Gettorf : Sensible Spürnasen für den Hospizdienst

Muffin ist der erste Hund, den Kati Zimmermann (l.) für den Hospizverein ausgebildet hat. Frauchen Sarah Raymann und Dr. Friederike Boissevain (r.) hoffen auf Verstärkung für dieses Angebot.
Muffin ist der erste Hund, den Kati Zimmermann (l.) für den Hospizverein ausgebildet hat. Frauchen Sarah Raymann und Dr. Friederike Boissevain (r.) hoffen auf Verstärkung für dieses Angebot.

Hospizverein Dänischer Wohld setzt auf tierische Unterstützung und baut neues Angebot auf / Infoveranstaltung für Hundehalter am 17. Januar

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02. Januar 2015, 06:00 Uhr

Gettorf | Kaum hat er den Raum betreten, hat er alle Menschen für sich eingenommen: Muffin, der fünf Jahre alte Labrador, begrüßt jeden auf seine Art, stupst kräftig, aber freundlich mit der Nase, wedelt unaufhörlich. Wo Frauchen Sarah Raymann mit ihm auftaucht, verbreitet er Freude. Die wird er schon bald auch schwer kranken Menschen bringen, denn Muffin ist der erste Hund im Hospizdienst in der Region.

Die Idee stammt von Dr. Friederike Boissevain, Vorsitzende des Hospizvereins Dänischer Wohld. „Ich hatte Filme darüber aus den USA gesehen und geguckt, was es in Deutschland gibt in diesem Bereich“, erklärt Boissevain. Im ambulanten Sektor fand sie nichts, klopfte das Interesse innerhalb des Projekts Hospiz im Heim ab und stieß auf positive Resonanz. Je mehr Zeit sie selbst in Seniorenheimen verbrachte, um stärker wurde der Wunsch, ein entsprechendes Angebot zu schaffen. „In Heimen finden sich zunehmend Demenzerkrankte und schwerst Pflegebedürftige. Tiere können diese Menschen über ganz andere Kanäle anregen, als wir mit Sprache“, hat Boissevain festgestellt. Sie könnten Dinge erspüren, die Menschen oft übersehen. Auf Anhieb und in ihrer ganz eigenen, instinktiven Weise, erfassten sie Situationen sehr viel direkter und unmittelbarer, als es Menschen gelänge. „Und sie begegnen ihrem Gegenüber nicht selten vorbehaltloser und liebevoller, als wir selbst es vermögen“, so Boissevain weiter.

Bei Kati Zimmermann von der Akademie für Assistenzhunde in Hummelfeld traf die Vorsitzende des Hospizvereins mit ihrem Anliegen auf offene Ohren. „Ich fand das Projekt schön, es hat mir richtig gut gefallen“, sagt Zimmermann, die sofort die Ausbildung potenzieller Hospiz-Hunde zusagte. Sie selbst ist mit ihren zwei Assistenzhunden in Einrichtungen im Einsatz und weiß, was sie bei Wachkoma-Patienten und Borderlinern bewirken. Demenzerkrankte, die lange in sich gekehrt gewesen seien, könnten Hunde wieder zum Reden bringen, berichtet Zimmermann. Für den Dienst in Frage kommen Hunde, die gehorsam sind, eine gute Beziehung zu ihrem Frauchen oder Herrchen haben, ein freundliches Wesen gegenüber anderen Menschen und Tieren zeigen, nicht ängstlich, gut sozialisiert und an unterschiedliche Gerüche und Geräusche gewöhnt sind. Der dazugehörige Zweibeiner muss sozial engagiert und psychisch belastbar sein.

Muffin und sein Frauchen aus Boksee bringen all das mit. Durch einen Zeitungsartikel war Sarah Raymann auf die Akademie für Assistenzhunde aufmerksam geworden. Und weil Muffin neue Leute und Gerüche mag und sich gern vo allen Menschen, die ihm begegnen streicheln lässt, machte sie mit ihm die Ausbildung zum Besuchshund. Ihre ersten Einsätze hatten die beiden im Seniorenheim in Ascheffel, wo es dem knuffigen Labrador gelang, eine bettlägerige Frau so aufzubauen, dass sie wieder im Rollstuhl sitzen konnte.

So wie Muffin sollen insgesamt acht bis zehn Hunde für den Hospizdienst ausgebildet werden, damit verschiedene Zeiten abgedeckt werden können, erklärt Dr. Boissevain. Zunächst ist der Besuch in Seniorenwohnheimen angedacht, in einem weiteren Schritt wäre das Angebot auch für Menschen denkbar, die zuhause gepflegt werden und sich einen Besuch vom Vierbeiner wünschen, skizziert Boissevain das Vorhaben. Die Ausbildung läuft an fünf Wochenenden (im zweiwöchigen Rhythmus) mit theoretischen und praktischen Teilen und schließt mit einer Prüfung ab. Der Halter absolviert zudem eine Grundausbildung in hospizlichen Fragen. Die Kosten der Ausbildung, die Zimmermann aus Überzeugung vom Projekt deutlich reduziert hat, trägt der Hospizverein unter der Voraussetzung, dass der Halter sich verpflichtet, sich mit seinem Hund ein Jahr aktiv in den Hospizdienst einzubringen. Die Ausbildung soll im März beginnen, so dass die ersten Teams ab Mai Menschen im Wohld besuchen können. Wer sich dafür interessiert, ist zur Informationsveranstaltung am Sonnabend, 17. Januar, um 13 Uhr in den Räumen des Hospizvereins, Kieler Chaussee 2, zunächst ohne Hunde, willkommen.


> www.hospiz-im-wohld.de


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