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Ausflug in die Vergangenheit : So sah Schule vor 100 Jahren aus

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die frühere Felmer Schulleiterin Christine Strüfing lädt Schulklassen ins Gettorfer Heimatmuseum ein und zeigt ihnen, wie Schule früher war.

shz.de von
erstellt am 21.Jun.2016 | 06:13 Uhr

Gettorf | „Rauf, runter, rauf – Pünktchen oben drauf“: Im Chor sprechen die Schüler den Reim immer wieder und zeichnen dabei das kleine I in Schreibschrift mit Kreide auf ihre Schiefertafeln. Die Jungen haben saubere Hände, die Haare sind ordentlich gekämmt und sie tragen einen Matrosenkragen, die Mädchen haben geflochtene Zöpfe und eine lange blaue Schürze an. Alle sind sehr aufmerksam und verfolgen wie Lehrerin Christine Strüfing ihnen etwas zeigt und erzählt: Sie erleben eine Unterrichtstunde wie vor 100 Jahren.

Die Klasse 3 c ist zu Gast im Gettorfer Heimatmuseum. Neben der Wohnstube des ehemaligen Lehrers August Seidel (1872-1944), einer Werkstatt und vielem mehr, beherbergt das Museum seit fast zwei Jahren auch eine historische Schulstube. Christine Strüfing, die 20 Jahre lang Schulleiterin an der Grundschule in Felm war und 2007 in Pension ging, hat vor mehr als 30 Jahren angefangen, alles zu sammeln, was mit Schule in Verbindung steht. Schulbänke, Tafeln, Stehpulte und präparierte Tiermodelle sind ebenso darunter, wie zahlreiche Federhalter, Griffelkasten, Ranzen, Holzschuhe, aber auch Bücher, Bilder und Briefe gehören zu dem Fundus. Immer mehr Schulen hätten sich damals ihrer alten Gegenstände entledigt, berichtet Strüfing. Sie ist durch ganz Schleswig-Holstein gereist und hat die Dinge zusammengetragen. „Inzwischen könnte ich gut einen 50 Quadratmeter großen Raum damit bestücken“, erklärt die passionierte Sammlerin. Das Tolle daran: Christine Strüfing möchte ihre Ausstellung zeigen, ihr Wissen teilen und somit versuchen, die Geschichte der Schule in der Region Dänischer Wohld zu erhalten.

Und das tut sie unter anderem, indem sie Schulklassen in das Heimatmuseum einlädt und ihnen einen sehr lebendigen Eindruck von der Schule, wie sie vor vielen Jahren war, vermittelt. „Frisch gewaschen und gekämmt, Hals, Gesicht und auch die Händ, willst du dir dein Näslein putzen, darfst du nicht den Ärmel nutzen und ein reines Taschentüchlein darf auch nicht vergessen sein“ – das waren schon mal die Grundregeln. Wie man sich richtig gemeldet hat – mit angewinkeltem rechten Arm, gestützt durch den linken – und dass man sich zum Antworten neben die Bank stellen muss, lernen die 19 Kinder recht schnell. „Respekt und Wertschätzung vor dem Erwachsenen waren wichtige Werte, ebenso Ordnung, Haltung und Stille“, berichtet die Lehrerin.

Lackierte Fingernägel, wie Lily (8) sie an diesem Morgen trägt, wurden sofort entdeckt. „Da gab es etwas mit dem Rohrstock“, beschreibt die Lehrerin. Dass es streng zuging, vor 100 Jahren, das merken die Schüler schnell. Zur Strafe viele Stunden auf harten Erbsen oder einem Holzscheit knien– davon hatten sie vorher noch nie etwas gehört. „Und wenn jemand nicht ordentlich gelernt hatte und die Frage des Lehrers nicht beantworten konnte, musste er auch schon mal einen ganzen Tag mit der Eselsmaske herumlaufen“, berichtete Strüfing den gespannten Schülern. „Ein bisschen streng“, fand Lily die Lehrerin von früher dann auch. „Ziemlich gut“ hat Pauline (9) der Ausflug in die Vergangenheit gefallen. „Die Geschichte mit dem Eselskopf fand ich besonders spannend“, verriet sie.

„Wir haben gerade Heimat-, Welt- und Sachkunde und behandeln schon seit einigen Wochen das Thema „heute und früher“. Da passte dieser Ausflug gut rein“, berichtet Dorothee von Heiden, Lehrerin an der Grundschule in Dänischenhagen. Mit Eltern hatte sie die An- und Abfahrt organisiert und freute sich über das Angebot von Christine Strüfing und darüber, dass die Kinder mit Begeisterung mitmachen „Es ist praxisorientiert, lebensnah und so viel nachhaltiger“, sagt sie.

Die kleine Schulstube im Heimatmuseum ist sehr voll. „Das war früher so. Es gab nicht extra Räume für die Lehrmittel“, erklärt Strüfing. Sie läutet die Glocke – die Schulstunde ist zu Ende. Lily, Paulina und ihre Schulkameraden dürfen ein Eis essen gehen. Christine Strüfing räumt auf. Sie ist froh, über die Möglichkeit im Heimatmuseum ausstellen zu können und macht den Show-Unterricht gegen eine kleine Spende. Der Unterricht sei in allen Gemeinden in der Region inhaltlich ähnlich gewesen. Es sei ihr ein Anliegen alle Umlandgemeinden durch das Lern- und Lehrmaterial am Beispiel der alten Küsterschule in Gettorf, in der August Seidel gelebt und unterrichtet hat, zu repräsentieren. „Man kann nur Zukunft gestalten, wenn man die Vergangenheit erhält und daraus lernt“, sagt sie. „Das Museum ist ein toller Ort dafür“, so Strüfing. Sie träumt aber von einem Raum in der Umgebung, in dem sie ihre ganze Sammlung ausstellen und mehr als zehn Kinder auf einmal unterrichten kann. Und sie ist zuversichtlich: „Schule hat ja nicht nur mit Lernen zu tun, sondern auch mit ganz viel Fröhlichkeit – und das verbinde auch mit Zuversicht. Die gilt es immer zu bewahren“.


>Wer einen geeigneten Raum kennt oder mehr über die historische Schulstube wissen möchte, wendet sich an das Heimatmuseum unter Tel. 04346/ 60  08  30 oder direkt an Christine Strüfing unter Tel. 0431/54  99  31.

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