Wort zu Weihnachten : „Siehe, ich verkündige euch große Freude!“

Maria in St. Jürgen.
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Maria in St. Jürgen.

Pastorin Christa Loose-Stolten: Weihnachten ist mehr als Geschenke und gutes Essen

shz.de von
24. Dezember 2014, 14:00 Uhr

„Der Herr selbst wird euch ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel, d.h. „Gott mit uns“.

So kündigt der Prophet Jesaja 700 Jahre vor Christus die Geburt des Heilandes an. Lange also wartete das Volk, bis sich diese Verheißung erfüllen sollte, bis Jesus durch Maria zur Welt gekommen ist. Und für uns nun – 2000 Jahre später – ist Weihnachten das „Fest der Feste“. Kein anderes wird so vorbereitet, kein anderes zieht so viele Menschen in seinen Bann, egal, ob der Glaube an Gott für sie bedeutsam ist oder nicht. Wir schmücken unsere Häuser und Kirchen, wir stellen Krippen auf, die uns an das Weihnachtsgeschehen erinnern. Natürlich darf Maria dabei nicht fehlen. Maria – die Mutter Gottes!

In der katholischen Kirche hat sie eine weit größere Bedeutung als bei uns evangelischen Christen. Sie kann um Hilfe angerufen werden, und mir ist das auch verständlich. Als Frau und Mutter ist sie uns nahe, denn wie wir erlebt sie die Geburt ihres Kindes, sorgt sich, wie wir uns um unsere Kinder sorgen. Und manchmal erfahren wir eine Begegnung, die wir nicht geahnt haben und von der wir nicht wissen, wohin sie führt.

Unser Leben kennt ja unzählige Begegnungen. Viele sind nur kurz und flüchtig und ohne große Bedeutung. Menschen begegnen einander, sprechen ein paar Worte, die dann auch schnell wieder vergessen sind. Andere Begegnungen aber berühren uns im tiefsten Herzen und hinterlassen deutliche Spuren, weil einzelne Worte in uns nachklingen oder ein Gedanke uns einfach nicht mehr loslässt.

Eine gute Begegnung beginnt mit einem Gruß. Wenn ich gegrüßt werde, dann spüre ich: da ist einer, der mich wahrnimmt, und es ist eine Verbindung hergestellt. Es ist ein gutes Gefühl, gesehen und wahrgenommen zu werden. Maria wird gegrüßt, und zwar von einem Engel. „Ave Maria“, sei gegrüßt - mit dieser Begegnung beginnt für Maria etwas ganz Besonderes. Gott selbst spricht zu ihr durch einen Engel.

Haben Sie auch schon einmal eine ganz besondere Begegnung erlebt? Dass einer zu Ihnen gesprochen und Ihr Leben sich dann von Grund auf verändert hat? Ich glaube, dass Gott auch zu uns spricht, durch Menschen, durch Ereignisse, durch die Stimme unseres Gewissens, durch die guten Worte der Bibel und manchmal eben auch durch einen Engel. Weihnachten, in der Heiligen Nacht, spricht Gott auch zu uns, wir müssen nur aufmerksam sein. Gute Worte tun uns gut und können uns bewegen. Wenn ich ganz persönlich angesprochen werde, dann kann das auch mein Leben verändern.

Durch Marias Begegnung mit dem Engel wurde ihr Leben total auf den Kopf gestellt. Von der einfachen jungen Frau wurde sie zur Mutter Gottes und damit bedeutend für die ganz Menschheit. Gott hat Großes an ihr getan, das erkennt Maria. Erkennen wir, was Gott Großes an uns getan hat?

Maria ist ganz persönlich angesprochen, auserwählt, in den Dienst genommen, und sie vertraut den Worten des Engels. Genau in dieser höchst individuellen Begegnung mit Gott stellt sich Maria hinein in die Jahrtausende alte Reihe derer, die an Gott glauben und seine Liebe erfahren. In ihrem Lobgesang, den wir als Magnifikat in unserer Kirche kennen, sagt Maria: „Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über die, die ihn fürchten.“

Von einer Generation zur anderen wird Glauben weitergegeben. Die Erfahrung, dass Glaube stark macht, Halt gibt und aufrichtet haben Menschen immer wieder gemacht. Und nun ist es an uns, die gute Geschichte Gottes mit den Menschen an unsere Kinder weiterzugeben. Neulich sagte eine junge Frau zu mir: „Ihr geht in die Kirche? Das kenne ich gar nicht. Wir gehen nie in die Kirche, auch Weihnachten nicht.“ Ich finde es sehr traurig, wenn Menschen so gar nichts von Gott wissen. Mich stärkt der Gottesdienst in meinem Gefühl der Gemeinschaft mit Gott und anderen Menschen. Die guten Worte der Weihnachtsgeschichte, ich kennen sie auswendig, und dennoch hat sie am Heiligen Abend in der Kirche für mich eine besondere Bedeutung. „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird denn euch ist heute der Heiland geboren“, diese frohe Botschaft des Engels erfüllt mich jedes Jahr aufs Neue. Dazu die Musik, die vertrauten Lieder, die uns noch einmal mehr hineinnehmen in das Weihnachtsgeschehen. Darum: wir dürfen unseren Kindern Gott nicht vorenthalten. Erzählen Sie Ihren Kindern und Enkeln die Geschichte von der Menschwerdung Gottes, damit auch sie spüren: Weihnachten ist mehr als Geschenke und gutes Essen, Weihnachten heißt: Unsere Herzen können offener, weicher und wärmer werden. Auch wenn die Bilder des Jahres von all der Not in der Welt uns erschrecken, wenn eigene Sorgen und Trauer uns belasten, dürfen wir gewiss sein: Immanuel, Gott ist mit uns. Wir dürfen mit ihm rechnen, mit seiner Kraft der Liebe, mit ihm kommt der Himmel zur Erde. Darauf dürfen wir vertrauen, wie Maria. Denken Sie daran, wenn Sie die Weihnachtskerzen anzünden!

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest, mögen Sie die Liebe Gottes und die der Menschen in vielen guten Begegnungen spüren.

Christa Loose-Stolten, Pastorin in Gettorf

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