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Sauerstraße : Schutzstreifen bleiben den Fahrradfahrern suspekt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der neue Radfahrstreifen in der Sauerstraße wird trotz Benutzungspflicht kaum angenommen. Auch am Mühlenberg soll ein Schutzstreifen eingerichtet werden.

von
erstellt am 22.Jan.2016 | 06:55 Uhr

Eckernförde | Viele Eltern und Schüler des Schulzentrums Süd empfinden den auf der Fahrbahn angelegten Radfahrstreifen in der Sauerstraße zwischen Schulzentrum und Kreisel Hörst als Sicherheitsrisiko. Folge: Eltern verbieten ihren Kindern, ihn zu benutzen. Die Verunsicherung und die Sorge vor lebensgefährlichen Kollisionen mit den Autos sind groß (wir berichteten). Im Bauausschuss am Mittwochabend hat eine Mutter ihre Sorgen vorgebracht, auf unzureichende Informationen der Eltern und eine unklare Beschilderung hingewiesen. „Fast niemand fährt auf dem Radfahrstreifen“, sagte Anja Bünte, die nach einer Verbesserung der Beschilderung und nach Maßnahmen zur Akzeptanzverbesserung des Radfahrstreifens fragte.

Der für die städtischen Radwege zuständige Bauamtsmitarbeiter Axel Sperber hatte sich präpariert und erläuterte das Gesamtvorhaben anhand einer kleinen Präsentation. Auch er räumte eine starke Verunsicherung in der Bevölkerung und viele sorgenvolle Anrufe ein, wies aber auf die Benutzungspflicht des Radfahrstreifens zwischen Schulzentrum und Kreisel nach der Straßenverkehrsordnung hin. Die gelte bereits seit 1997. Darin heißt es unter anderem: „Regelfall soll die Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn sein.“ Ausnahmen sind Straßen außerhalb von Ortschaften (hohe Geschwindigkeiten), Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen und solche mit viel Schwerlastverkehr sowie starke Steigungen. Weiter heißt es in der StVO: „Die Freigabe linksseitiger Radwege (Radwege entgegen der Fahrtrichtung der Autos, die Red.) soll innerorts grundsätzlich nicht erfolgen.“ Bislang war dies unter anderem in der Sauerstraße der Fall. Beidseitig befahrbare Radwege wie in der Rendsburger Straße sind nur im Ausnahmefall erlaubt. Eine Benutzungspflicht für den Radweg wird durch ein blaues Schild mit Fahrrad angezeigt. Wo das nicht der Fall ist, kann der Radfahrer entweder auf dem Radweg oder auf der Straße fahren. Die Rechtslage ist 2010 durch ein Bundesverwaltungsgerichtsurteil noch einmal bestätigt worden. „Wir sind in Zugzwang“, sagte Sperber.

Mehrere bundesweit durchgeführte Studien hätten gezeigt, dass die meisten Unfälle mit Radfahrern an den Konfliktpunkten auf Geh- und Radwegen passierten, vor allem an Ein- und Ausfahrten und abbiegenden Straßen. Das Gros der Unfälle werde von unaufmerksamen Autofahrern verursacht, die Radfahrer übersehen, sagte Sperber. Ein deutlich geringeres Unfallrisiko sei von den Experten dort festgestellt worden, wo Radfahrer auf Schutzstreifen auf der Fahrbahn mit Pkw, Lkw und Bussen gemeinsam unterwegs sind und im Verkehr mitfließen.

Für die Sauerstraße wird laut Verkehrsgutachten eine Verkehrsbelastung von 630 Kfz pro Stunde zugrunde gelegt, womit die Sauerstraße dem Belastungsbereich II (von IV) zuzuordnen ist, führte Sperber weiter aus. Empfohlene Maßnahmen: Schutzstreifen auf der Fahrbahn und Gehweg mit Zusatz „Radfahrer frei“. So ist es zwischen Schulzentrum und Kreisel Hörst geregelt, wobei die Nutzung des Schutzstreifens für die Radfahrer in Richtung Kreisel alternativlos ist – es besteht Benutzungspflicht. Das Fahren auf dem Radweg in Richtung Kreisel ist nicht erlaubt, sagte Sperber. Bei Kontrollen würde das moniert und sanktioniert werden. Autofahrer dürfen den Schutzstreifen ebenfalls nutzen, gefordert sind aber besondere Rücksichtnahme und mindestens 1,5 Meter seitlicher Sicherheitsabstand zu den Radfahrer. Die Markierung des Schutzstreifens und die Beschilderung haben rund 5000 Euro gekostet, so Sperber auf Nachfrage.

Der Schutzstreifen endet am Kreisverkehr, den die Radfahrer wie die Autos umfahren sollen, um anschließend den ausgezeichneten Geh- und Radweg neben dem Edeka-Parkplatz zur Rendsburger Straße zu befahren. Nach Vorstellungen Sperbers könnte zwischen Kreisel und Rendsburger Straße ein zwei Meter breiter Radfahrstreifen angelegt werden, vorausgesetzt der B-Plan wird entsprechend geändert und das Grundstück von Edeka erworben. Dieses Projekt würde rund 75  000 Euro kosten.

In Eckernförde ist das Radverkehrskonzept Grundlage aller Entscheidungen. Die Umsetzung aller darin befindlichen Maßnahmen würde 3,65 Millionen Euro kosten, erläuterte Bürgermeister Jörg Sibbel. Der Umsetzung liegt eine Prioritätensetzung zugrunde. Ganz oben stehen dabei der Mühlenberg, die Prinzenstraße und der Saxtorfer Weg. Am Mühlenberg und in der Prinzenstraße sollen in diesem Jahr bergab ebenfalls benutzungspflichtige Schutzstreifen markiert und die Mittelstreifen auf der Fahrbahn entfernt werden. Im Saxtorfer Weg soll die Benutzungspflicht des Radwegs aufgehoben werden.

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