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Eckernförder Zeitung

16. August 2017 | 15:38 Uhr

Schultoiletten : Sitzungen mit Blickkontakt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Aus dem stillen Örtchen wird ein Ort der Begegnung: An der Peter-Ustinov-Schule sind laut Homepage auf einigen Toiletten die Trennwände entfernt worden, um Vandalismus zu verhindern. Der Text ist allerdings reine Ironie.

Das Konzept wird auf der Homepage der Peter-Ustinov-Schule als „besonders innovativ“ angekündigt: Bei zwei vor Kurzem sanierten Toilettenräumen der Schule sind die Trennwände zwischen den Kloschüsseln weggelassen worden, um Vandalismus vorzubeugen. Laut der Beschreibung auf der Homepage soll „nach schon älteren, aber positiven Erfahrungen in den Staaten des Baltikums und in Russland“ die Aktion „möglichen Bemalungen der Innenwände einen Riegel“ vorschieben „und den aufsichtsführenden Lehrkräften die Arbeit sehr erleichtern“. Und weiter: „Wenn sich diese Modernisierung bewährt, wird der Schulträger zukünftig in jedem Haushaltsjahr eine weitere Toilettenanlage modernisieren.“ Angefügt sind Fotos der Toiletten, auf denen die Klos ohne Trennwände abgebildet sind.

Seit dem 20. Oktober, also seit der Mitte der Herbstferien, ist die Nachricht online – auch bei Facebook. Erste Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Von „unmöglich“ und „schlechter Scherz“ bis „gar nicht schlecht“ und „vandalismussicher“ reichen die Kommentare, die den Mittelstufenleiter Michael Baum erreicht haben. Und auch die Redaktion der Eckernförder Zeitung wurde durch empörte E-Mails auf den Umstand aufmerksam gemacht. Michael Baum sieht das innovative Konzept dagegen gelassen, schließlich stammt der Text dazu aus seiner Feder – und die hat ordentlich Ironie getankt: Das angeblich neue Konzept gibt es gar nicht.

„Die Stadt als Schulträger hat in den Sommerferien einige Toiletten komplett saniert“, erzählt er mit einem Lächeln. „Dabei hatten die Trennwände zu lange Lieferzeiten, so dass sie erst in der ersten Schulwoche nach den Ferien montiert werden konnten.“ Der Mittelstufenleiter konnte dem Schalk im Nacken nicht widerstehen, fotografierte die Szenerie und verfasste einen ironischen Text, der mit einigen Wochen Verspätung auf der Internetseite der Schule erschien. „Überrascht hat mich, dass ungefähr die Hälfte der Reaktionen positiv war. Schüler warfen ein, dass Toiletten schon im alten Rom ohne Trennwände funktionierten, andere konnten verstehen, dass etwas gegen den Vandalismus getan werden muss.“ Die andere Hälfte lehnte das „neue Konzept“ rundweg ab. Die Ironie des Textes blieb vielen Lesern verborgen.

Der scherzhaft gemeinte Text hat einen ernsthaften Hintergrund. Viele Schülertoiletten sind in keinem guten Zustand. Besonders Vandalismus spielt eine große Rolle. „Abflüsse werden mit Klorollen verstopft, Wände beschmiert, Kleiderhaken abgebrochen und Spülkästen und Seifenspender von der Wand gerissen“, sagt Michael Baum. Insofern stimmt der Rest seines Homepage-Textes: „Beide Bereiche, jeweils für Jungen und Mädchen, sind mit hellen Wand- und grauen Bodenfliesen verkleidet, was die Innentoiletten ohne Fenster angenehm hell erscheinen lässt. Auch für die Haltbarkeit ist einiges geschehen: Die Stehtoiletten sind jetzt Trockentoiletten, mit denen schon in der Grund- und Gemeinschaftsschule Eckernförde, der ehemaligen Gudewerdtschule, gute Erfahrungen gesammelt wurden – mutwillige Überschwemmungen usw. sind damit weitgehend ausgeschaltet. Die Seifenspender aus Metall sind in die Wand eingelassen und lassen sich jetzt nicht mehr so leicht zweckentfremden bzw. demolieren.“

 

> www.igs-eckernfoerde.de

 

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erstellt am 28.Okt.2014 | 11:28 Uhr

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