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Eckernförder Zeitung

15. Dezember 2017 | 13:31 Uhr

Segeln mit Behinderung : Segeln ohne Barrieren

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Selbsthilfegruppe aus Hamburg zu Besuch beim Verein „Meer bewegen“ am Wittensee / Wassersportgelände wird Stück für Stück barrierefrei

von
erstellt am 01.Jun.2016 | 06:46 Uhr

Gefährlich nahe an der Wasserkante hat Amelie ihren Rollstuhl auf dem Steg geparkt, die Handbremse gezogen und sich mit Hilfe der Segler Anja Düvel, Thomas Preuhsler und Eike Ketzler in das Segelboot heben lassen. Wenige Sekunden später sitzt das neunjährige Mädchen aus Hamburg auch schon wie selbstverständlich in der Mitte des Bootes, der „White Pearl“ die Pinne fest in der Hand. Amelie hat Spina Bifida, eine angeborene Querschnittslähmung, viele Aktivitäten, von Gleichaltrigen sind für sie undenkbar. Doch beim Ausflug ihrer Selbsthilfegruppe, der Arbeitsgemeinschaft Spina Bifida und Hydrocephalus (ASBH), an den Wittensee konnte sie und acht weitere Rollstuhlfahrer die Erlebniswelt Wasser genauso erleben, wie Nicht-Behinderte. Gut 20 Gäste empfing der junge Verein auf dem Gelände des Wassersportvereins, darunter neun Rolli-Fahrer, die einen unvergesslichen Tag am See verbrachten. „Wir haben leichten Ostwind, zwei bis drei Beaufort, keine Wellen und nicht zu hohe Temperaturen“, beschrieb Preuhlser die perfekten Segelbedingungen. In kleinen Gruppen ging es dann nacheinander aufs Wasser.

Raus aufs Meer mit vollen Segeln trotz Behinderung – der Verein „Meer bewegen“ macht das jetzt seit Sommer 2014 beim Wassersportverein am Wittensee möglich. Eike Ketzler aus Hamburg und Thomas Preuhlser aus Borgstedt haben vor zwei Jahren die fünf Meter lange „White Pearl“ gekauft und den Verein „Meer bewegen“ mitgegründet. Die Jolle wurde speziell für Menschen mit Behinderung umgerüstet. Der Schwerpunkt liegt aufgrund des langen Kiels so tief, dass das Boot weder kenterbar noch sinkbar ist. Zur weiteren Ausstattung gehören zwei eingebaute Sitze, in denen die Segelnden in Fahrtrichtung sitzen. Sie müssen auch bei Kursänderungen keinen Positionswechsel im Boot machen. Mit wenig Aufwand kann über einen Seilzug die Segelfläche den Windverhältnissen und Fähigkeiten der Segelnden angepasst werden. Gesteuert wird das Segelboot mit einem Joystick. Der Verein will Menschen mit Behinderung das Segeln ermöglichen. Der Inklusionsgedanke hat einen hohen Stellenwert. „Das gemeinsame Segeln behinderter und nicht behinderter Menschen ist unser Ziel“, sagt Preuhsler.

Beim Wassersportverein hatte man sich gut auf den Besuch aus Hamburg vorbereitet. „Die Toilettenkabinen wurden verbreitert, eine Rampe ans Gebäude gebaut und ein Hygieneraum eingerichtet“, erzählt Thomas Preuhsler. Weitere Arbeiten am Gelände und den Gebäuden sind geplant. In Kürze soll ein weiteres Boot zur Meer-Bewegen-Flotte stoßen. Eine 2.4 Jolle, die ebenfalls behindertengerecht umgebaut werden wird.

„Ich kann selber lenken“, freute sich Meggie (12) über das Erlebnis auf der „White Pearl“. Die junge Rollifahrerin kommt aus Oersdorf in der Nähe von Kaltenkirchen. Möglichkeiten zum Segeln gibt es da keine. „Aber bald geht’s auf Klassenfahrt“, erzählt sie, Segeln auf dem Ratzeburger See.

„Es tolles Projekt“, sagt Antje Blume-Werry, Leiterin der ASBH-Geschäftsstelle in Hamburg. Es sei ideal, um Kinder mit Behinderung auch das Erlebnis Geschwindigkeit zu bieten. „Angebote gerade mit dem Medium Wasser gebe es nur selten, und es sei eine gute Gelegenheit, Ängste zu überwinden, ergänzt Domenique Yousefi, Sozialpädagogin beim ASBH. Beim Auftritt des Vereins bei der Hanse-Boot Hamburg ist der Kontakt entstanden. Spontan wurde ein Termin für den Sommerausflug der Selbsthilfegruppe vereinbart. Bezuschusst wurde der Tag am Wissen von der Katharina-Witt-Stiftung.

Jeden Freitag von 16 bis 19 Uhr bietet „Meer bewegen“ am Wittensee das After-Work-Sailing an – für Behinderte und Nicht-Behinderte. „Alles kostenlos“, betont Eike Ketzler“, denn auch das Geld stellt für viele Menschen eine Barriere da. 

>www.meer-bewegen.de

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