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Imland-Klinik Eckernförde : Sohn hat anaphylaktischen Schock: Mutter fühlt sich vom Krankenhaus „abgewimmelt“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tanja Petersen beklagt hinhaltendes Verhalten am Empfang der Imland-Klinik. Diese äußert sich in einem Statement zu dem Vorfall.

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erstellt am 14.Sep.2017 | 15:06 Uhr

Eckernförde | Wenn Kinder akut krank sind, setzen die Eltern notfalls Himmel und Hölle in Bewegung, damit ihrem Kind geholfen wird. Das war auch bei Tanja Petersen aus Kosel so. Ihr zweijähriger Sohn Jonne ist Allergiker. Am Freitag, 1. September, bekam er plötzlich Pusteln und sein Auge schwoll zu. „Ich wusste sofort, dass es sich um einen anaphylaktischen Schock handelte. Ich gab ihm seine Notfallmedikamente, überlegte, was zu tun sei und entschied mich für die Fahrt zur Imland-Klinik in Eckernförde. Ich wusste zu der Zeit nicht, ob Jonnes Medikament anschlägt und ob sich der Schock weiter ausbreiten würde. Da zählt dann jede Minute“, sagte die junge Mutter dem sh:z.

Ein anaphylaktischer Schock muss nach medizinischen Erkenntnissen sofort behandelt werden, ansonsten kann sich daraus ein lebensbedrohlicher Schockzustand entwickeln. Der anaphylaktische Schock zählt zu den gefürchtetsten und schwerwiegendsten allergischen Reaktionen des menschlichen Körpers. Deshalb ist es nicht nur für Mediziner, sondern auch für Allergiker und Personen in deren Umfeld äußerst wichtig, Anzeichen einer Anaphylaxie zu erkennen und rechtzeitig geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Zunächst an der Abmeldung abgewiesen

Tanja Petersen berichtet weiter, dass ihr bei der Anmeldung gesagt worden sei, dass der kinderärztliche Notdienst bei den Kinderärzten stattfindet und nicht mehr im Krankenhaus. Das wisse sie, habe sie entgegnet, „aber ich dachte, dass Notfälle trotzdem behandelt werden“. Am Empfang sei ihr dann geraten worden, weiterzufahren. „Ich war entsetzt“, sagt Tanja Petersen. „Ich muss mich jetzt mit meinem zugeschwollenen Kind ins Auto setzen und weiterfahren?“, habe sie der Mitarbeiterin an der Information geantwortet. „Ja“, hätte diese geantwortet, schildert die Koselerin die Szene im Eingangsbereich.

Junger Arzt leistet Hilfe

„Ich sagte, dass ich nun 112 wählen werde, da ich nicht weiß, ob Jonne in den nächsten Minuten Atemnot bekommen wird oder nicht. Ich sei kein Arzt und könne das selber nicht einschätzen.“ Das zog offenbar, denn nun durfte sie in die Notaufnahme. Aber auch dort habe man zunächst versucht, sie „abzuwimmeln“, beklagt sich Tanja Petersen. „Ein sehr junger Arzt kam auf uns zu, wie ich so hilflos mit meinem Kind auf dem Arm auf dem Flur stand, und fragte, ob der Kleine hingefallen sei. Ich entgegnete, dass er einen anaphylaktischen Schock habe. Er hat sich unserer sofort angenommen, Jonne untersucht, mit der diensthabenden Kinderärztin auf der Kinderstation in Rendsburg Rücksprache gehalten und dann veranlasst, dass Jonne mit dem Rettungsdienst dorthin verlegt wird. Es ist alles gut gegangen.“

Verägerung über Klinikpersonal

Tanja Petersen ist froh, dass es Jonne wieder gut geht, der Kleine ist putzmunter und unternehmungslustig. Doch die Sorge, dass ihm wieder etwas passieren kann und es wieder Probleme bei der Anmeldung in der Imland-Klinik Eckernförde geben könnte, bleibt.

„Ich bin stinksauer“, sagt Tanja Petersen. „Dürfen die Mitarbeiter in der Anmeldung einfach so über Notfälle entscheiden? Ich wusste, was Jonne hat. Hätte ich es nicht gewusst, so wie bei Jonnes erstem anaphylaktischen Schock, als ich komische Pusteln bei ihm entdeckte und vorsichtshalber ins Krankenhaus gefahren bin (im Krankenhaus waren Zunge und Kehle schon angeschwollen), hätte ich mich dort vermutlich abwimmeln lassen und wäre weitergefahren. Und das wäre für Jonne verdammt eng geworden“, denkt sie mit Schaudern an die sorgenvollen Stunden am Freitagvormittag in Eckernförde zurück. „Wohin sollen wir Mütter denn fahren?“, spürt sie eine Verunsicherung, wie sie sich beim nächsten Mal verhalten soll.

Die Schließung der Kinderstation in Eckernförde sei zwar katastrophal, „aber darauf kann man sich einstellen, und die drei Betten waren auch nicht immer belegt. Aber Notfälle?“ Die müssten in jedem Fall in Eckernförde weiterbehandelt werden, fordert Tanja Petersen von der Imland-Klinik.

Stellungnahme der Imland Klinik:

Imland: „Ein Kontakt ohne Reibungspunkte“

Der „Fall Petersen“ hat die Geschäftsführung der Imland-Klinik Eckernförde beschäftigt. „Wir bedauern, dass Frau Petersen mit der Behandlung Ihres Sohnes Jonne in der imland Klinik Eckernförde nicht zufrieden war. Die vorliegenden Ausführungen zeigen, dass die ärztliche Behandlung von Jonne gemäß unserer Vorgaben für die ambulante Behandlung von Kindern erfolgt ist. Wir können ihren Vorwurf, an der Anmeldung von unseren Mitarbeitenden ’abgewimmelt’ worden zu sein, nicht bestätigen“, teilte Geschäftsführer Dr. Hans-Markus Johannsen auf Anfrage dem sh:z mit.

Man habe alle an der Behandlung beteiligten Mitarbeiter zur Stellungnahme zu den Ausführungen von Tanja Petersen aufgefordert. Aus diesen Ausgaben gehe hervor, dass die Mutter mit Ihrem zweijährigen Sohn Jonne am Freitag, 1. September, zwischen 10 und 10.15 Uhr an die Information gekommen sei. Sie habe gesagt, dass ihr Sohn eine allergische Reaktion am Auge habe, die sie nicht in den Griff bekomme. Sie wolle ihren Sohn in der Notfallambulanz untersuchen lassen.

Die Mitarbeiterin an der Information habe Tanja Petersen nicht abgewiesen, allerdings darauf aufmerksam gemacht, dass während der Öffnungszeiten die Niedergelassenen (Kinder-)Ärzte für die Notfallversorgung zuständig seien. Zudem habe die Pflegekraft gesagt, dass im Falle eines anaphylaktischen Schocks auch die Kinderklinik in Rendsburg die richtige Anlaufstelle hätte sein können. „Unsere Mitarbeiterin erinnert den Kontakt mit Frau Petersen ohne Reibungspunkte. Frau Petersen wurde direkt danach in die Patientenaufnahme und von dort in die Zentrale Notaufnahme verwiesen, um eine zügige Untersuchung sicherzustellen. Keine der befragten Mitarbeitenden erklärte, dass es eine konkrete Aufforderung, nach Rendsburg zu fahren, gegeben habe“, teilte Geschäftsführer Johannsen mit.

Um 10.28 Uhr sei Jonne als ambulanter Notfall erfasst worden. Zudem sei der diensthabende Internist hinzugezogen worden, der sich sofort um Jonne gekümmert habe. Der Arzt habe mit der diensthabenden Pädiaterin in der Imland-Klinik Rendsburg telefonisch Rücksprache gehalten und dann als besondere Vorsichtsmaßnahme entschieden, das Kind mit der Mutter zusammen mittels Rettungswagen in die Pädiatrie nach Rendsburg zu verlegen, da bereits in der Vorgeschichte des Kindes eine anaphylaktische Reaktion mit Atemwegsbeteiligung angegeben worden wäre. „Zum Zeitpunkt der Verlegung zeigte sich die beim Kind stattgefundene anaphylaktische Reaktion am Auge bereits deutlich rückläufig. Das Kind war zu jedem Zeitpunkt kreislaufstabil und nicht vital gefährdet“, betonte Johannsen.

Die Verlegung nach Rendsburg habe nach einer Wartezeit von etwa einer Stunde stattgefunden. Dort sei Jonne ambulant behandelt und nach Hause entlassen worden.

„Wir konnten nicht nachvollziehen, in welcher Gesprächssituation Frau Petersen gesagt wurde, sie müsse jetzt weiterfahren. Es konnte sich auch keiner unserer Mitarbeiter erinnern, dass sie gesagt habe, den Notruf 112 rufen zu wollen, wenn man ihr nicht helfe“, erklärte der Imland-Geschäftsführer in seiner Stellungnahme.

Trotzdem müsse man „sehr ernst nehmen“, wie Frau Petersen die Äußerungen unserer Mitarbeiter aufgefasst habe, „denn wir möchten von unseren Patienten so nicht wahrgenommen werden. Daher würden wir es sehr begrüßen, wenn Frau Petersen zu einem persönlichen Gespräch bereit wäre. Wir werden Sie hierzu einladen in der Hoffnung, die unterschiedliche Wahrnehmung des Behandlungsverlaufs aufklären zu können.



 

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