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Eckernförder Zeitung

17. Dezember 2017 | 02:06 Uhr

Kosel : Spaziergang mit Kiebitz und Lerche

vom

Vogelstimmenführung auf Hof Schoolbek unter der Leitung von Dr. Katrin Romahn lockte Menschen von nah und fern.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2013 | 07:41 Uhr

Kosel | Wer sich schon immer einmal über die Vogelstimmenvielfalt gefreut hat, die ihn auf Spaziergängen durch die Natur begleitet, dem bot sich auf Hof Schoolbek am Freitag ein ganz besonderes Angebot: eine Vogelstimmenführung durch das Naturparadies des Schoolbeker Geländes. Biologin Dr. Katrin Romahn war für ihren Mann eingesprungen, der aus persönlichen Gründen die Führung absagen musste. Dr. Romahn ist aber viel mehr als bloßer Ersatz. Seit 2006 kennt sie die Äcker auf Schoolbek, hat die Entwicklungen und den Artenbestand verfolgt und kartiert.

"Das ist nicht selbstverständlich", sagt auch Schoolbek-Chefin Susanne von Redecker, die die gut zwanzig Gäste der Vogelstimmenführung begrüßte. Warum gibt es auf den Schoolbeker Äckern so viele verschiedene Vogelstimmen zu hören? Susanne von Redecker und Dr. Katrin Romahn kennen die Antwort. Während in der Agrarlandschaft allgemein ein dramatischer Artenverlust zu beklagen ist, findet man auf Schoolbek eine Artenvielfalt in Flora und Fauna, die so einzigartig ist, dass das Gelände seit 2009 in das Projekt "100 Äcker für die Vielfalt" aufgenommen wurde. In Schleswig-Holstein wird das Projekt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume koordiniert und vom Deutschen Verband für Landschaftspflege umgesetzt. Die Stiftung Aktion Kulturland beteiligt sich bei der Suche nach geeigneten Schutzäckern. Gefördert wird das Projekt vom schleswig-holsteinischen Umweltministerium. Unter strengen Bewirtschaftungsauflagen sorgt Susanne von Redecker dafür, dass auf dem Bio hof sehr gute Voraussetzungen für die Artenvielfalt geschaffen werden und erhalten bleiben. Dr. Romahn erklärt die Zusammenhänge auch für den Laien verständlich: Ackerwildkräuter und anderen vor dem Aussterben bedrohte Pflanzen und wunderbare Knicks und alte Bäume sorgen für eine weitere Artenvielfalt bei den Insekten - eine ideale Voraussetzung auf für die Vogelvielfalt. "Hier finden wir Vögel, die wir woanders vergeblich suchen", unterstreicht Susanne von Redecker. 60 Prozent der Lerchen und 90 Prozent der Rebhühner seien bereits aus der Natur verschwunden. Auf Schoolbek findet man sie noch.

Ein Erlebnis, das sich nicht nur Einheimische, sondern auch Feriengäste nicht entgehen lassen wollten. Hobby-Ornithologin Henrieke Schepers war mit Sabine Knappe aus Berlin zum Urlaub in der Region und fand den Hinweis auf die Vogelstimmen-Führung per Zufall beim Einkaufen. "Das konnte ich mir nicht entgehen lassen", sagte die Urlauberin und schloss sich der Gruppe an. Bei wunderbarem Frühlingswetter stieß sie schon nach wenigen Schritten auf ein Rotkehlchen. Dass in jeder Vogelstimme auch Interpretationsspielraum bleibt, zeigten gleich die ersten Gespräche am Rande der Führung: Ob "gepresst" oder "melancholisch" - die Frage konnte nicht abschließend geklärt werden, dass es sich um ein Rotkehlchen handelte, war aber schnell jedem klar. Und so machte sich die ganze Gruppe auf die Hör-Suche nach Kiebitz, Lerche und Rebhuhn, Goldammer und Baumpieper.

Nebenbei erklärte Dr. Romahn auch, warum die Vögel überhaupt zwitschern: Es geht um Kommunikation mit dem Partner und das Abstecken des Reviers und der entsprechenden Futterressourcen. Dass das Artenschutzprogramm, das speziell für Hof Schoolbek entwickelt wurde, Früchte trägt, zeigte nicht nur das Interesse der Gäste an der Führung, sondern auch die Beobachtungen der Expertinnen. "Mir scheint, dass wir, was die gefährdeten Arten angeht, in jedem Jahr ein bisschen vorankommen. Jedes Jahr haben wir ein bisschen mehr von ihnen", stellt Susanne von Redecker fest und verweist auf die nächsten Führungen, bei denen es um Pflanzen gehen wird. So wird auch deutlich, wie eng das System der Artenvielfalt miteinander verflochten ist. "Wir finden hier ein echtes Paradies", so Dr. Romahn, die trotz der intensiven Kenntnis des Geländes, immer wieder ins Schwärmen gerät: "Das ist wirklich der Wahnsinn, was es hier zu finden gibt!"

Um Ackerwildkräuter geht es in der nächsten Führung über die Artenschutzflächen des Bio-Hofs Schoolbek am Freitag, 31. Mai, um 18 Uhr. Am Sonnabend, 13. Juli, dreht sich von 11 bis 15 Uhr alles um Tagfalter. Nähere Informationen und Anmeldung auf dem Bio-Hof unter Tel. 04354/457.

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