Schulden im Sturzflug

Ende 2020 wird der Kreis kaum noch Kredite bedienen müssen – aber der Abbau der Verbindlichkeiten verlief nicht schmerzlos

Dirk_Steinmetz-8463.jpg von
05. April 2020, 14:54 Uhr

Rendsburg | Im Jahr des größten Katzenjammers beliefen sich die Schulden des Kreises Rendsburg-Eckernförde auf 40 Millionen Euro. Das war 2007, als die Weltfinanzkrise ihren Anfang nahm. 13 Jahre später haben sich die Verbindlichkeiten des Kreises praktisch aufgelöst. Ende dieses Jahres werden es noch knapp 500.000 Euro sein, die man nur deswegen nicht ablösen kann, weil vertragliche Verpflichtungen damit verbunden sind. Konsequent haben Verwaltung und Politik den Schuldenberg abgetragen, aber schmerzfrei verlief das nicht.

Sabine Groeper ist die Finanzchefin der Kreisverwaltung in Rendsburg. Sie hat viel mit Zahlen zu tun, von denen die meisten anderen Kreise nur träumen können. Die Schuldenlast wird sich laut Planung Ende des Jahres auf zwei Euro pro Einwohner belaufen. Der Durchschnitt aller Kreise in Schleswig-Holstein liegt 80 Mal höher. Sabine Groeper kalkuliert 2020 mit einem Überschuss von 16,4 Millionen Euro. „Wir haben aber auch große Baustellen vor uns, wie die Erweiterung des Kreishauses und den Bau der neuen Feuerwehrzentrale“, sagt sie. Diese Großprojekte kann der Kreis ohne Kredite bewältigen.

Rückblick ins Jahr 2004. Der Ölpreis erreicht Rekordhöhen, die Wirtschaft stockt, die Steuereinnahmen sinken. „In dem Jahr drehte unser Etat ins Minus“, erinnert sich Sabine Groeper. Innerhalb von vier Jahren häufte der Kreis 25 Millionen Euro an neuen Schulden an. Diese entstanden vor allem dadurch, dass die Einnahmen wegbrachen. Verwaltung und Politik traten bei den Ausgaben auf die Bremse. Die Kreisumlage, die die Städte und Gemeinden aufbringen, wurde 2005 um zwei Punkte auf 30 Prozent angehoben, im Folgejahr auf 32 Prozent. 2008 war der Etat wieder ausgeglichen, allerdings saß man immer noch auf einem großen Schuldenberg.

Diesen abzubauen, war nur möglich, indem der Haushalt darauf getrimmt wurde, Überschüsse zu erwirtschaften. „Gemeinsam mit der Politik haben wir sehr schmerzhafte Einschnitte vorgenommen“, sagt die Finanzchefin. Viele Zuschüsse wurden gekürzt oder gestrichen, der Beitrag zum öffentlichen Personen-Nahverkehr eingedampft. Das Personalbudget durfte nur noch um die Höhe der Tarifsteigerung anwachsen. Extra-Stellen musste der Kreistag genehmigen. Das zeigte rasch Wirkung. 2011 lagen die Schulden bei unter 30 Millionen Euro, 2014 bei unter 20 Millionen. Der Wirtschaftsboom der vergangenen Jahre beschleunigte diese positive Entwicklung der Kreis-Finanzen.

Doch wie geht es weiter in Corona-Zeiten? „Die Steuereinnahmen werden sinken, aber das wirkt sich in diesem Jahr nicht auf uns aus“, so Finanzchefin Sabine Groeper. Denn Schlüsselzuweisungen und Kreisumlage werden auf der Basis zurückliegender Steuereinnahmen berechnet. Corona macht sich erst zeitverzögert bemerkbar. Für 2021 sei mit einem „schwierigen Haushalt“ zu rechnen. Sabine Groeper: „Ich kann ein Minus nicht ausschließen.“

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