Information und Beratung : Selbstständigkeit als Alternative

Hat den Schritt in die nebenberufliche Selbstständigkeit gewagt: Oliver Feußner.
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Hat den Schritt in die nebenberufliche Selbstständigkeit gewagt: Oliver Feußner.

Vierte Existenzgründungsmesse der Aktiv-Region Hügelland am Ostseestrand in Gettorf / 100 Besucher informieren sich

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07. Juni 2014, 06:00 Uhr

Die Agentur für Arbeit Neumünster, die Industrie- und Handelskammer, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises, verschiedene Kreditinstitute – 15 Aussteller informierten gestern auf der vierten Existenzgründungsmesse der Aktiv-Region. Rund 100 Besucher nutzten das Angebot im Autohaus Ohms für eine erste Beratung und Kontaktaufnahme.

Inmitten der Stände ein Hingucker: das Coffee-Bike von Oliver Feußner (44). Er hat die Abwägung zur Selbstständigkeit und alle erforderlichen Gespräche schon hinter sich und ist heute am vierten Tag seiner unternehmerischen Tätigkeit mit seinem Fahrradstand, an dem es Kaffeespezialitäten, frisch gepressten Orangensaft und Kuchen gibt, im Einsatz. In Kiel war er auf einen Anhänger des Franchise-Unternehmens aufmerksam geworden – seither ließ ihn das von zwei Studenten entwickelte Geschäftsmodell nicht mehr los. In seinem Hauptberuf als Restaurantleiter der Globetrotter-Lodge auf dem Aschberg hat er eigentlich genug zu tun – die Idee Coffee-Bikes setzt er nebenberuflich mit Unterstützung seiner Familie um. „Das Rad musste ich kaufen, ansonsten führe ich pro verkauftem Kaffee einen Betrag an das Unternehmen ab. Mehr nicht“, erklärt der Waabser, der nun eines von 60 Kaffee-Rädern in Europa besitzt. Die Maschine läuft mit Gas, eine Batterie für das Waschbecken und den Wassertank ist mit an Bord. „So bin ich autark und kann mich mit meinem Rad überall hinstellen“, sagt Feußner, der heute zur Aal-Regatta in Eckernförde unterwegs ist.

So eine gute Idee brauche es für die Selbstständigkeit, sagte Bürgermeister Jürgen Baasch in seiner Begrüßung. „Und Mut.“ Mut sich einzugestehen, wenn man ein Konzept besser nicht umsetzt. Zwar freuten sich die Kommunen über jeden neuen Betrieb. „Aber der braucht auch einen vernünftigen Unterbau. Nichts ist schlimmer, als wenn man den Laden wieder zumachen muss“, so Baasch.

Davor will Hans-Georg Billmann Existenzgründer bewahren. Vor dreieinhalb Jahren wagte er selbst mit seiner Unternehmensberatung den Wechsel von der Industrie- und Handelskammer Kiel in die Selbstständigkeit. Seither hat er 80 Existenzgründungen begleitet – in der Gastronomie, im Handwerk, im Dienstleistungsgewerbe. Seine Aufgabe ist es, kritisch zu sein. Denn: „Existenzgründer sind gnadenlos optimistisch“, weiß Billmann. Da sei es ratsam, wenn jemand die Chancen der Geschäftsidee objektiv betrachtet. „Besser es platzt ein Traum, als dass es ein Albtraum wird“, meint Billmann, der den jungen Unternehmern auch nach der Gründung noch beratend zur Seite steht – hier übernimmt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 50 Prozent der Kosten. Die Info-Abende, die er einmal im Monat im Gründerzentrum Hohenwestedt und im Technik- und Ökologiezentrum (TÖZ) Eckernförde anbietet, finden zwischen neun und zwölf Zuhörer. „Das ist recht viel für die Region“, sagt Billmann.

Die Erfahrung teilt auch Reiner Fichter, Leiter des TÖZ. Zwischen 100 und 150 Erstberatungen bietet die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde dort im Jahr für an einer Selbstständigkeit Interessierte an. Die Motive seien ganz unterschiedlich. Oftmals sei es ein Ausweg für Menschen über 50 Jahre, die noch arbeiten wollten, aber keinen Job mehr fänden. Zwar habe das Arbeitsamt die Fördermöglichkeiten zurückgeschraubt, es gebe jedoch andere Möglichkeiten wie den Mikrokredit der Investitionsbank, so Fichter.

Auch bei der Formulierung der Schwerpunkte für die zweite Förderperiode der Aktiv-Region zeichnet sich ein Bedarf an Informationen zum Weg in die Selbstständigkeit ab, teilte Dr. Dieter Kuhn vom Regionalmanagement mit. So werde es künftig noch weitere Messen wie die gestrige geben. Darüber hinaus sei ein Lotsenprogramm nach dem Motto „alte Hasen helfen jungen Füchsen“ angedacht.

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