Skaterpark: Die Mehrheit steht

Der marode und mit Graffitis übersäte Skaterpark soll einem Markt und Kinocenter weichen und auf die andere Straßenseite verlegt werden.
Der marode und mit Graffitis übersäte Skaterpark soll einem Markt und Kinocenter weichen und auf die andere Straßenseite verlegt werden.

Verbrauchermarkt und Kino sollen am Schulweg entstehen / SPD und Grüne scheitern mit Interessenbekundungsverfahren für den Bahnhof

von
15. Mai 2019, 09:49 Uhr

Eckernförde | Der vorletzte Versuch von SPD und Grünen, den Skaterpark im Schulweg als neuen Standort für einen Verbrauchermarkt und ein Kinocenter zu verhindern, ist gescheitert. Die Dreier-Koalition aus CDU, SSW und FDP ist am Dienstagabend im Bauausschuss bei ihrer Haltung geblieben und hat die von SPD und Grünen vorgeschlagene Standortalternative nördlich des Bahnhofsgebäudes auf dem P+R-Parkplatz mit ihrer 6:4-Stimmenmehrheit abgelehnt (wir berichteten gestern).

Beide Standorte liegen nur rund 100 Meter voneinander entfernt. Während der Bahnhof östlich der Bahnlinie Kiel - Flensburg und damit nach dem Dafürhalten von SPD und Grünen innerhalb des Innenstadtrings liegt, ist der Standort Skaterpark durch den Bahnübergang Schulweg zwischen 7 und 24 Uhr jeweils um 11 (Richtung Flensburg) und 30 Minuten (Richtung Kiel) nach der vollen Stunde für jeweils rund drei Minuten von der Innenstadt abgetrennt.


Wieder der Skaterpark

Die Kritiker sehen darin einen Standortnachteil für die Innenstadt, der Standort Bahnhof läge innerhalb des durch die Bahnlinie begrenzten Innenstadtrings und würde das Zentrum beleben. CDU, SSW und FDP sehen sich hingegen nach sieben kinolosen Jahren in der Pflicht, jetzt zügig eine Lösung zu finden, und das ist für sie der Skaterpark. Diesen habe die Stadtverwaltung bereits vor drei Jahren bei einer eingehenden Prüfung aller in Frage kommenden Kinostandorte als besten und am schnellsten zu realisierenden Ort vorgeschlagen. Die damalige Ratsmehrheit aus SPD, Grünen, Linken und Bürgerforum hatte dies verhindert.

SPD und Grüne hatten nach dem jüngst verkündeten Aus für den bisherigen Bahnhofsinvestor beantragt, es noch einmal am Bahnhof zu versuchen und am Bahnhofsareal ein Interessenbekundungsverfahren für die Bebauung durch private Investoren zu starten. Wohnen oder Verbrauchermarkt, gewerbliche Nutzungen und ein Kino ohne Größenfestlegung sollten berücksichtigt werden. Die Fläche sei in etwa gleich groß wie die im Skaterpark.


Bahn als Trennlinie

Insbesondere der Bauausschussvorsitzende Sören Vollert äußerte wiederholt sein Missfallen über die „starre Haltung“ der Skater-Koalition aus CDU, SSW und FDP. Und es sei ein Fehler gewesen, dem bisherigen Investor so lange Zeit gegeben zu haben, sagte Vollert. Jetzt aber den Bahnhof als Markt- und Kinostandort auszublenden und in den Skaterpark zu gehen, „ist so was von nicht nachvollziehbar. Mich nervt dieses Gehabe tierisch.“  

Auch bei der SPD kann der Skaterpark nicht landen. „Wir wollen den Skaterpark nicht mit einem Kino und Einzelhandel bebauen“, sagte Frauke Piechatzek. Fachleute hätten der SPD bestätigt, dass die Besucher und Kunden, die über die B 76 zum neuen Zentrum in den Schulweg führen, „nicht mehr zum Einkaufen in die Innenstadt gehen“. Außerdem, müsse die Grünfläche erhalten bleiben, und es dürfe dort keine weitere gewerbliche Entwicklung geben. „Die Bebauung am Bahnhof wäre sinnvoller.“

Auch der Fraktionschef der Grünen, Edgar Meyn, sieht den Bahnübergang als Trennlinie zwischen „Innenstadt und Industriegebiet“. Man habe sich einvernehmlich im Rahmenplan zum Erhalt des Grünbereichs am Schulweg bekannt. „Jetzt verlässt man diesen Weg“, kritisierte Meyn. „Aus einem hübschen Gesicht wird eine Fratze gemacht“.

Georg Bicker, Katharina Heldt, Dirk Willi Möller (CDU), Rainer Bosse (SSW) und Helge Molt (FDP) teilten deren Meinungen nicht. „Wir verlassen uns darauf, dass die Verwaltung vor drei Jahren den Skaterpark als idealsten Standort auf dem Silbertablett serviert hat - das nehmen wir", sagte CDU-Fraktionsvorsitzende Heldt. Das Bahnhofsareal habe sich als nicht realisierbar erwiesen, jetzt werde – wie angekündigt – der Skaterpark als Standort für einen Verbrauchermarkt und Kinocenter umgesetzt", sagte Molt.


Keine Alternative mehr

Der Antrag von SPD und Grünen für ein Interessenbekundungsverfahren am Bahnhof und für einen Bebauungsverzicht im Skaterpark Schulweg wurde mit 6:4 Stimmen abgelehnt. Mit dem gleichen Ergebnis wurde anschließend der Antrag von CDU, SSW und FDP angenommen, am Bahnhofsareal statt eines Verbrauchermarkts und eines Kinocenters 90 Mietwohnungen mit einem Anteil von mindestens 25 Prozent sozial geförderter Wohnungen zu errichten und eine Teilfläche des bestehenden P+R-Parkplatzes zu erhalten. Eine Fahrradstation und ein öffentliches WC sollen dort ebenfalls gebaut werden. Der Bebauung vorgeschaltet ist ein Wettbewerbsverfahren. „Was ist, wenn es am Skaterpark nicht klappt? Dann steht der Bahnhof als Ausweichfläche nicht mehr zur Verfügung“, sagte Sören Vollert (Grüne). Er empfahl einen „Zeitverzug“ zwischen der Entwicklung Skaterpark und Realisierung der Wohnungen am Bahnhof. Edgar Meyn (Grüne) wies auf eventuelle Baugrundprobleme im Skaterpark hin. Wenn der Bahnhof mit Wohnungen bebaut werde, sei er keine Alternative mehr. „Man kann so Politik machen ...“, unkte Meyn.
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen