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Demo in der Innenstadt : Skeptische Eltern fordern Sicherheit

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Am Sonnabend haben gut 500 Bürger mit einem Demonstrationszug durch die Innenstadt für den dauerhaften Erhalt der Geburtshilfe und der Kinderstation an der Imland-Klinik Eckernförde protestiert.

shz.de von
erstellt am 03.Apr.2017 | 06:15 Uhr

Eckernförde | Gut 500 Menschen haben am Sonnabend für den Erhalt der Geburtshilfe der Imland-Klinik Eckernförde demonstriert. Darunter viele Familien, deren Kinder in der Klinik geboren wurden. Sie zogen vom Skaterpark im Schulweg durch die Innenstadt zur Abschlusskundgebung am Hafen. Zwar hatte der Kreistag vor einer Woche für den Erhalt der geburtshilflichen Abteilung gestimmt, doch viele der Demonstranten sind weiterhin skeptisch.

„Meine Eltern und meine Kinder wurden alle hier geboren. Es wäre tragisch, wenn das in Zukunft nicht mehr geht“, sagt Elisa Kruse aus Rieseby. Für viele Frauen ist die einzigartige 1:1 Betreuung durch die Hebamme ihrer Wahl entscheidend, für die Geburt nach Eckernförde zu kommen. „Dabei entsteht ein ganz besonderes Vertrauen zu der Hebamme“, erklärt Katharina Eckardt aus Rieseby. Den Kontakt zu ihrer Hebamme Goda Messmer hält sie bis heute. „Immer, wenn ich Fragen habe oder nicht weiter weiß, ist sie für mich da.“ Die tiefe emotionale Bindung, die zwischen Eltern, Hebammen und Ärzten entstanden war, trat bei der Kundgebung am Hafen immer wieder zu Tage. Unter Tränen dankte Britta Matt aus Eckernförde ihrer Hebamme, ebenfalls Goda Messmer. „Alleine, dass du für mich da warst und geblieben bist, hat mir so sehr geholfen“. Viele Eltern befürchten nun nach den Ausstieg drei der vier Belegfrauenärzte und der Aufspaltung des bewährten Teams aus Frauenärzten und Hebammen eine Geburt unter veränderten Vorzeichen. Die 13 Eckernförder Hebammen versuchen derweil alles, ein Zeichen an die werdenden Eltern zu senden, um ein Abwandern in andere Kliniken zu verhindern: „Wir sind da! Wir bleiben!“ steht auf dem T-Shirt von Anke Baß.

Anke Bertram, Vorsitzende des Hebammenverbandes Schleswig-Holstein, ermutigte die Familien, weiterhin Eckernförde als Geburtsort zu wählen. Trotzdem befürchtet sie, dass auch bei einer Rettung der Standort in Zukunft nicht sicher sein werde. Zwar habe Schleswig-Holstein in den vergangenen zwei Jahren eine „Babyboom“ erlebt, dennoch könnten Abteilungen, in denen weniger als 800 Kinder geboren würden, geschlossen werden. „Momentan haben wir 826 Geburten“, sagte Ann-Kathrin Brien, eine der Beleghebammen. Sie und ihre Kolleginnen vermittelten Zuversicht. „Wir sind da, und wir werden auch bleiben“, rief Brien den Demonstrationsteilnehmern zu. Melanie Esslinger aus Eckernförde freute sich sehr über diese Aussage. Es sei „eine Frechheit, was mir und den anderen Müttern zugemutet wird“. Sie hat ihre drei Kinder in Eckernförde zur Welt gebracht. „Es kann doch nicht erwartet werden, dass eine Schwangere nach Rendsburg fahren muss“, sagt Melanie Esslinger.

Der Protestmarsch blieb auch bei Passanten nicht unbemerkt. Heidi Schlebusch aus Mönchengladbach freute sich über das Engagement der Familien. „Ich wurde auch hier in Eckernförde geboren“, sagt sie. Und noch heute kommt sie regelmäßig in das Ostseebad. Dass die Menschen hier so sehr für ihre Wünsche kämpfen, war ihr allerdings nicht bewusst. „Die betroffenen Frauen wissen doch am Besten,was man ihnen zumuten kann“, erklärt sie.

Besonders empfangen wurde Frauenarzt Dr. Ralf Kröger, der mit seinen beiden Kolleginnen Dr. Anna Holk und Dr. Swana Swalve-Bordeaux seine belegärztliche Tätigkeit in der Geburtshilfe der Imland-Klinik zum 1. April eingestellt hat. „Die Arbeit hat mir immer viel Spaß gemacht, aber wir können die Kosten auf Dauer nicht tragen“, erklärt er. Trotzdem blicke er im Guten auf die Zeit zurück. „Tschüß und hoffentlich bis bald“.

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