„Schwierig ist die Anpassung, ohne die eigene Identität zu verlieren“

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31. Juli 2015, 06:33 Uhr

Hanane Dhaibi (Foto rechts) und Susanne Müller (l.) sind für den Verein UTS (Umwelt, Technik und Soziales) und Pro Regio Integrationslotsinnen für Flüchtlinge in Eckernförde. Im Interview stellen wir Hanane Dhaibi und ihre Arbeit (33) vor.

Eckernförder Zeitung: Frau Dhaibi, seit wann sind Sie Betreuerin für neu ankommende Flüchtlinge in Eckernförde?

Hanane Dhaibi: Seit 1. Juli. Vorher habe ich gelegentlich ehrenamtlich für UTS und Pro Regio in Eckernförde gearbeitet. Ende Juni bin ich mit meiner Ausbildung zur Groß- und Einzelhandelskauffrau fertig geworden.

Warum haben Sie nun das Berufsfeld gewechselt?

Als ich vor fünf Jahren nach Deutschland gekommen bin, habe ich es selber kennengelernt, wie es ist, wenn man in einem fremden Land ist und die Sprache nicht spricht. Während meiner ehrenamtlichen Arbeit habe ich außerdem den Bedarf gespürt. Das und die Möglichkeit helfen zu können, haben mich bewogen, den Job als Betreuerin anzunehmen.

Wie sehen ihre Aufgaben aus?

Ganz vielfältig. Das fängt damit an, dass wir Neuankommenden in Eckernförde Deutschkurse vermitteln, sie bei Behördengängen unterstützen oder ihre Kinder in der Schule anmelden. Aber auch bei ganz alltäglichen Dingen wie etwa Einkaufen helfen wir, wenn möglich. Dadurch, dass ich arabisch spreche, kann ich dabei unterstützen, Sprachbarrieren im Alltag zu überwinden.

Was haben Sie sich als Betreuerin vorgenommen?

Dass sich die Menschen hier nicht so einsam fühlen, obwohl sie meist die Sprache noch nicht beherrschen. Ihnen sind viele Dinge, die für Deutsche völlig alltäglich sind, fremd. Das fängt schon bei der Mülltrennung an. Wir können ihnen dabei helfen, das Leben in Deutschland näherzubringen und Erklärungen zu liefern, damit Neuankommende sich hier nicht ausgegrenzt fühlen.

Wo sehen Sie Handlungsbedarf in der Flüchtlingshilfe in Eckernförde?

Um das zu beurteilen ist noch zu früh. Ich bin eher positiv überrascht von den vielen ehrenamtlichen Helfern hier. Natürlich gibt es Dinge, die anzustoßen Zeit braucht und für die man Geduld haben muss. Hier gibt es aber viele, die anpacken und mithelfen wollen.

Vor welchen Herausforderungen stehen neu ankommende Flüchtlinge?

Schwierig ist die Anpassung, ohne die eigene Identität zu verlieren. Viele wollen so schnell wie möglich arbeiten und haben eine Vorstellung davon, was sie hier machen können. Im Alltag liegen die Herausforderungen eher beim Einkaufen, Behördengängen oder dem Abschluss eines Handy-Vertrags.

Womit kann ihnen am besten geholfen werden?

Sie freuen sich über jede Hilfe – egal ob von mir oder anderen. Sprache ist der Schlüssel für ein miteinander. Durch die Sprachbarriere ist die Integration eingeschränkt. Dringend brauchen wir daher ehrenamtliche Helfer, die Deutsch unterrichten können.

>Kontakt: Tel. 0157/58491805, dhaibi.wie@pro-regio.org, willkommen-in-eckernfoerde.de


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