zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

23. August 2017 | 14:38 Uhr

Schwarze Koffer und literarische Diskurse

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Autorinnengruppe „Schreibweise“ veröffentlicht ihre erste Anthologie „Geschichten aus dem Koffer. Eine szenische Lesung findet Anfang November statt.

Ein schwarzer Koffer, herrenlos in einem Zugabteil, strapaziert die Nerven der Passagiere. Was ist sein Inhalt? Eine Bombe? Oder ist es doch nur viel Lärm um Nichts? Mit dieser Szene aus der Erzählung „Der schwarze Koffer“ von Doris Ruge beginnt die erste Anthologie der Autorinnengruppe „Schreibweise“.

„Schreibweise“ das sind Martina Boetticher, Gertrud Conrad, Edith Grünauer, Doris Ruge, Anke Schulz-Böcker und Lilli Silz – sechs Frauen aus Eckernförde, Kappeln und Schwansen, die seit neun Jahren einmal im Monat zusammenfinden und die Texte der jeweils anderen lesen, diskutieren und schließlich redigieren. Ein kollektives Redigat, das mehr noch versucht, sich auf inhaltlicher Ebene zu bereichern und gemeinsam neue Schreib- und Erzählperspektiven zu entwickeln. Wort für Wort und Satz für Satz bearbeiten sie gemeinsam ihre Texte. „Mitunter fällt es schwer, eine liebgewonnene Formulierung dem Urteil der anderen auszusetzen“, erzählt Anke Schulz-Böcker. Das Synonymwörterbuch sei dann häufig ein guter Freund.

Ihr Name „Schreibweise“ ist eine Doppeldeutigkeit, die gleichermaßen auf den Stil ihrer Schreibe und „die Weisen oder Gelehrten“ anspielen soll. Jede von ihnen hat im Kleinen angefangen. Ob schon während der Grundschulzeit wie Gertrud Conrad oder Lilli Silz oder erst, nachdem die Kinder groß waren wie Martina Boetticher oder Anke Schulz-Böcker – die ersten Texte blieben zunächst unveröffentlicht. „Ich wollte eigene Gedanken ordnen, Beobachtungen des Alltags schriftlich festhalten und anekdotisch schildern“, erzählt Anke Schulz-Böcker. Die Veröffentlichung ihrer literarischen Arbeit habe dabei nie im Vordergrund gestanden.

Ob Lyrik, Erzählungen, Romane oder Prosa – jede der sechs Frauen bedient ihre eigenen Genre. Thematisch gibt es keine Grenzen. Familienbanden, Deutsche Nachkriegsgeschichte oder Fiktives sind Inhalte ihrer Arbeiten.

Kennengelernt hat sich das literarische Sextett während einer Schreibwerkstatt der Volkshochschule Kappeln, die Doris Ruge leitete. Die freiberufliche Lektorin erkannte das Talent ihrer Schülerinnen, und so formierten sich aus den ehemaligen Kursteilnehmerinnen die „Schreibweisen“. Über die Jahre sei ein Vertrauensverhältnis zwischen den Autorinnen entstanden, das es auch bräuchte, um diese Arbeit miteinander zu machen, erklärt Ruge. „Auch wenn die Kritik mal hart ist, wissen wir, dass keine einem was Böses will.“ Das Gegenteil sei der Fall. „Wir freuen uns füreinander, wenn ein schöner Text gelungen ist.“

In diesem Jahr stellen sie ihre Arbeit gleich dreimal öffentlich vor: Die gemeinsame Ausstellung mit drei Malerinnen aus Angeln „Kunst und Kunst – Malerinnen und Schriftstellerinnen stellen aus“ im Kulturzentrum „Alte Schule Satrup“ startete am 20. September mit einer Vernissage und Lesung und kann noch bis Ende November besucht werden.

Zudem folgt in diesem Jahr die zweite szenische Lesung im Rahmen der „Langen Nächte“ am 1. November. Gelesen werden Auszüge aus ihrer in diesem Jahr erschienenen Anthologie „Geschichten aus dem Koffer“ – ihre erste gemeinsame Präsentation in gedruckter Form. „Die Anthologie ist ein typischer Mix unseres schriftstellerischen Wirkens“, erklärt Gertrud Conrad. Derzeit probt das Sextett die gemeinsamen Dialoge.

> Die Lesung „Geschichten aus dem Koffer“ findet am Sonnabend, 1. November, ab 19.30 Uhr in der Stadtbücherei (Am Exer 1) statt. Der Eintritt ist frei. Die Anthologie ist beim Verlag BoD Norderstedt (ISBN: 9783732286409) erschienen.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 17.Okt.2014 | 06:41 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen