zur Navigation springen

Ostsee Info-Center : Schwarze Zahlen statt schwarzer Sand

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Leiter des Ostsee Info-Center, Claus Müller, berichtet beim Besuch des Finanzausschusses über eine Erfolgsgeschichte seines Hauses. Und er präsentierte Proben der Sandaufschüttung.

von
erstellt am 16.Feb.2017 | 06:16 Uhr

Eckernförde | Die „Claus-Müller-Show“ zu Beginn der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Finanzwesen am Dienstagabend im Ostsee Info-Center am Seesteg hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Der dynamische OIC-Chef brauchte dafür nur ein wenig Strandsand, eine Lupe, ein paar aussagekräftige Zahlen und viel Enthusiasmus, um die Politgäste zu überzeugen.

„Ein super Sand – Glückwunsch an die Stadt“, sagte Müller. Er hat einige Proben des Aschauer Baggergutes vor der Einfahrt in die Lagune, das jetzt im Zuge des Küstenschutzes als Sandaufschüttung am Eckernförder Strand aufgefahren und verteilt wird, gesammelt und unter eine Lupe gelegt. Der Anblick des inzwischen getrockneten und ungewaschenen hell gewordenen Sandes erfreute den Geologen. Müller machte eine „Top-Qualität“ mit einem „überraschend geringen Anteil“ an organischen Bestandteilen wie Blasentang und Seegras aus, ansonsten steckten in dem Baggergut vom Meeresgrund natürliche mineralogische Sedimente wie etwa Flintsteine und Miesmuschelreste, die sich im Laufe der Zeit mit dem vorhandenen feinen Sand vermischen. Die organischen Substanzen, die den feuchten Sand zusätzlich dunkel färben, würden durch Regen oder Seewasser ausgespült. „Ich bin guter Hoffnung, dass die dunkle Färbung bald niemand mehr sehen wird.“

Diese Aussicht bestätigte die Sinnhaftigkeit der Küstenschutzmaßnahme und gefiel den anwesenden Ausschussmitgliedern und wohl auch den interessierten Zuhörern. Ebenso dürfte sie Müllers Ausführungen über die Entwicklung des OIC erfreut haben. Mit über 40  000 Besuchern pro Jahr liegt es voll im Soll und hat sich in den neun Jahren als finanziell selbsttragende Einrichtung etabliert. Das ist angesichts der hohen Zuschüsse für andere Einrichtungen ähnlicher Art schon bemerkenswert. Es gibt dafür mehrere Gründe. Zum einen die große Resonanz des OIC bei Besuchergruppen und vor allem Schulklassen aus ganz Deutschland, die im OIC ihre maritimen Kenntnisse erweitern und für die sehr guten Besucherzahlen sorgen, die Projektarbeit in Zusammenarbeit mit Fischern, wissenschaftlichen Instituten und dem Fischereiministerium sowie die Einnahmen aus dem sehr gut angenommenen Bistro. „Das OIC schreibt schwarze Zahlen, wir hatten noch nie ein Defizit“, sagt Claus Müller, was selbst dem Landesrechnungshof bei einem Betriebsausflug im OIC imponiert habe, so Müller.

Dass das OIC eine Erfolgsgeschichte schreibt liegt sicher auch am „genialen Standort“, wie Müller sagt, an der Nahtstellen von Strand und Hafen. Das OIC sei kein Alleinstellungsmerkmal für Eckernförde, die Besucher kämen in erster Linie wegen der Marke Eckernförde, nutzten dabei aber gerne das OIC als touristisches Angebot.

Ein wichtiges Standbein für das OIC sind seine Kompetenz und seine Kontakte zu den Fischern. Zusammen mit ihnen und dem Fischereiministerium wurde das Schweinswal-Schutzprojekt aus der Taufe gehoben. Beifänge werden seither abgegeben und verschwinden nicht mehr heimlich in der Ostsee und Pinger in den Netzen sollen die Wale fernhalten. Das OIC koordiniert die

Arbeit von Flensburg bis Lübeck und hat mit einem Pkw und einem Schiff dafür auch die nötige Arbeitsmittel. 460  000 Euro aus dem Europäischen Fischereifonds fließen bis 2019 in das Projekt, sagte Müller. Die nur unzureichend funktionierenden Pinger sollen durch einen anderen, deutlich lauteren Signalgeber „Pal“ ersetzt werden, der akustische Warngeräusche im Frequenzbereich 130 Kilo–Hertz (kHz) aussendet und effektiver sein soll. Jedenfalls geht der Kieler Walforscher Prof. Dr. Boris Culik („Der Mann kann Schweinswal“) davon aus. 170 Stück davon sollen probeweise ab April in den Netzen befestigt werden, alle 200 Meter einer. Wenn es gut funktioniert, sollen 1500 Sender angeschafft werden und 300 Kilometer Stellnetz an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste Schweinswal-abschreckend ausgerüstet werden. Die Betreuung des Projekts erfolgt federführend durch das OIC, 320  000 Euro – davon allein 200  000 Euro für die „Pal“-Sender –, stehen dafür bis 2020 zur Verfügung.

Neben diesen Großprojekten gibt es auch mehrere weitere kleinere. Zum Beispiel die Installation der ersten, hochauflösenden Unterwasserkamera, die in fünf Metern Tiefe vor dem Seesteg bewegte Bilder in HD-Qualität in alle Welt liefert – Kosten 23  000 Euro. Im Zentrum des operativen Tagesgeschäfts stehen die Führungen und Seminare von Schulklassen, wie auch gestern Vormittag, als mehrere Schulklassen zu Besuch waren, um sich in experimenteller Weise mit dem Thema Plastikmüll im Meer zu beschäftigen. Diese „wahnsinnig breite Palette“ an Projekten und Veranstaltungen wird von insgesamt 40 Mitarbeitern gestemmt, darunter auch zahlreiche Ehrenamtler sowie FÖJ’ler, Bundesfreiwilligendienstleistende, Honorarkräfte und auch ein Auszubildenden. „Wenn mir nichts mehr einfällt, machen wir Schluss“, sagte OIC-Leiter Claus Müller. Dazu dürfte es allerdings bei der an den Tag gelegten Agilität kaum kommen.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen