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Siegfrieds Quelle zwischen Dichtung und Wahrheit

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Mitten im Odenwald, Odins Wald, in der Nähe von Bad König liegt an der Nibelungenstraße der Ort Grasellendorf, das Nibelungendorf. Dort soll der Sage nach König Gunter aus Worms mit seinen Getreuen auf die Jagd gegangen sein. Unter seinen Jagdgästen befand sich auch Siegfried von Xanten, der Held und Drachentöter, der die Schwester des Königs, Gudrun, geheiratet hatte. In dem kleinen Ort Grasellendorf tragen die Gaststätten und Pensionen Namen wie „Gudruns Gasthof“, „Brunhilds Heim“ oder „Kriemhilds Hotel“. Ein schmaler Pfad führte in den Wald und eine Anhöhe hinauf. Und ein Hinweisschild: „Zur Siegfriedquelle, 2,5 km.“

Meine Freundin und ich stiegen den steilen Pfad hinauf, über Baumwurzeln, Steinen und Geröll. Die Sonne schien vom strahlend blauen Himmel an diesem Herbstsonntag. Wir erreichten eine Waldlichtung. Aus felsigem Boden heraus sprudelte ein Bach. Eine Inschrift auf einer Holztafel besagte, dass hier der Königssohn aus Xanten, Siegfried, von dem Bösewicht Hagen von Tronje ermordet wurde, hinterrücks mit einem Speer erstochen.

Bis heute ist es nicht erwiesen, ob es das „Volk aus dem Nebel“, die Nibelungen, wirklich gegeben hat, oder ob es sich um eine Legende handelt. Aufgeschrieben wurde die Geschichte im hohen Mittelalter von einem unbekannten Mönch. Die vielen Ortsnamen im deutschen Nationalepos sprechen zwar für historische Tatsachen, doch ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass hier Dichtung und Wahrheit nah beieinander liegen.

Dennoch schien mir die Quelle ein verwunschener Ort zu sein. Sich vorzustellen, dass hier vor 1500 Jahren eine Tragödie stattgefunden hatte, machte den plätschernden Bach sehr geheimnisvoll. Ich tauchte meine Füße ins Quellwasser. Dann schöpfte ich mit den Händen Wasser und trank. Genauso wie Siegfried es vor langer, langer Zeit getan haben soll.

Falls etwas Wahrheit in der Geschichte um Siegfried stecken könnte, hatte ich hier Historie hautnah erlebt. Und dafür hatte sich die Fahrt in den Odenwald auf jeden Fall gelohnt.

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erstellt am 08.Okt.2013 | 00:33 Uhr

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