zur Navigation springen

Familie und Beruf : Selbstständigkeit durch Vernetzung stärken

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Selbstständige Psychologin und Traumata-Pädagogin meistert Berufseinstieg mit Kind. Organisation, Vernetzung und der Wunsch, die Selbstständigkeit zu erhalten, waren ihre Motoren.

von
erstellt am 25.Feb.2014 | 06:00 Uhr

„Ich hatte einen Traum“, sagt Annine von Gerlach (31). Sie wollte mit Menschen und Tieren arbeiten und dabei ihr eigener Chef auf einem kleinen Hof sein. Da blieb ihr nur der Weg in die Selbstständigkeit. Seit 2007 arbeitet die studierte Psychologin und Trauma-Pädagogin mit tiergestützter Pädagogik.

Erst lag ihr Hof Bullerby in Hohenstein, seit 2010 in Borgwedel, gleich hinter der Kreisgrenze. Familie und Beruf unter einen Hut bringen, das gelingt der Mutter und ihrem seit eineinhalb Jahren von ihr getrennt lebenden Vater eines dreijährigen Jungen jetzt gut. Aber es war ein langer Weg.

Nach dem Studium und Praktikum kam sie nach Hohenstein und fing klein an. „Am Anfang stand ich unter ganz starkem Druck, hatte Existenzängste“, sagt sie. Nicht nur sie musste von den Einnahmen leben, sie trug auch Verantwortung für ihre Tiere. Zwei Hunde, zwei Esel, zwei Schafe und Kleintiere mussten versorgt werden. Zeit für sich hatte sie kaum, neben ihren Therapiestunden und Betreuungsangeboten für Freizeitgruppen verdiente sie noch Geld durchs Kellnern hinzu. Da sei schon mal die Frage aufgekommen, „Was mache ich hier“, räumt sie ein. Motiviert hat sie immer wieder ihr großer Wunsch, ihren Traum zu erfüllen. Das hielt sie hoch.

Auf finanzielle Unterstützung für Existenzgründer konnte sie nicht hoffen. Die gab es nur für Menschen in Arbeitslosigkeit, die sich eine neue Existenz aufbauen wollten. Wie sie ihren Betrieb aufbauen wollte, dazu sprach sie mit Menschen, die schon ähnliche Ideen verwirklicht hatten und recherchierte eigenständig. „Man muss sich vernetzen und austauschen, und es hilft selber aktiv auf andere zugehen“, berichtet die 31-Jährige von ihren Erfahrungen. Unterstützung bekam sie aus ihrem Elternhaus. Dort hatte sie einen Plan für ihre Geschäftsidee vorgestellt, der ihr selber auch die Gewissheit gab, dass ihre Ideen realisierbar waren.

2010 kam ihr Sohn zur Welt. Im ersten Jahr gab es Elterngeld, zurücklehnen konnte sie sich allerdings nicht, viel Arbeit blieb hängen. So musste sie ihre Tiere versorgen und auch der eine oder andere Klient musste betreut werden. Als Selbstständige könne man schwer ein Jahr aussetzten, da fange man fast bei Null wieder an. Außerdem machte ihr die Arbeit ja Spaß und sie wollte ihren Hof erhalten.

Es habe lange gedauert, bis sie und ihr Mann den Alltag mit Kind, ihrer Selbstständigkeit und seiner Anstellung in geordnete Bahnen lenken konnten. Erst nach dem sie klare Absprachen über Aufgabenverteilungen gefunden hatten, lief es besser. Organisieren und umplanen musste sie dennoch, und wenn es ganz dick kam, dann muss sie auch heute noch Termine absagen, wenn es keine Betreuungsmöglichkeit im Krankheitsfall des Sohnes gibt. Glücklicherweise würden ihre Familien und Freunde sie gut unterstützen. Daran änderte sich auch nur wenig, als sich das Paar trennte, für den Sohn sind sie beide verlässliche Eltern. Wochenweise ist der Sohn bei ihr oder seinem Vater. Ist er bei seinen Vater, kann sie ohne schlechtes Gewissen viel arbeiten, ist er bei ihr, hat sie ganz viel Zeit für ihn. Auch die Ferien haben sie aufgeteilt. „So eine gute und verlässliche Regelung ist nicht selbstverständlich“, räumt Annine von Gerlach ein. Und auch jetzt komme sie manchmal ordentlich ins Schwimmen, wenn ihr Sohn krank wird oder sie selber ausfällt. „Als Selbstständige trage ich immer das Ausfallrisiko.“ Ihr half es Rituale zu schaffen. Und um Feierabend machen zu können, schreibt sie abends eine Aufgabenliste, um abzuschalten und am nächsten Tag sortiert und frisch den Tag zu beginnen

Eine gehörige Portion Selbstdisziplin, eingebunden sein in ein Netzwerk und immer bemüht sein, selbst etwas zu bewegen, stecken für von Gerlach die Grenzen der Selbstständigkeit ab. Bei Familie und Beruf habe auf jeden Fall das Kind Priorität. Mit der richtigen und fairen Organisation aller Bedürfnisse könne sie Familie und Beruf gut vereinen. Für sie ist die Selbstständigkeit genau das richtige.

 

Kontakt: hof-bullerby@web.de, www.hof-bullerby.de, Tel 04354/ 9967555.

 

 

 

Vereinbarkeit Familie und Beruf


Den Einstieg und Wiedereinstieg in den Beruf nach einer Kinderpause zu meistern, ist nicht einfach. Mit Beispielen aus der Praxis und Infoveranstaltungen wollen EZ und die Gleichstellungsbeauftragte des Amtes Schlei-Ostsee Hilfen anbieten. Steffi Harms vom Frauennetzwerk Schleswig-Holstein wird am Mittwoch,12. März, 20 Uhr, im Sportheim Fleckeby sprechen über: Gemeinsam zwischen Schreibtisch, Spüle und Spielplatz über den Weg zum partnerschaftlichen Familienmodell. Corinna Schmidt, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Neumünster wird am 25. März, 9 bis 11 Uhr in der Alten Post Rieseby über „Zurück in den Beruf“ sprechen. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung unter Tel. 04351/ 73 79 130 oder per E-mail an nina.jess@amt-schlei-ostsee.de wird gebeten. Fragen zum Thema per Mail an Jess. Infos unter: http://www.shz.de/lokales/eckernfoerder-zeitung/eckernfoerder-zeitung-familie-und-beruf/.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen