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Eckernförder Zeitung

17. Dezember 2017 | 21:12 Uhr

Ausgezeichnet : SPD ehrt drei ihrer ganz Großen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Joachim Kandzora an seinem 89. Geburtstag mit der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet - Rix würdigt Verdienste von Klaus Buß und Dr. Jürgen Anbuhl

von
erstellt am 09.Dez.2013 | 07:30 Uhr

Das sozialdemokratische Herz schlug am Freitagabend im vollbesetzten Stadthallenrestaurant besonders laut. Die SPD ehrte im Beisein der früheren Ministerpräsidentin Heide Simonis, des Eckernförder Ehrenbürgers und verdienstvollen Bürgermeisters Kurt Schulz sowie der Europaabgeordneten Ulrike Rodust langjährige Mitglieder. Im Mittelpunkt standen drei Männer, die in ihrer aktiven Zeit – neben Schulz – nicht nur die Sozialdemokratie in Eckernförde, sondern die gesamte Stadtentwicklung entscheidend geprägt haben: Joachim Kandzora, Klaus Buß und Dr. Jürgen „Johnny“ Anbuhl. Jochen Kandzora erhielt an seinem 89. Geburtstag die höchste Auszeichnung der SPD, die Willy-Brandt-Medaille, für sein Lebenswerk, Klaus Buß und Jürgen Anbuhl sind seit 50 Jahren in der SPD aktiv und haben sich an führender Stelle um ihre Heimatstadt verdient gemacht.

Dem Eckernförder SPD-Bundestagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden Sönke Rix blieb es nach der kurzfristigen, staubedingten Absage des früheren Finanzministers und SPD-Landesvorsitzenden Claus Möller vorbehalten, die großen Männer der Eckernförder Sozialdemokratie zu ehren. Es musste es aus dem Stehgreif machen, und entpuppte sich dabei nicht nur als ausgewiesener Kenner der Lebenswege, sondern auch als ein einst ehrfürchtig aufblickender Nachwuchspolitiker, der viel von den großen Vier der Eckernförder Sozialdemokratie gelernt habe. „Ich hatte immer große Ehrfurcht vor Kurt, Jochen, Klaus und Johnny.“ Schon seine Mutter habe ihm früher immer voller Hochachtung und Respekt gesagt: „Das waren noch Leute!“

Jochen Kandzora sei ein „sehr feiner und besonders geistreicher Mann“, der immer auch über den Tellerrand geschaut und der SPD in vielfacher Weise und Funktion von der örtlichen bis zur Bundesebene gedient habe. Er hätte sich wohl auch im internen Duell mit Heide Simonis bei der Wahl zum Bundestagsabgeordneten durchgesetzt, wenn nicht einige Mitglieder im Gefühl des sicheren Sieges vorzeitig gegangen wären – am Ende fehlten ihm zwei Stimmen, eine Niederlage, die Kandzora weh getan habe, sagte Rix. „Bei mir war’s nur eine“, rief Heide Simonis in den Saal und erinnerte an den immer noch unbekannten „Heide-Mörder“ des Jahres 2005. Ein weiteres Trauma sei für Kandzora die Schließung der Bauschule gewesen, an der er als Architektur-Professor tätig war. „Da hat ihm das Herz geblutet, das hat Jochen unheimlich aufgeregt“, sagte Rix. Der auf Harmonie bedachte Joachim Kandzora, seit 40 Jahren Mitglied der SPD, erhielt für sein großes ehrenamtliches Engagement als zweiter Eckernförder nach Kurt Schulz die Willy-Brandt-Medaille.

Der Hauptmann befahl den junge Fähnrich Klaus Buß zum Rapport: „Habe gehört, Sie sind in die SPD eingetreten ...“, habe der alte Haudegen seine Litanei begonnen. Der junge Mann, der mal Bürgermeister und Landesminister werden sollte, blieb standhaft und vertrat seine Meinung. „Nicht immer gleich den Schwanz einziehen“, gab Buß mit diesem Beispiel aus seinem Leben den Nachwuchspolitikern von heute mit auf den Weg. Der in Schlawe in Pommern geborene Klaus Buß machte in Eckernförde Karriere. Der Jurist war SPD-Fraktionsvorsitzender (1978-84), Landtagsabgeordneter (2001-05), Bürgermeister (1987-98) und von 1998-2005 Landesminister (erst Landwirtschaft, dann Inneres). „Wir waren bass erstaunt – Klaus Buß in Gummistiefeln konnten wir uns nicht vorstellen“, sagte Sönke Rix. Auffallend sei seine „energische Art“, er sei aber immer auch ein Chef gewesen, „mit dem man Spaß haben konnte“. Buß sei eine „Autoritätsperson“ und schätze eine offene, ehrliche Art des Umgangs.

Jürgen Anbuhl, wie Kurt Schulz Ehrenbürger der Stadt, hat Eckernförde und den Norden im Bonner Bundestag vertreten. Als Lehrer und Pädagoge habe er seine Mitstreiter stets gut motivieren können, die Bildungspolitik und der soziale Wohnungsbau seien elementare Pfeiler seines politischen Wirkens in Bonn wie auch in der Eckernförder Ratsversammlung gewesen, sagte Rix, der einst Praktikant unter Anbuhls Schulleitung war. Als langjähriger Bürgervorsteher habe er die Stadtpolitik im Einklang mit Klaus Buß und Klaus Witzig – manchmal auch auf den „kleinen Dienstweg“ – maßgeblich geprägt und viele richtungweisende Entscheidungen wie die Gründung der Integrierten Gesamtschule zum Wohle der Stadt getroffen.

Besagter Klaus Witzig, lange Vorsitzender der SPD-Rathausfraktion und brillanter Redner, steuerte seinerseits einige Episoden aus der Zusammenarbeit mit „dem Trio Infernale der Eckernförder Kommunalpolitik“ und Kurt Schulz als Übervater bei. Witzig erinnerte an das am politischen Widerstand gescheiterte Großprojekt Borby Hof, seinen Widerstand als politischer Rebell gegen die Wahl von Klaus Buß zum Bürgermeister – erst Björn Engholm durchschlug den Gordischen Knoten. Johnny Anbuhl bezeichnete er als einen „Menschen mit einem Herzen für kleine Leute“. Von der „Quadriga“ Kurt Schulz, Klaus Buß, Joachim Kandzora und Johnny Anbuhl habe „die ganze Stadt profitiert“.

Für ihre 50-jährige Treue zur SPD wurden ebenfalls Ingrid Anbuhl, Karl Wegner und Hans-Dieter Bruhn ausgezeichnet. 25 Jahre sind dabei die frühere Bürgermeisterin Susanne Jeske-Paasch, Ingrid Ehlers, Wilhelm Hesterberg, Hans Daniel und Jochen Voss. Ortsvorsitzender Jörg Meyer dankte ferner Heiner Petersen für seinen Part als aktiver Helfer.

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