zur Navigation springen

„Company of the Year“ : Schülerfirma „Rauteck“ – eine Idee begeistert Europa

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

WiPo-Schüler der Jungmannschule in Eckernförde haben mit ihrer Schülerfirma die Europameisterschaft gewonnen.

von
erstellt am 01.Aug.2015 | 06:17 Uhr

Eckernförde | Noch voller Glücksgefühle und berauscht vom großen Erfolg bei den 26th JA Europe Company of the Year Competition des Instituts der deutschen Wirtschaft und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, der Europameisterschaft der Schülerunternehmen, haben die siegreichen Eckernförder Jungunternehmer am Freitagabend wieder heimischen Boden erreicht.

Mit knallenden Sektflaschen, Musik („We are the Champions“) und einem großen Banner mit der Aufschrift „So sehen Sieger aus“ wurden die erfolgreichen Jungmannschüler von Eltern und Geschwistern am Eckernförder Bahnhof in Empfang genommen. Erleichtert, sichtlich erschöpft von den anstrengenden Tagen, die hinter ihnen lagen, und mit heiseren Stimmen schlossen sie ihre Verwandten in die Arme. „Mit dem Sieg haben wir angesichts der starken Konkurrenz gar nicht gerechnet“, sagte Bendix Sibbel bei ihrer Ankunft. Das Gesamtpaket, der professionelle Auftritt sowie die Lernentwicklung der Firma seien schließlich ausschlaggebend gewesen. Bis zwei Uhr Donnerstagmorgen haben sich die Rautecker noch auf ihre Präsentation vorbereitet. Ihr Plan ging auf. Gegen 23 Uhr stand fest: Europameister 2015 ist ... Rauteck!

Rauteck hat sich den unglaublichen Erfolg hart erarbeitet. Seit der Firmengründung im WiPo-Kurs im Oktober 2014 unter tätiger Mithilfe von „Geburtshelfer“ Axel Bürger als zuständiger Lehrer wurde die Geschäftsidee permanent weiterentwickelt und dem jungen Unternehmen Strukturen eingezogen, in denen Verantwortungsbewusstsein, Selbstvertrauen und flachen Hierarchien gefragt waren. Die ebenso einfache wie geniale Idee, als Schrott kultige Flaschenöffnung und Handtaschen in Eigenarbeit herzustellen wurde von einem Marketingkonzept begleitet, das durch die Nutzung vorhandener Altressourcen und die Einbindung behinderter Menschen bei Kompass 98 bei der Produktion auch von Nachhaltigkeit und sozialem Engagement geprägt war. Das gehörte auch zur preisgekrönten Firmenphilosophie.

Die jungen Eckernförder Gymnasiasten knieten sich förmlich in ihre Aufgabe hinein, wurden dabei immer professioneller. Landessieg, Bundesfinale gegen starke Konkurrenz gewonnen und jetzt die absolute Krönung – Weltspiele gibt es nicht – die Europameisterschaft. Ein Preisgeld gibt es zwar erstaunlicherweise nicht, dafür aber jede Menge Ruhm und Ehre, die sich die 24 Eckernförder ans Revers heften können. Im Oktober wird Rauteck aufgelöst, das sehen die Statuten so vor. Der Aktienwert ist von 10 auf 80 Euro gestiegen, ausgezahlt werden aber „nur“ 55 Euro pro Aktie, aus steuerlichen Gründen. Bleibt also genug übrig für eine rauschende Auflösungsversammlung, die sich die 24 Macher mehr als verdient haben.

Berlin war ein großes Abenteuer und eine riesige Erfolgsgeschichte zugleich. Nach holprigem ersten Tag mit stehender Bahnanreise und vielleicht einer Spur zu viel understatement im Geschäftsbericht – die Jury hätte gerne eine ausführlichere Teamdarstellung gelesen – fokussierte sich die exzellent vorbereiteten Rauteck-Crew auf den Punkt und lieferten der Jury ein siebenminütiges Experteninterview ab, das sie anschließend als das beste dieser Europameisterschaft in den höchsten Tönen lobte.

Und dann weiter richtig durchgezogen. Rauteck musste als erstes der 36 Unternehmen zur Präsentation auf die Bühne. Es war ein exakt getakteter Vier-Minuten-Auftritt, bei dem nichts schief gehen dürfte. Ging es aber – der Werbesport lief die ersten Sekunden ohne Ton, die Technik hat versagt, nicht Rauteck. Professionell weggesteckt, den alten Sicherheitsgurt auf die mitgebrachte Werkbank, ein Förde-Öffner produziert und –knack – die Flasche geöffnet. Just in Time, Beifall für Rauteck. Auch der Messestand im Congress Centrum wurde von der Jury begutachtet – und für gut befunden.

Die Würfel waren gefallen, und die Jury – Juryvorsitzender war übrigens Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln – war am Zug.. Und das war heikel genug. Denn keiner der zehn Juroren durfte für sein Heimatland stimmen. Und da drei Jurymitglieder Deutsche waren, fehlten Rauteck von vornherein drei der zehn Stimmen. Wieder ein Malheur, aber es reichte trotzdem. Als am Donnerstagabend um kurz nach 23 Uhr das Ergebnis bekanntgegeben wurde, rasteten die Eckernförder Rauteck-Leute komplett aus und schrien sich vor Glück minutenlang an, berichtete Bendix Sibbel. Unternehmerischer Erfolg gepaart mit Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung – dafür gab es zusätzlich den mit fünf Tablets versüßten Sonderpreis „FedEx Access Award“. Zuletzt konnte sich übrigens 2008 ein deutsches Schülerunternehmen den Titel „Company of the Year“ sichern.

> www.rauteck.de
 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen