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Eckernförder Zeitung

20. August 2017 | 03:02 Uhr

Gerichtsurteil : Sechs Monate für Säure-Tat

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ein landwirtschaftlicher Gehilfe hat aus Rache für die Kündigung zwei Kälber auf einem Bauernhof in Schwansen mit Säure übergossen. Die Tiere mussten eingeschläfert werden.

Am frühen Morgen des 29. Juli 2013 betritt der 42-jährige Landwirt aus einer Gemeinde in Schwansen gemeinsam mit einem Praktikanten den Kälberstall. Er bemerkt ein offen stehendes Silo und einen stechend-säuerlichen Geruch. Der Bauer vermutet das neu ausgelegte Stroh als Ursache und mistet den Stall aus. Beim Anblick von zwei Kälbern stellt er dann aber Reizungen des Felles sowie Trübungen der Augen bei den Jungtieren fest und zieht einen Tierarzt zurate. Dieser misst eine erhöhte Temperatur und beschleunigte Atmung und diagnostiziert zudem deren Erblindung. Als sich der Gesundheitszustand der Kälber nach einigen Tagen weiter verschlechtert und sich Hautfetzen lösen, muss der Tierarzt sie von ihren Schmerzen erlösen und einschläfern.

Der Landwirt und sein Tierarzt ziehen Säure als Ursache in Betracht. Als Täter vermutet der Bauer seinen ehemaligen landwirtschaftlichen Gehilfen, dem er zuvor nach mehreren Zwischenfällen gekündigt hatte. Was der Bauer nicht wusste: Der Mann war wegen zahlreicher Delikte vorbestraft und saß bereits im Gefängnis. Zum anderen hat der 30-Jährige seinem Arbeitgeber Geld und EC-Karte gestohlen und ist dafür zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Nach der Kündigung hatte der Angeklagte seinen ehemaligen Chef mit über 1000 SMS traktiert und gedroht: Ihm und seiner Familie könnte weiterer Schaden zugefügt werden, erklärte der Landwirt vor Gericht. Beim Prozessauftakt in der vergangenen Woche sagte der Bauer im Zeugenstand, sein Mitarbeiter hätte ihm eine SMS mit den Worten „Kälber Säure baden“ geschickt. Zudem hätte nach seiner Aussage ein Kanister Ameisensäure gefehlt, die er zum Ansäuern der Milch verwendet und von dessen Existenz der Angeklagte wusste.

Ein Gutachten des Landeskriminalamtes Kiel, in dem Proben der Tierkadaver auf Säuren untersucht wurden, ergab jedoch keine eindeutigen Hinweise auf eine akute Säureanwendung bei den Tieren. Jedoch, so der Sachverständige, schließe dies eine Verätzung der Tiere mit Säure nicht aus. Säurerückstände könnten durch die beginnenden Fäulnisprozesse sowie Umwelteinflüsse neutralisiert worden sein.

Gestern nun fällte das Gericht sein Urteil. Die Staatsanwaltschaft plädierte für eine Freiheitsstafe von einem Jahr ohne Bewährung. Der Angeklagte hätte den Kälbern aus Rohheit erhebliche Schmerzen zugefügt, ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Der Anwalt des Angeklagten hingegen hielt dieses Strafmaß für viel zu hoch, er forderte Freispruch. Nach zehnminütiger Beratung verkündete der Richter das Urteil: sechs Monate Freiheitsstrafe – ohne Bewährung. In seiner Urteilsbegründung machte er deutlich, dass der Zustand der Kälber, die SMS sowie der fehlende Säurekanister Beleg genug für die Schuld des Mannes seien. Bei der Bemessung des Strafmaßes attestierte der Richter dem Angeklagten eine „absolute Gefühlskälte“ gegenüber den Kälbern. Auch aufgrund der noch laufenden Bewährungstrafen schloss er eine weitere Bewährung aus.

 

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erstellt am 16.Sep.2014 | 06:01 Uhr

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