Funde bei Owschlag : Siedlung aus altrömischer Zeit entdeckt

Viel Erde bewegt: Siedlungen im Raum Sorgwohld waren bisher nicht bekannt.
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Viel Erde bewegt: Siedlungen im Raum Sorgwohld waren bisher nicht bekannt.

Beim Neubau einer rund 64 Kilometer langen Erdgas-Transportleitung von Fockbek nach Ellund haben Archäologen Siedlungsreste aus der Kaiserzeit entdeckt.

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19. November 2013, 07:39 Uhr

Bei Ausgrabungen in Sorgwohld ist eine Siedlung aus der altrömischen Kaiserzeit entdeckt worden. Die Archäologen des Landesamtes in Schleswig sind von den gut erhaltenen Hofstrukturen aus dem 1. bis 2. Jahrhundert nach Christus begeistert.

„Das ist schon klasse“, freute sich Martin Segschneider, Gebietsdezernent des Archäologischen Landesamtes über den Fund. Reste eines Wohnstallgebäudes, Torfkohlemeiler und Brennöfen zur Eisenherstellung zusammen an einer Siedlungsstelle zu finden, sei sehr selten. Ein solches kleines komplettes Gehöft wie in Owschlag sei bisher in Schleswig-Holstein erst einmal in der Nähe von Schuby entdeckt worden.

Das Archäologische Landesamt ist im Auftrag der Gasunie tätig, die eine Gaspipeline von Fockbek nach Ellund verlegen will. Die 64 Kilometer lange Trasse wird vor dem Bau der Pipeline, für die umfangreiche Erdarbeiten nötig sind, auf 33 Metern Breite nach archäologisch bedeutsamen Stellen untersucht.

Achtzig historische Landschaftsräume und Siedlungsplätze habe man auf dieser Strecke entdeckt, sagte die Projektleiterin Cornelia Lübke. Sie hatte die gesamte Strecke im Mai dieses Jahres begangen und nach Oberflächenfunden abgesucht. „Wenn auf den Feldern Tonscherben zu sehen sind, die beim Pflügen an die Oberfläche gelangt sind, werden die Bereiche genauer untersucht“, erklärte die Grabungsleiterin Veronika Klems das Vorgehen.

In Sorgwohld hatten die Archäologen einen Volltreffer. „Es ist unser Glück, dass die Trasse genau durch das Zentrum der Siedlung verläuft“, machte Segschneider deutlich. Bisher habe der Geestrücken als ziemlich siedlungsfrei gegolten. Sorgwohld als Ansiedlung war bisher nicht bekannt. Bei der genauen Untersuchung nach der Abtragung des Oberbodens wurden die Pfahlgruben von zwei Gebäuden sichtbar, die nacheinander an dieser Stelle errichtet wurden. „Wenn die Pfähle verrotten und zu Humus werden, zeigen diese Stellen gut sichtbare Verfärbungen“, machte Klems deutlich. Die damaligen Siedler, die zu den Germanen zu zählen sind, haben Torf aus dem nahe gelegen Moor in Meilern zu Kohle gemacht. Damit heizten sie ihre Brennöfen, in den sie Eisen herstellten. „Das Raseneisenerz dafür fanden sie ganz in der Nähe“, erklärte die Grabungsleiterin. Aus dem gewonnene Eisen seien Werkzeuge und Waffen geschmiedet worden.

Bisher sind an der Grabungsstelle nur kleine Tonscherben gefunden worden. Aber die Suche geht weiter. Dazu werden Profile senkrecht in den Boden gegraben. „Manchmal sind in den Pfahlgruben kleine Bauopfer zu finden“, erklärte Segschneider.

Funde und Fundstellen werden fotografisch und zeichnerisch festgehalten.„Eine dokumentierte planmäßige Zerstörung“ nennt Klems das Vorgehen. Denn die Archäologie des Ortes sei danach nicht mehr erhalten.

Bis zum Frühjahr sollen die Arbeiten in Sorgwohld, die mit der Hauptuntersuchung vor drei Wochen begannen, abgeschlossen sein. Denn dann will die Gasunie mit dem Bau der Pipeline beginnen.

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