Schulentwicklungsplan sollte nochmals auf den Prüfstand

Karl-Heinz Groth
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Karl-Heinz Groth

Gastautor Karl-Heinz Groth sieht „Ungereimtheiten“ im Gutachten von Prof. Dr. Klaus Klemm

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28. Juni 2014, 06:22 Uhr

Der im Land als engagierter Bildungsfachmann bekannte frühere Schulleiter der Gorch-Fock-Schule, Karl-Heinz Groth, hat sich ausgiebig mit dem Schulentwicklungsplan der Stadt Eckernförde auf Grundlage des Gutachtens von Prof. Dr. Klaus Klemm auseinandergesetzt. In einem Gastbeitrag für unsere Zeitung gleicht Groth einige der Aussagen mit den aktuellen Entwicklungen und seinen persönlichen Einschätzungen ab. Dieser Beitrag ist als Diskussionsgrundlage in einer sich ständig verändernden Eckernförder Schullandschaft zu verstehen.

Die Empfehlungen des Schulentwicklungsplaners Prof. Dr. Klaus Klemm (Stand 2011) haben die Schullandschaft in Eckernförde in große Aufregung versetzt. Ausgelöst hat dies die Besorgnis erregende demographische Entwicklung. So wird es im Jahre 2020 nur noch sechs erste Klassen statt acht und insgesamt nur noch 24 Grundschulklassen statt 37 geben. Noch dramatischer sieht es für die 5. Klassen im nicht gymnasialen Bereich aus (Rückgang von 12 auf sieben Klassen, für die Sekundarstufe I insgesamt von 72 auf 49 Klassen). Das verdeutlicht die Brisanz einer langfristigen Schulraumplanung. Der Schulträger und die Mitglieder der Ratsversammlung sind nicht zu beneiden. Sie müssen sich durch ein Konvolut von Zahlen in 24 vorgefertigten Tabellen hindurcharbeiten, diese bewerten (realistisch / widersprüchlich?) und sie am Ende mit den Empfehlungen des Gutachters vergleichen.


G 8 als Hürde


Und hier stoße ich auf eine von mehreren Ungereimtheiten. Während die Tabelle auf Seite 12 (Entwicklung der Zahlen zu bildender Klassen in Sekundarstufe I / II des Gymnasiums) von einem Rückgang der Anzahl der 5. Klassen (2010 /2011) von fünf auf vier Klassen (2015) und dann schließlich auf drei Klassen ausgeht, versucht der Autor gleich in einem Nachsatz seine Aussage zu relativieren. Er gehe, da bundesweit von einem weiteren Anstieg der Übergangsquoten zum Gymnasium zu rechnen sei, von einer dauerhaft gesicherten Vierzügigkeit aus (S.15, oben). Hier ist nun zu fragen, was Klemm zu dieser Annahme verleitet. Die durch die Landesregierung festgelegte Beschränkung auf G 8 wird zunehmend von vielen Eltern als pädagogisch wenig sinnvoll angesehen. Es ist daher davon auszugehen, dass sie vermehrt ihre Kinder bei den Schulen anmelden, die ein 13. Schuljahr vorhalten.

Auf der Grundlage einer solchen Verunsicherung müssen die Ausführungen über Raumbedarf und Raumangebot für das Gymnasium kritisch hinterfragt werden. Die Tabelle 18, die nun wieder von einem vierzügigen Gymnasium ausgeht, macht deutlich, dass künftig erheblich mehr Klassen- und Differenzierungsräume als benötigt zur Verfügung stehen werden. Bei einer Dreizügigkeit wären es noch mehr. Die Peter-Ustinov-Schule hingegen benötigt nach Tabelle 17 zusätzliche sechs Klassenräume. Der Raumbedarf beider Schulen könnte also aus dem vorhanden Angebot gedeckt werden, ohne dass dafür die Gorch-Fock-Schule ausgelagert werden müsste.


Hoher Raumbedarf


Was mich erstaunt, ist der ungewöhnlich hohe Bedarf an Fach-und Verwaltungsräumen an beiden Schulen (knapp ein Zweifaches der Anzahl der Klassenräume). Sie übersteigt die Zahl der Klassenräume bei weitem. Die von der Stadt Kiel übernommenen Richtwerte sind jedoch nicht bindend. Sie sollten in Bezug auf ihre Notwendigkeit hin überprüft werden, bevor eine ganze Schule „umgesiedelt“ wird. Über die Kosten einer baulichen Umrüstung der Gorch-Fock-Schule nach den Bedürfnissen der Peter-Ustinov-Schule ist bisher nichts verlautbart worden. Die gehören aber bei einer Ratsentscheidung zwingend auf den Tisch und damit auch an die Öffentlichkeit.


Konstruktive Kritik


Mich verwundert weiterhin, dass an keiner Stelle des Gutachtens eine Überlegung erkennbar wird, die künftig als einzügig deklarierte Richard-Vosgerau-Schule in Borby der Fritz-Reuter-Schule zuzuordnen, die „mehr als hinreichende Kapazität nach dem Auslaufen der Sekundarstufe I“ hätte. Eine sinnvolle Verwendung für den dann freiwerdenden Gebäudeteil ließe sich in diesem bevorzugten Stadtteil sicherlich finden.

Dass schließlich in den zusammenfassenden Empfehlungen (S. 26) die Pestalozzischule (Förderschule) als künftige Inklusionsschule ausgewiesen wird, stellt die Diskussion um Inklusion geradezu auf den Kopf. Inklusion ist eine Werthaltung, die geprägt ist von der Achtung und Toleranz gegenüber jedem einzelnen menschlichen Geschöpf, keine Schulform. Sie ist daher nach Maßgabe der Möglichkeiten an jeder Schule zu verwirklichen. So sieht es eine UN-Konvention vor. Das wird in der weiteren Raumplanung eine zusätzliche, wichtige Rolle spielen müssen.

Es ist eine Sisyphusarbeit, die Verwaltung und Ratsversammlung zu bewältigen hatten. Beide haben sich bei ihrer Entscheidungsfindung eines Gutachtens bedient, das ich für teilweise verwirrend und insgesamt für nur bedingt tauglich halte. Meine Einlassung soll als eine konstruktive Kritik verstanden werden. Ich hoffe, dass eine nochmalige Diskussion um das Gutachten von Klemm möglich sein wird.

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