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Aalregatta : Segeln pur und bunte Vielfalt an Land

vom

Aalregatta lockt nicht nur Wassersportler nach Eckernförde. Vielfältiges Programm sorgt für dichtes Gedränge.

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2013 | 08:04 Uhr

Eckernförde | Wie der Aal in der Bütt - so fühlte man sich am Sonnabendabend auf der Eckernförder Festmeile. Gefangen unter Schirmen, Vordächern und Friesennerzen, glitschig vom salzigen, warmen Regen und dem eigenen Schweiß, über und unter der Pelle. Die Laune verderben ließ sich trotzdem keiner. Strahlend verkaufte Gabriele Jaskulska ihre Fischbrötchen und generierte mit ihrer Apfel-Zwiebel-Sahnesauce auf dem Matjes neue Fans. "Von der Regatta werde ich nicht viel mitkriegen. Aber gehen Sie nachher noch mal ganz nach oben an den Hafen, da liegt eine große Yacht. Die ist wirklich fantastisch."

Die Farbe Weiß spielte an diesem Abend auch für Lara Suhr aus Rieseby eine Rolle. Zusammen mit einem Dutzend ihrer Freundinnen machte sie die Stadt unsicher, trotz des Regens feierte die rosa-schwarz gekleidete Horde vor der Bühne, auf der "Zack Zillis" die ersten Töne raushauten, ausgelassen den letzten Tag in Freiheit. Laras Truppe trägt schwarze Hüte, schwarze Leggins, rosa Shirts und rosa Schärpen mit dem Aufdruck "Ladies Night" und verklickert damit: Hier feiert jemand Junggesellinnenabschied - Hochzeit ist am Sonntag - aus Suhr wird Matuszewski. Nur ein weißer Schleier am Cowboyhut verrät die Braut im Getümmel. Die Band, selber für Spaß am Verkleiden, für Publikumsnähe und Spontaneität bekannt, holt die malerischen Statistinnen auf die Bühne, allerdings nicht ohne Bedingungen zu stellen: "Ich hoffe, ihr könnt singen..." Zusammen schmetterten sie ein "I will survive" in den feucht verhangenen Abend - für "It’s raining men" von den wuchtigen Weather Girls war es denn ja auch noch einen Tag zu früh. "Die sind alle unwahrscheinlich gut und können alle auch singen", raunte ein Zuhörer seinem Nebenmann zu und meinte damit die Band. "Unser Bassist sollte sich von der Frau Jaschke da oben mal eine Scheibe abschneiden..." und spielte damit nicht nur auf ihr Erscheinungsbild an. Rotes Omakleid, blonde Perücke, Handtäschchen und super Bass - so behält man sie in Erinnerung. Dass der Sonntag dann komplett regen- und windfrei bliebt, war ein Geschenk an Gastwirte und Besucher. Klar, dass Segler wie Hannes Peters und Reiner Fries es lieber anders hätten. "Heute ist totale Flaute. Eine Regatta fällt aus, eine wird gewertet. Gestern war es dagegen knacke hart, nix chillen, sondern Segeln pur." Und was machen die Flensburger nun? "Kaffee und Bier trinken." Für sie ist die Aalregatta, an der sie zum ersten Mal teilnehmen, nur Training. Ihr Boot kam im Oktober neu aus der Türkei, nun wird es im Rahmen der Aalregatta eingetrimmt, spielt sich die aus acht Seglern bestehende Mannschaft aufeinander ein. Auf der Kieler Woche nehmen sie an der Qualifikation zur EM teil, um sich dann gleichzeitig für die WM 2014 zu qualifizieren.

Gastwirt Matthias "Hubi" Huber weiß den trockenen Sonntag zu schätzen: "Es regnet heute nicht mehr, das hab ich beschlossen." Er widmet sich ausgiebig der Gruppe erwachsener Menschen mit Handicap, die neugierig einen Holzklotz mit Hammer und Nägeln umringen. "Mit der schmalen Seite einschlagen, immer einen Hieb, dann der nächste - wer will?" Betreuer Markus Bücker berichtete: "Dass unser Urlaub auf die Aalregatta fällt, ist Zufall. Wir waren schon einkaufen, das Taschengeld will ja ausgegeben werden, waren in Kappeln, in Schönberg beim Eisenbahnfest, in Laboe und auf dem Kolonistenhof in den Hüttener Bergen - das war richtig klasse." Die Gruppe aus Idstein wohnt bei Waabs und ist "mehr oder weniger regelmäßig hier", wie Bücker schmunzelnd berichtete. "Die Herrschaften stimmen ab, aber Waabs rangiert immer auf Nummer eins." Ein besonderes Erlebnis: Die Jamsession in Carls Showpalast. Da habe sich nach etwas Ermutigung einer aus der Gruppe getraut mitzuspielen: Patrick Klimmt mit Trisomie-21 übernahm mutig den Platz am Schlagzeug und fühlte sich schnell, so viel ist sicher, wie ein Fisch im Wasser. Genau wie ein paar Tage später in der sonntäglichen Menschenmenge der Aalregatta und genau wie alle anderen Besucher - obwohl es trocken blieb bis zum Schluss.

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