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Eckernförder Zeitung

21. August 2017 | 10:44 Uhr

Schweres Geschütz und eine Brand-Mail

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Montagabend ist mit der Terrorfahrt über den Berliner Weihnachtsmarkt die Unbeschwertheit verloren gegangen. Plötzlich fragt man sich – wenn auch nur für einen kurzen Moment –, ob man sich wirklich ins Gedränge eines Weihnachtsmarktes oder in volle Einkaufsstraßen stürzen soll. Man soll. Nur wenn man am Glühwein nippt und Polizisten mit Maschinenpistolen patrouillieren sieht, die uns schützen sollen, kommt auch nicht unbedingt entspannte Weihnachtsstimmung auf. Wer hätte gedacht, dass es selbst auf dem kleinen Weihnachtsmarkt in Eckernförde jemals so kommen würde? Der Terror dieser fanatisierten Mörder ist allgegenwärtig. Das Schlimmste ist die Gewissheit, dass er trotz aller Bemühungen nie ganz zu verhindern ist. Dessen muss man sich bewusst sein – und gerade deshalb sollte man weiterhin unter Leute gehen und sich sein Leben nicht vermiesen lassen.

Die Schweigeminute Dienstagabend auf dem Weihnachtsmarkt war eine besonderer Moment. Innehalten, Stärke zeigen. Schön zu sehen, dass einige Besucher extra deswegen zum Kirchplatz gekommen sind. Wie die jungen Leute aus dem „Haus“ – Abdelrahman, Leon, Mohamad, Thoren, Hussein, Mohep, Felix und Ahmad – die Mitgefühl zeigten und ihre Betroffenheit zum Ausdruck brachten. „Das gehört sich einfach“, sagte Thoren – eine Einstellung, die Mut macht.

Angesichts solch schockierender Vorfälle verlieren andere lokale „Aufreger“ ein wenig an Bedeutung. Die Geschichte des „Ö“ ist so ein Fall. Es ist vor allem der Name auf den Ortsschildern – „Eckernföör“ –, der vielen nicht gefällt. Sie hätten lieber „Eckernför“ nach alter Tradition, so wie es in den Statuten der Gilden steht. Das Doppel-Ö entpuppt sich als Spaltpilz für die Plattdüütsch Gill Eckernför – genau, mit einem „ö“, wie es auch verbrieft ist. Allerdings rührt sich gegen das Einfach-Ö zarter Widerstand in Form des Versuchs, die vorgedruckten Briefumschläge der Gilde mit einem Doppel-Ö auszustatten.

Wenn das noch weiter eskaliert, kostet das plattdeutsche Sympathiepunkte.

Auch die viele Jahre heile Eckernförder Einkaufswelt scheint an Strahlkraft verloren zu haben. Zumindest an den langen Samstagen, die nicht überall lang sind: Hier wird um 14 Uhr geschlossen, dort um 16 Uhr, nur wenige halten durch bis 18 Uhr. Buchhändler Gerd Kieckbusch war am 4. Adventssonnabend so angefasst, dass er eine Brand-Mail verschickte und die Defizite beim Namen nannte: fehlende einheitliche Öffnungszeiten, zu wenig zentrale Parkplätze, zu scharfe Kontrollen, zu wenig Gemeinschaft.

Der Wirtschaftskreis war zwar „not amused“, hier und da gab es aber auch Zustimmung für Kieckbuschs Thesen.

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erstellt am 24.Dez.2016 | 04:31 Uhr

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