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Sønderjyllands Symfoniorkester besticht mit Qualität

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 18.Jan.2014 | 00:32 Uhr

Einen fantastischen, exquisiten Konzertabend durften die Menschen genießen, die am Donnerstag in die St. Nicolai-Kirche kamen. Das Sønderjyllands Symfoniorkester unter der Leitung des Briten Benjamin Wallfisch spielte Werke von Haydn, Strawinski, Larsson, Hindemith und Mozart und bewies mit dieser Auswahl aus zwei Jahrhunderten seine Klasse. Die Stücke, die das 65-köpfige Orchester präsentierte, bezauberten, generierten Bilder vor dem inneren Auge und halfen, die Gedanken schweifen zu lassen. Haydns Sinfonie „Le midi“ Nr. 7 in C-Dur, die er im Auftrag des Fürsten Esterházy schrieb, beginnt gesetzt, bietet Solovioline und Solocello Raum für ihr wunderbares Spiel, um im dritten Satz, einem Menuett, tänzelnd, lebendig und heiter daher zu kommen. Im vierten Satz endete sie, so das Programm, mit einem „festlichen Finale“.

1925 schrieb Igor Strawinski seine Suite Nr.1 für kleines Orchester. Sie beginnt wunderschön, zart, lyrisch; die Bläser des Orchesters begeistern. Es folgen drei humoristisch-schräge Tanzsätze, in denen es mit Pauken, aber ohne Trompeten Strawinskis typische Handschrift wieder erkennt. Mit dem Solobassisten Peder Linneberg bot das Orchester einen zusätzlichen Augen- und Ohrenschmaus. Linneberg, der ziemlich genau dem entspricht, was man sich unter einem typischen Dänen vorstellt – hellhäutig, blond, sympathisch, schlank, blauäugig – verzauberte die zu gut gefüllte Kirche mit seinem außergewöhnlichen Soloinstrument. Der modernen Komposition des Schweden Lars-Erik Larsson (1908 - 1987) gab er damit eine zarte bis duftige Note, die immer mal wieder einer gewissen Schwere im Duft wich. Die Sätze (Concertino für Kontrabass und Streichorchester Op. 45, Nr.11 von 1957), die – wie das ausführliche Programm bestätigt – dem traditionellen Konzerttypus schnell-langsam-schnell folgten, wiesen in der Tat einen „leicht melancholischen Anstrich“ auf. In der Pause stellt Bodil Steenvinkel aus der Nähe von Rieseby fest: „Larsson – den Namen hatte ich noch nie gehört. Kontrabass ist sonst nicht so mein Instrument, aber dies ist überraschend schön. Und unerwartet.“

Als der deutsche Komponist Paul Hindemith 1936 seine „Trauermusik“ schrieb, war am Abend zuvor König Georg von England gestorben. Ein Konzert, das Hindemith in London hätte spielen sollen, wurde abgesagt. Stattdessen schrieb er, in den Räumen der BBC, binnen weniger Stunden seine kleine Suite für Bratsche und Streichorchester, die am darauf folgenden Tag aufgeführt wurde. Im Sønderjyllands Symfoniorkester wird die Solostimme der Bratsche durch den Kontrabass ersetzt, was dem Abend Exklusivität und Sonderklasse verlieh. Mucksmäuschenstill war es im Publikum, es regte sich keiner, der Atem wurde angehalten, als Linneberg die Trauermusik angemessen „sehr langsam“ zu Ende brachte und ihm dafür mit ehrlichem, begeisterten Applaus gedankt wurde.

Mit Mozarts Sinfonie Nr. 29 in A-Dur (1774) ging ein wunderbares Konzert zu Ende, über das Bodil Steenwinkel in der Pause noch gesagt hatte: „Auf Mozart am Schluss habe ich mich sehr gefreut, aber das allein wäre vielleicht ein bisschen einseitig gewesen. Toll, dass dieses wunderbare Orchester auch nach Eckernförde kam!“


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