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Naturschutz : Schwansen – Lebensraum für Seeadler

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Naturfreunde wollen Verein gründen, um Sichtungen von Seeadler, Kranich und Singschwan in Schwansen zu dokumentieren

von
erstellt am 13.Apr.2016 | 06:23 Uhr

Rieseby | Sie messen bis 260 Zentimeter Flügelspannweite und schweben majestätisch durch die Luft. Die Chance, einen Seeadler in Schwansen zu sehen, ist recht groß, sagt Frank Drewes (42) aus Sönderby. Seit etwas mehr als einem Jahr beobachtet der selbstständige Unternehmer zusammen mit rund einem Duzend weiterer Helfer intensiv die größten Greifvögel Deutschlands in der Region. Auf der Basis ihrer vielen Beobachtungen schätzt Drewes, dass rund 20 Seeadler verschiedener Altersstadien in Schwansen leben. Hinzu kommen zahlreiche Tiere, die jenseits der Schlei in Angeln leben, aber auch in Schwansen nach Beute suchen.

Der Schutz dieser Großgreifer liegt der Gruppe sehr am Herzen. Um den Schutz der Tiere zu fördern und die Bürger für den Schatz, den diese Könige der Luft darstellen zu wecken, planen sie die Gründung eines Vereins. Derzeit werden noch rechtliche Fragen geklärt. Ziel und Zweck soll die Beobachtung und Dokumentation von Seeadler, Singschwan und Kranich in Schwansen sein. Darüber hinaus wollen sie auf Infotafeln über die Vögel und ihre Lebensräume informieren. Außerdem wollen sie die Jugend für den Lebensraum Natur interessieren, berichtet Drewes.

Als Ausgleich zu seiner Arbeit genießt Drewes die Ausflüge in die Natur. „Natur liebe ich schon seit meiner Jugend“, sagt er und ergänzt: „Schwansen ist so schön“. Durch viele Gespräche mit Landwirten, mit Jägern und Landeigentümern weiß Drewes recht genau, wo Adlerhorste sind. Ihre Standorte werden geheim gehalten, um die Tiere während der Brut und Aufzucht der Jungvögel nicht zu stören. Und auch um ihre Vergrämung zu verhindern. Ihre Sichtungen tragen sie im Internet auf der Seite von ornithologie-schleswig-holstein.de ein. Auch mit der Projektgruppe Seeadlerschutz in Bad Segeberg stehen sie im Austausch. In 2015 wurden in Schwansen sieben Jungtiere groß gezogen. Wieviele Seeadler in diesem Jahr flügge werden und das Nest verlassen, kann Drewes nur mutmaßen. Er schätzt, dass es in Schwansen und der Schleiregion etwa acht Horste gibt. Jeweils ein bis drei Eier werden bebrütet.

Drewes fährt mehrmals in der Woche zwischen 60 und 80 Kilometer durch Schwansen und Angeln und schaut, ob er Adler sichtet. Dabei achtet er auf Ansammlungen von Krähen, die oftmals ein Hinweis auf Aas auf einem Feld sind. Dort hat er schon wiederholt Adler gesichtet. Teilweise kann er mittels guter Foto- und Fernglasoptik sogar bei einzelnen Tiere die Markierungen auf ihren Ringen an den Beinen erkennen, um sie der Projektgruppe Seeadlerschutz zu melden.

Bei seinen Fahrten macht Drewes um die Plätze, wo Horste vermutet werden, einen großen Bogen und steuert sogenannte Luderplätze der Jägerschaft an. Rund 15 Plätze kennt er in Schwansen, wo Jäger aufgebrochenes Wild ablegen. „Da ist der Tisch für die Raubvögel gedeckt.“ Gefahren drohten hier früher aus bleihaltiger Munition, die ab April 2015 verboten ist. An einer Stelle konnt Drewes im Vorjahr 13 Seeadler auf einmal zählen. „Das war gigantisch“, sagt er.

Sichere Plätze, um Seeadler zu sehen, sind an der Schlei, so Drewes Erfahrungen. An der Schlei schlägt der Adler kleine Wasservögel und nimmt vor allem Fisch. Dann schwebt der große Vogel mit seiner Beute in den Fängen davon. Auf seinen Fahrten sichtet Drewes auch wiederholt Kraniche. Deren Anzahl in Schwansen liegt bei rund einem Duzend, aber genau ist es schwer zu sagen, da man die Tiere nicht gleichzeitig antrifft, so Drewes. Genau hier soll auch der Verein helfen. So sollen die Mitglieder bei Bestandszählungen helfen. Besonders bei der Zählung der Singschwäne, die in Herbst und Winter zu hunderten auf den Felder überwintern, wird Hilfe gebraucht. Drewes schätzt, dass bis Mitte März, bevor die Schwäne in ihre Brutgebiete in Osteuropa und der sibirischen Taiga flogen, sich etwa 2000 bis 3000 Stück in Schwansen aufhielten.

Außer Seeadler, Kranich, und Singschwäne hat Drewes schon viele andere Vögel beobachten können. Ob Uhu, roter Milan oder verschiedene Bussarde und Käuze, sie alle sind in Schwansen zuhause. Als besonderen Gast konnte der Vogelfreund im Winter mehrere Wochen lang einen jungen Steinadler aus Dänemark in Schwansen beobachten. Bei aller Freude, die ihm die Vögel machen, so sorgt sich der Naturfreund um die Zukunft. Besonders den Einfluss von Windkraftanlagen schätzt er als gefährdend für die Greifvögel ein. Angesichts ihrer zahlreichen Sichtungen geht Drewes davon aus, dass ganz Schwansen zum Streifgebiet der Seeadler gehört. Ihr Flugverhalten sei aber nie so genau zu dokumentieren, um dies nachzuweisen. Dann müssten die Beobachtungen, beispielsweise für Gutachten, viel länger und umfangreicher sein, so seine Ansicht.

Mit großer Vorfreude sieht Drewes dennoch schon den hoffentlich zahlreichen jungen Seeadlern entgegen, die in Kürze schlüpfen werden. Für die Vogelfreunde heißt es dann – Bestandssichtungen festhalten.

Seeadler Fakten

> Der Seeadler (Haliaetus albicilla) ist mit bis zu 260 Zentimeter Flügelspannweite der größte europäische Greifvogel.

> In Deutschland brüten rund 580 Paare

> 2014 waren in Schleswig-Holstein 84 Seeadlerreviere besetzt, 58 Paare brüteten erfolgreich 91 junge Seeadler aus.

> Ihr Lebensraum sind Flüsse, Binnenseen und Meeresküsten als Nahrungsrevier und Wälder als Brutreviere.

www.projektgruppeseeadlerschutz.de www.ornithologie-schleswig-holstein.de

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