Zeig dich! : Sieben Wochen ohne Kneifen

Hätte sich Martin Luther  1517 nicht gezeigt, wäre die Geschichte anders verlaufen.
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Hätte sich Martin Luther 1517 nicht gezeigt, wäre die Geschichte anders verlaufen.

Start der Aktion „Sieben Wochen ohne“ von Eckernförder Zeitung und Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde.

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14. Februar 2018, 05:49 Uhr

Eckernförde | Noch wird die Diskussion um den Reformationstag als zusätzlichem Feiertag im Norden geführt. Diesen Tag aber wie im Jubiläumsjahr auch 2018 wieder inhaltlich ansprechend und interessant zu gestalten, ist so oder so eine wichtige Aufgabe und Verantwortung der evangelischen Kirche. Die diesjährige Fastenaktion „7 Wochen ohne“ kann dafür gute Ideen liefern: „Zeig dich! 7 Wochen ohne kneifen“ – so lautet das diesjährige Motto.

Was wäre wohl gewesen, wenn damals vor 500 Jahren der einfache Mönch Martin Luther sein Unbehagen an den Zuständen der Kirche einfach für sich behalten hätte? Wenn er sich nur still geärgert oder resigniert weggeschaut hätte? Wenn er also gekniffen hätte, sich nicht gezeigt, nicht deutlich gemacht hätte, was er denkt und was ihm wirklich wichtig war?

Ich vermute: Die Geschichte hätte einen anderen Verlauf genommen. Vielleicht wäre gar nichts passiert. Oder ein anderer hätte hoffentlich den Mund aufgemacht, die Missstände benannt und notwendige Veränderungen angestoßen.

In Zeiten von lauten Parolen, plakativem Populismus und vermeintlich einfachen Lösungen für die drängenden Probleme dieser Welt ist es heute nicht einfacher als damals zur Zeit Luthers, Position zu beziehen. Es braucht immer Mut und die Überzeugung des Herzens, nicht einfach wegzusehen und zu schweigen, wo z.B. einem anderen Menschen Unrecht widerfährt.

So manch einer, der oder die sich einmischt, bekommt Gegenwind, manchmal auch ganz handfest. Zum Helden muss man nicht geboren sein, aber etwas Zivilcourage braucht es schon. Oft ist es ja gar nicht ausgemacht, was passieren wird, wenn wir Mitgefühl zeigen oder unsere Meinung und Kritik. Wenn wir unsere Fehler nicht verstecken und anderen erkennbar wird, wofür wir stehen. Wenn wir unsere Liebe nicht verbergen und auch unseren Glauben nicht.

Die evangelische Fastenaktion 2018 will dazu ermutigen, solche Erfahrungen zu machen. Allein oder mit anderen zu zeigen, was uns wirklich wichtig und bedeutsam ist. Eben: nicht zu kneifen.

Das erfordert Mut, hilft aber, eine menschlichere und ehrlichere Welt zu schaffen. Das ist die Einladung, nicht mehr zu verleugnen und zu verdrängen, was uns im Inneren bewegt. Oder vielleicht sogar noch tiefer: erst einmal vor uns selbst zuzulassen, was uns im Inneren bewegt. Das setzt das Zutrauen voraus, dass „o.k.“ ist, was da in mir zum Vorschein kommen könnte.

Unser Glaube, dass Gott uns so geschaffen hat, wie wir sind, ist dafür eine gute Voraussetzung. Und eben Martin Luthers bahnbrechende Erkenntnis der Reformation, dass dieser Gott Schuld und Fehler vergibt, wenn wir darum ehrlich bitten. Allein aus Barmherzigkeit und Gnade.
Vielleicht wäre dann ja am Reformationstag eine gute Gelegenheit, dafür zu danken.

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