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Gelebte Partnerschaft : Sehestedt und Lohmen: Seit 25 Jahren Partner

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Gemeinden Lohmen und Sehestedt feierten mit einem Fest 25 Jahre Wiedervereinigung

von
erstellt am 08.Okt.2015 | 06:51 Uhr

Alle waren sich einig: „Wir haben eine richtige, gelebte Partnerschaft.“ Vor 25 Jahren hatten die Gemeinde Lohmen aus Mecklenburg-Vorpommern und Sehestedt am Nord-Ostsee-Kanal feierlich eine Urkunde unterzeichnet und erklärt: „Es ist unser gemeinsamer Wille ... zu einem gesicherten und dauerhaften Frieden beizutragen“. Diese Anstrengungen sind auch in einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit nicht erlahmt. Denn die Partnerschaft ist nicht nur eine politische, es sind auch persönliche Freundschaften entstanden. So wie zwischen dem Ehepaar Koop und den Hassels.

Als am Wochenende ein Reisebus aus Lohmen am Kanal eintraf, war klar, wo Gudrun und Hartmut Hassel die Nacht verbringen werden: bei Rita und Willi. Der Tierarzt Hartmut Hassel (59) war zur Wendezeit Mitglied im Lohmener Gemeinderat gewesen. Es galt, mit völlig neuen Situationen fertig zu werden. Unterstützung und Erfahrungen aus dem Westen waren willkommen. „Aber wir waren nicht so oberschlaue Wessis“, stellt Rita Koop, Sehestedts heutige Bürgermeisterin, klar. Sie hatte Verwandtschaft in Sachsen, war dort des öfteren zu Besuch gewesen. Dennoch gab es natürlich den ein oder anderen Tipp oder auch Warnung für die Freunde aus dem Osten. „Wir waren allerdings nicht ganz ahnungslos“, stellt Lehrerin Gudrun Hassel (60) klar. „Wir konnten alle West-Sender sehen und waren gut informiert“.

Als „tätige Freundschaft“ bezeichnen die Hassels die Beziehung. Als ihr Haus beschädigt worden war, half Willi Koop kräftig beim Wiederaufbau. Und die Tochter der Hassels kam zu einem Praktikum in das Sehestedter Forstrevier und brachte einen Mammutbaum mit, der der Lohmener Familie jetzt über das Dach wächst, berichten die beiden. Es gab außerdem tatkräftige Hilfe von Gemeindeseite. In Lohmen steht ein Altenheim, dass von der Borgstedter Einrichtung inspiriert worden war. Mit 80 Angestellten ist es in der Region jetzt ein wichtiger Arbeitgeber, weiß der Lohmener Bürgermeister Bernd Dikau, der auch schon bei der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages im Amt war.

Sein damaliger Kollege in Sehestedt war Malte Ahlmann, der dann als Arbeitgeber nach Lohmen kam. Der Sehestedter wagt es kurz nach der Wende, im Osten Land zu kaufen. Weil die Treuhand verlangte, dass er als Landbesitzer seinen ersten Wohnsitz in der Region hatte, siedelte er nach Groß Tessin über und nahm die Hälfte der Maschinen vom heimischen Gut mit. Für 15 Jahre leitete ein Verwandter den Sehestedter Betrieb, und Ehefrau Renate pendelte in den Sommermonaten zwischen Ost und West. Heute führt den Ost-Betrieb ein Ahlmann-Sohn, sein Bruder den Sehestedter Betrieb.

Dass zwischen Sehestedt und Lohmen keine „Ehemüdigkeit“ eingekehrt ist, führen Lohmens Gemeindechef Dikau und Malte Ahlmann darauf zurück, dass die Partnerschaft auf mehreren Stützen steht. Und: „Es ist ein Geben und ein Nehmen“, sagt Bürgermeister Dikau. Gefeiert wurde das 25-Jahr-Jubiläum jedenfalls ausgiebig: Mit einer Kanalfahrt und einem Schnitzelessen im Landgasthof, bei dem die Linedancer „The Roadrunners“ aus Kukuk für Furore sorgten, einem Gottesdienst am Sonntagmorgen und einen anschließenden Fußballspiel.

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