oder beim Entfernen der alten Prothese wird der Knochen beschädigt. Deswegen muss der Chirurg bei vielen Revisionen den Knochen erst neu aufbauen. Diese können außerdem nach Stürzen gebrochen sein oder andere Defekte aufweisen. Griff man früher oft auf Zement zurück, um beispielsweise die Gelenkpfanne zu stabilisieren, so versuchen Klauser und seine Kollegen womöglich Material aus der Knochenbank zu verwenden. „Je weniger künstliches Material verwendet wird, desto geringer ist die Angriffsfläche und das Risiko für Infektionen des Gelenks“, so Klauser. Vor der Operation werden in genauer Diagnostik die Möglichkeiten einer Revision geprüft. Kommt es zur OP, stehen in der Klinik immer moderne, hochwertige Implantate in allen erhältlichen Größen und ausreichender Stückzahl bereit, um individuell die Gelenke aufzubauen. Dabei haben die Chirurgen die besten Erfahrungen mit dem Gesamtaustausch des Implantates gegenüber einem Teilaustausch gemacht, wie Klauser erklärt.

Das Knochenmaterial lagert bei -70 Grad Celsius stets verfügbar in der hauseigenen Knochenbank. Aufgebaut wurde und betreut wird die Knochenbank von Orthopädie-Oberarzt Peter Krasemann. Bei einer Erstimplantation von Hüftgelenken werden nach Einwilligung der Patienten nach dem Organspendegesetz, die entfernten Hüftköpfe aufbereitet. „Sie werden von Blut und Eiweiß befreit, thermisch verarbeitet und auf Keimfreiheit getestet“, erklärt Krasemann. Liegt die Bestätigung dafür nach 14 Tagen vor, werden die sterilen Präparate für Operationen bereitgehalten und bei Bedarf zum Ausgleich von Knochendefekten eingesetzt. Der Körper baut das Mineralgerüst in den eigenen Knochen ein und durchzieht es bald mit neugebildeten Blutgefäßen „Nach drei bis zwölf Monaten ist das Implantat fest eingewachsen“, erklärt Krasemann. Voll belastbar ist das Gelenk aber bereits acht bis zwölf Wochen nach dem Eingriff, ergänzt Dr. Wolfram Habermann.

Er ist seit mehr als 20 Jahren in der Ostseeklinik tätig, bis 2016 als Oberarzt. Seit Anfang 2017 ist er neben seiner operativen Tätigkeit in der Ostseeklinik zusätzlich an zwei Tagen in der Woche als Orthopäde im Medizinischen Versorgungszentrum Kappeln, Zweigstelle Rendsburg, tätig. Neben Gelenkersatz und Prothesenwechseln, sind gelenkerhaltende, arthroskopische, also minimalinvasive Eingriffe durchs Schlüsselloch an Knie und Hüfte Habermanns Spezialgebiet. Auch und gerade komplizierte Eingriffe wie beispielsweise an gerissenen Kreuzbandplastiken. „Da Menschen seit einigen Jahrzehnten in ihrer Freizeit immer öfter sportlich aktiv sind, ist die Zahl der Kreuzbandrisse, die Zahl der Kreuzbandoperationen und jetzt eben auch die Zahl der Fälle, in denen das operierte Kreuzband erneut reißt, immer mehr gestiegen. Dann sind in der Regel zwei Operationen nötig. In einer ersten werden die Bohrungen der ersten Implantation und häufig vorhandene Knochendefekte mit Knochenmaterial aus dem Schienbein und gegebenenfalls mit Material der Knochenbank verfüllt. Nach etwa drei Monaten folgt die zweite Operation, bei der neue, exakte positionierte Bohrungen in den Knochen eingebracht werden. Als Ersatz für das defekte Band entfernt der Chirurg aus funktionstüchtigen körpereigenen Sehnen – in der Regel vom Oberschenkel - einen schmalen Streifen und baut ihn ein. „Künstliche Sehnen zu verwenden hat sich nicht bewährt“, erklärt der Fachmann. Die Kunst der Operation ist es, dass der Kreuzbandersatz möglichst nah am Gelenk verankert wird..



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