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Anne Frank : Schüler singen ihr Leben in St. Nicolai

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Klasse 13 c der Peter-Ustinov-Schule beteiligt sich am Chor beim Brass-Oratorium „Anne!Damit wir klug werden“ in der St.-Nicolai-Kirche.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2016 | 05:33 Uhr

Eckernförde | Anne Frank – der Name steht als Symbol für das Leiden unter der Unmenschlichkeit und den Greueltaten während der Zeit des NS-Regimes. 1942 versteckte sich die damals 13-jährige Jüdin mit ihrer Familie in einem verborgenen Hinterhaus in Amsterdam vor der Verfolgung durch die Nazis und lebte dort bis zu ihrer Entdeckung und Deportation ins Konzentrationslager 1945. Ständig auf der Hut, um nicht entdeckt zu werden, lebte die Familie in Angst und Stille. In dieser Zeit schrieb Anne ihr Tagebuch, das nach dem Krieg von ihrem Vater, dem einzigen Überlebenden der Familie, veröffentlicht wurde und seither als historisches Dokument aus der Zeit des Holocaust gilt.

Die Klasse 13  c der Peter-Ustinov-Schule begegnet Anne Frank zurzeit auf eine intensive Art: Die Schüler reihen sich in den Chor von Marita und Reinhard Gramm ein, der das Leben der Anne Frank am Sonntag, 14. Februar, um 16 Uhr in einem Brass-Oratorium in der St.-Nicolai-Kirche aufführt. Dazu trägt die 14-jährige Kim von Hein aus Wischhafen Auszüge aus Anne Franks Tagebuch vor, Christine Mühler aus Itzehoe liest Augen- und Zeitzeugenberichte vor. Die Texte sind durchzogen von Musikstücken aus der Feder des Komponisten Reinhard Gramm mit Texten seiner Frau Marita. Sie werden gesanglich umgesetzt von verschiedenen Chören, darunter das B-Team Itzehoe, Sänger aus Hameln, Stuttgart und dem Cuxland – und jetzt auch Eckernförde.

„Anne! Damit wir klug werden“ lautet der Titel des Oratoriums, das auf dem Kirchentag 2015 in Stuttgart uraufgeführt wurde und seither an verschiedenen Orten als Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung weiterläuft. Insgesamt 80 Leute wirken daran mit.

Gestern waren Texteschreiberin und Komponist zu Gast an der Peter-Ustinov-Schule und gaben den Schülern der Klasse 13  c einen Einblick in ihre Arbeit. So verlas Marita Gramm Auszüge von Kommentaren, die auf Youtube unter dem Trailer zum neuen Anne-Frank-Film zu finden waren. „Oh Gott, bitte nicht schon wieder“, „Die größte Lüge der Geschichte“ oder „Wer zur... ist die bitch?“ war da zu lesen. Kommentare von Menschen, die die Bedeutung des Themas nicht begreifen. Und dann schilderte sie, wie es gewesen sein muss, über zwei Jahre mit weiteren Schutzsuchenden auf 50 Quadratmetern versteckt gewesen zu sein. Wie sie nicht nicht einmal husten durften, damit die Nachbarn nichts hörten. Wie der Vater aus Ausschwitz zurückkam und die Suche nach seinen Kindern begann, und wie er realisieren musste, dass niemand überlebt hat. Sein Schmerz kommt in dem Musikstück „Ich sehn’ mich so“ zum Ausdruck.

„Normalerweise wird ein Stück für den Kirchentag einmal aufgeführt und dann verschwindet es in der Versenkung“, so Reinhard Gramm. Nicht so in diesem Fall. Die Menschen waren so ergriffen, dass sich die Anfragen häuften und sich auch immer mehr beteiligen wollten. „Gerade viele Ältere sagen, dass dieses Oratorium wichtig ist, und ermuntern uns weiterzumachen.“ Dabei war die Kompositionsarbeit schwierig: „Normalerweise freut man sich auf ein furioses Finale, hier musste ich das Sterben eines Mädchens umsetzen. Man musste Stille komponieren.“

Der Kontakt ist über Musiklehrer Thorsten Plaß zustande gekommen. Er hat schon öfter in dem Oratorium mitgewirkt. Nun machen es ihm seine Schüler nach. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

> Aufführung am Sonntag, 14. Februar, 16 Uhr, St.-Nicolai-Kirche, Eckernförde, und auch am Sonnabend, 13. Februar, 17 Uhr, Toni Jensen Gemeinschaftsschule in Kiel.

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