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Mit Video : Seltene Gäste: Kalmare besuchen Eckernförde

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Taucher haben etwa ein Dutzend kleine Tintenfische an der Außenmole des Sportboothafens gesichtet. Experten sagen, dass die Tiere aus der Nordsee kommen.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 20:18 Uhr

Eckernförde | Erst vor sechs Wochen ging dem Nebenerwerbsfischer Matthias Bleibohm ein Thunfisch ins Netz, jetzt berichten Taucher von Tintenfischen in der Eckernförder Bucht. Beide Tierarten kommen in der Ostsee normalerweise nicht vor.

Es ist knapp zwei Wochen her, dass Sönke Staack und Philipp Hoy am Eckernförder Kurstrand einen Tauchgang begannen. An der Molenspitze angekommen, schwammen vor ihnen plötzlich Tiere, die sie normalerweise nicht in der Eckernförder Bucht sehen: einen kleinen Schwarm von etwa sieben Zentimeter langen Kalmaren. Mit seiner Kamera schoss Sönke Staack Fotos, nahm ein Video auf, das auch auf Youtube zu sehen ist („Kalmare an der Eckernförder Mole“). Der Anblick sei „total faszinierend“ gewesen, sagt Sönke Staack.

Bei den Tieren handelt es sich nach Aussage von Silke Steimer um junge Kalmare. Die Meeresbiologin aus Aurich hat in Kiel studiert und unter anderem an der Bestandserfassung und Systematik der Tintenfische der südlichen Nordsee gearbeitet. „Man erkennt das an dem durchscheinenden Mantel und dem Chromatophorenmuster, also dem Punktemuster.“ Eine genaue Einschätzung sei jedoch schwierig. Am wahrscheinlichsten sei jedoch, dass die Tiere zur Art Loligo vulgaris, dem Gemeinen Kalmar gehört. „Diese Kalmare kommen auch in der Nordsee vor und beginnen mit dem Laichen im Mai, aber in den letzten Jahren konnte ich eine Verschiebung in den späteren Sommer für den Bereich der südlichen Nordsee beobachten“, so Silke Steimer. „Gerade in diesem Jahr gab es im späten Juli ungewöhnlich große Laichballen. Wenn man von einem Schlupf im August ausgeht, könnte es mit der Größe in etwa hinkommen.“

Der Tintenfischexperte Uwe Piatkowski vom Geomar in Kiel tippt auf eine andere Art: Alleteuthis subulata, den gepfriemten Zwergkalmar, der nur bis zu 15 Zentimeter groß wird. Auch er lebt für gewöhnlich in der Nordsee. „Tintenfische in der westlichen Ostsee kommen immer wieder mal vor“, sagt er. „In den 50er-Jahren ist in der Untertrave ein halber Meter langer Kalmar gefangen worden.“ Auch Thorsten Peuster von der Eckernförder Tauchschule „Tauchen & Meer“ berichtet, dass er in den vergangenen 20 Jahren schon zweimal von Kalmaren in der Bucht gehört habe. Sie kommen bei Weststürmen und entsprechenden Wetterlagen über den Skagerak und das Kattegatt in die Ostsee.

„Es sieht jedoch so aus, als wenn es mehr werden“, sagt Uwe Piatkowski. Entscheidend dafür, dass diese Tiere in der Ostsee bleiben, sind Salzgehalt und Temperatur des Wassers. Bei 9 Grad und einem Salzgehalt von 20 bis 22 Promille (normal sind 14 Promille in der Ostsee) könnten es sich die Tiere, die von der Nordsee 30 Promille gewöhnt sind,gemütlich machen. „Wenn der Salzgehalt aber auf 14 Promille runtergeht, ist Feierabend“, so Piatkowski. Der Experte schließt aus, dass die Tiere über Ballastwasser eingeschleppt worden sind. Auch an Vorboten des Klimawandels will der Wissenschaftler nicht glauben. „Wir leben dicht am Randgebiet des natürlichen Vorkommens. Daran liegt es, dass wir ab und zu Besuch bekommen.“

Und diesem Besuch scheint es auf Dauer gar nicht so gut zu gehen, sagt zumindest Sönke Staack. Als er vor einigen Tagen bei einem Tauchgang noch einmal einen Kalmar sah, habe dieser schon „einen bedröppelten Eindruck gemacht und wankte um uns herum wie Klitschko im Ring“.

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