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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 21:40 Uhr

Integration : Service auf Afghanisch

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Mit 17 aus seiner Heimat geflüchtet, macht Rafiullah Ahmadi nun eine Ausbildung zum Restaurantfachmann im Rieseby Krog.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2016 | 06:00 Uhr

Rafiullah Ahmadi lässt den Wein leise ins Glas des Gastes fließen. „Und bitte zur Kamera schauen, lächeln …“ Ahmadi blickt in die Linse des Fotografen, der Wein fließt, Ahmadis Augen möchten zum Glas wandern, doch noch immer heißt es: „Lächeln, ja, lächeln, noch einen Moment …“ Natürlich geht der Wein daneben. Dies könnte ein unangenehmer Moment sein, doch das entschuldigende Lachen des 18-jährigen Afghanen lässt daran nicht denken. Stattdessen lachen die Gäste mit. Der Wein geht aufs Haus.

„Er hat einen tollen Umgang mit den Kunden“, sagt Maria von Randow, Inhaberin des Restaurants Riesby Krog. Als Ahmadi vor ein paar Monaten in ihr Restaurant kam und nach einem Praktikum als Servicekraft fragte, sagte sie spontan zu. Seit Anfang November läuft Ahmadis Probezeit unter dem Projekt der Einstiegsqualifizierung, ein Weg der Arbeitsagenturen, Menschen mit geringer Qualifikation in Arbeit zu bringen. Anfang August wird, wenn alles gut läuft, die Einstiegsqualifizierung in eine normale Ausbildung zum Restaurantfachmann umgewandelt. Zur Berufsschule geht Ahmadi, der seit einem Jahr in Deutschland lebt, jetzt schon.

 „Für sein Alter ist Rafiullah erstaunlich selbstsicher“, urteilt von Randow. „Er stellt sich vor einen großen Tisch mit 20 Gästen, begrüßt sie in seinem etwas gebrochenen Deutsch und macht sogar Witze mit ihnen.“ – „Wenn ich mit den Gästen rede, bin ich sehr froh“, sagt Ahmadi. Er redet leise, ruhig, lächelt viel. Es bereite ihm Spaß, Menschen mit dem, was er tut, eine Freude zu machen. Auch mit den anderen Mitarbeitern des Sechs-Mann-Betriebs verstehe er sich bestens – was die Umarmung bestätigt, mit der sich er und die Chefin begrüßen.

„Wenn er pünktlich ist, bin ich super zufrieden“, sagt von Randow. Daran hapere es manchmal noch. „Das ist natürlich ein Kulturproblem.“  In Afghanisten, so habe Rafiullah erzählt, sei Pünktlichkeit überhaupt nicht wichtig. Auch sonst habe Rafiullah sich an viele Unterschiede gewöhnen müssen. Das fange schon bei westlicher Kleidung oder Besteck an. Schwerer aber wiegt für Rafiullah Ahmadi, was er vor seiner Flucht aus der krisengebeutelten Heimat erleben musste. Er redet nicht viel darüber. „Manchmal bekomme ich Kopfschmerzen, wenn etwas nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle“, sagt er nur, und eine traurige Ahnung überkommt den, der ihm zuhört.

Ist Ahmadi zufrieden mit seiner Ausbildungsstelle im Riesby Krog? Fegen möge er nicht so gern, das sei ein bisschen langweilig. Wenn Gäste viel auf einmal bestellten, vergesse er manchmal etwas. In der Berufsschule gebe es mit Wipo, Englisch und EDV noch viel zu lernen. Klingt alles ganz nach dem Üblichen bei einen Auszubildenden. „Es gefällt mir jetzt sehr gut. Ich möchte gern hier weitermachen“, sagt Rafiullah Ahmadi höflich. Seine Chefin weiß: „Eigentlich würde er gern etwas im Informatik-Bereich machen. Er kann aber keinen Schulabschluss nachweisen. Das wäre also ein langer Weg …“

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