Neue Musik : Seltene Instrumente, verfremdete Töne

Im Schatten der Kirche: Gerald Eckert (Komposition / Cello), Beatrix Wagner (Flöten), Julia Mihaly (Gesang), Lenka Zupkova (Violine), Andre Bartetzki (Elektronik), Joachim Striepens (Klarinette, v.l.).
Im Schatten der Kirche: Gerald Eckert (Komposition / Cello), Beatrix Wagner (Flöten), Julia Mihaly (Gesang), Lenka Zupkova (Violine), Andre Bartetzki (Elektronik), Joachim Striepens (Klarinette, v.l.).

„Hommage an die Besessenheit“ heißt die neue Reihe der Neuen Musik in Eckernförde zu dessen dritten Konzert Freitagabend in die Nicolai-Kirche eingeladen wurde. Im Mittelpunkt standen zwei seltene Instrumente

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21. Juli 2014, 06:00 Uhr

Eckernförde | „Hommage an die Besessenheit“ ist die Reihe Neue Musik in Eckernförde dieses Jahr betitelt. Im dritten Konzert in der Nicolai-Kirche standen zwei seltene Instrumente im Mittelpunkt: Bass-Flöte und -Klarinette, gespielt von Beatrix Wagner und Joachim Striepens. Dazu passend gab es Kompositionen von dem Lachenmann-Schüler Stefan Streich (*1961), dem immer wieder überraschenden Luigi Nono (1924-1990) und eine ganz neue Komposition von Gerald Eckert.

Mit Stefan Streichs Werk „5 Strophen Bassflöte“ (aus den Jahren 2001-2004) wurde die Kontrabassflöte sehr gut eingeführt und zeigte Klang- und Spielmöglichkeiten. Ein Wechselspiel beider Instrumente mit Live-Elektronik wurde in Nonos „A Pierre. ...“ von 1985 erlebbar. Schon nach kurzem Zuhören wurde unklar welche Töne unmittelbar von den Musikern kamen und welche elektronisch verändert von den vier großen Lautsprechern in den Kirchenraum geblasen wurden. Sehr spannend, sehr abwechslungsreich, sehr Nono.

Als Raumklang-Installation zwischen Violine (Lenka Zupkova), Kontrabass-Klarinette, Live-Elektronik und Tonband wurde Gerald Eckerts Werk „den angestoßenen Augen der Steine“ (2014) zelebriert. Die Uraufführung nutzte den gesamten Kirchenraum um eine gewaltige Interaktion der Musiker mit ihren veränderten Tönen und aufgezeichneten Sequenzen zum Klingen zu bringen. Solche Werke sind besser zu erfassen, wenn der Besucher die Augen schließt, sich den reinen Tönen hingibt.

Außer den ungewöhnlichen Instrumenten gab es viele andere interessante Hörerlebnisse: Gerald Eckert zeigte mit der Helmut Lachenmann (*1935) Komposition „Pression“ (1969), dass Celloklang nicht unmittelbar von gestrichenen Saiten kommen muss. Ein ungewöhnliches Werk, das ungewöhnliche Klänge in ungewöhnlicher Spielweise erzeugte. Eins der meist gespielten Stücke der Musikreihe ist „Nachtbogen“ (2001) von Gerald Eckert für Flöten und Cello. Das Werk wirkt zunehmend frischer, entwickelt stets neue Aspekte und verbindet leidenschaftlich Publikum und Musizierende: Erstere können es nicht genug hören, Letztere sollten es öfter spielen...

Ein weiterer Nono stand auf dem Programm und war genau so wie man es von ihm erwartet: „La fabbricca illuminata“ ist hörbar sozialistisch, unüberhörbar laut und ein typisches Kind seiner Zeit (1964) – für Tonband und Stimme komponiert. Die Stimme wurde überzeugend von Julia Mihaly gesungen. Tonmeister, als Klangregisseur bestimmender Mitwirkender, war Andre Bartetzki.

Das nächste Konzert der Reihe ist am Dienstag, 26. August, 20 Uhr in der Nikolai-Kirche.

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