Maikundgebung : Sorgen um die Arbeit der Zukunft

Den Maiumzug begleiteten rund 120 Bürger vom Petersberg zum Rathausplatz zur offiziellen Kundgebung der Gewerkschaften.
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Den Maiumzug begleiteten rund 120 Bürger vom Petersberg zum Rathausplatz zur offiziellen Kundgebung der Gewerkschaften.

Rund 300 Teilnehmer bei Maikundgebung auf dem Rathausplatz / Gewerkschaften kritisieren Leiharbeit, Werkverträge und Minijobs

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02. Mai 2015, 06:17 Uhr

Eckernförde | Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) feiert den Tag der Arbeit – seit mittlerweile 125 Jahren. „Die Arbeit der Zukunft gestalten wir“ lautete das Motto in diesem Jahr. Auf zahlreichen Transparenten warben die Teilnehmer in Eckernförde für mehr Respekt für den Wirtschaftsfaktor Arbeit. Mairedner Finn Petersen, Schleswiger Regionalgeschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), kritisierte die Zunahme von Leiharbeit, Werkverträgen und Minijobs sowie die Strategien und Tricks von Arbeitgebern, den Mindestlohn zu umgehen.

Am Gedenkstein auf dem Petersberg begrüßte der DGB-Ortsvorsitzende Horst Kunze rund 120 Bürger, die dem Aufruf der Einzelgewerkschaften und Parteien gefolgt waren. Auf dem Rathausplatz, wo der von den Drums & Pipes angeführte Maiumzug endete, waren es im Laufe der Kundgebung dann rund 300 Teilnehmer. Dort gab es zudem Spielangebote für Kinder und zum Abschluss den Auftritt der Brass-Band der Peter-Ustinov-Schule.

Horst Kunze erinnerte an die Anfänge der internationalen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. Im Mai 1886 gab es am Rande einer Streik-Kundgebung in Chicago Krawalle mit Toten und Verletzten. 1889 rief ein internationaler Arbeiterkongress in Paris dazu auf, jährlich einen „Kampftag der Arbeiterklasse“ zu feiern. In Deutschland gingen trotz Verbots rund 100  000 Menschen auf die Straße, weltweit waren es etwa eine Million. 1891 gründete sich in Eckernförde der erste Arbeiterverein, berichtete Kunze und betonte mit Blick auf den Ausgangspunkt des Maiumzuges: „Der Gedenkstein auf dem Petersberg erinnert an unsere Kollegen, die beim Kapp-Putsch und dem Überfall der Nazis auf das Gewerkschaftshaus ermordet wurden.“

Horst Kunze schaute auch voraus, auf den 8. Mai, den Tag der Befreiung – nicht der Niederlage, sagte er. Das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren sei eine Niederlage für die Faschisten, aber eine Befreiung für alle Völker. Er appellierte an alle Zuhörer, die Ideen der Gewerkschaften niemals aufzugeben, sich gegen Krieg und Unterdrückung und für Demokratie und ein menschenwürdiges Leben einzusetzen.

Sorgen bereite dem DGB-Ortsvorsitzenden in Eckernförde die Entwicklungen in der imland-Klinik, in der die Geburts- und Kinderstation wieder auf den Prüfstand gestellt werde. Horst Kunze habe zwar freudig zur Kenntnis genommen, dass der soziale Wohnungsbau in Eckernförde durchaus mehrheitsfähig sei. Verstanden habe er aber nicht, warum die Gewerkschaften bei dem Workshop zur Nooröffnung im Gegensatz zum Wirtschaftskreis oder der Kirche nicht geladen waren.

Solidarität fordert Kunze für die Erzieher, deren Wertschätzung nun auch finanziell zum Ausdruck gebracht werden müsse. Er bat bei den Eltern, deren Kinder vom Streik in Kindertagesstätten betroffen seien, um Verständnis.

Finn Petersen hob den Mindestlohn als eine der jüngsten Errungenschaften der Gewerkschaft hervor. Dieser müsse jetzt auch verteidigt werden. Viele Politiker forderten Ausnahmen von dieser Regelung. Petersen kritisierte den Umgang der Arbeitgeber mit dem Mindestlohn, etwa Zuschläge in den Grundlohn einzurechnen, Urlaubstage zu reduzieren oder Essensgutscheine als Mindestlohn-Ersatz auszugeben. Andere Unternehmen versuchten, durch Werkverträge Billigarbeit zu organisieren. Vor allem viele ausländische Arbeitskräfte würden in ihren Rechten eingeschränkt werden.

Mit Blick auf das Gaststättengewerbe nahm Finn Petersen die Dehoga ins Visier. Die Kritik des Hotel- und Gaststättenverbandes an der Dokumentationspflicht der Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten sei ebenso abzulehnen wie die Forderung, drei Mal in der Woche einen Schichtdienst von bis zu zwölf Stunden für Mitarbeiter zu erlauben.

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