Schulen im Norden : Schüler meiden Mensa-Essen

So lecker kann Mensa sein: An der Unesco-Schule in Flensburg bekommen die Kinder mittags zu essen. Foto: Staudt
So lecker kann Mensa sein: An der Unesco-Schule in Flensburg bekommen die Kinder mittags zu essen. Foto: Staudt

Mit Einführung der Ganztagsschulen wurden sie für Millionen Euro eingerichtet - doch die Auslastung der Mensen an den Schulen in Schleswig-Holstein bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück.

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15. März 2012, 12:34 Uhr

Kiel | Zu viele Schulmensen im Land bleiben auf ihrem Essen sitzen. Und dies selbst im Fall ansprechender Zubereitung. So etwa der bisherige Betreiber der Mensa am Rendsburger Gymnasium Kronwerk. Sogar Soßengrundlagen und Hackfleischbällchen stellte die Firma "Catering Koch" selbst her, bot täglich fünf Gerichte für 3,20 Euro an. "Die haben sich wirklich um Frische und Vielfalt bemüht", lobt Schulleiterin Renate Fritzsche. Es half nichts: Der Verpfleger aus Albersdorf in Dithmarschen hat gerade Insolvenz angemeldet. Gleich drei Gymnasien in Rendsburg sowie Schulen in Itzehoe, Büsum, Marne, Meldorf und Heide mussten von einem auf den anderen Tag improvisieren.
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Von den 66.000 Mahlzeiten, die allein der Kreis Dithmarschen bei der Ausschreibung angepeilt habe, seien gerade mal 18.000 übrig geblieben, klagt Firmenchef Stefan Koch. Teilweise habe er nicht einmal im Voraus von Sportfesten, Klassenfahrten oder Projekttagen erfahren - und blieb so auf Lieferungen sitzen. Nur die Hälfte der 52 Jahreswochen sei für Umsatz übrig geblieben.
"Wo wir auch hingucken, ist eine Abwärtsspirale in Gang"
Von Nord bis Süd hakt es: In Satrup (Kreis Schleswig-Flensburg) stöhnt Schulverbandsvorsteher Matz Matzen: "Die Nutzerzahlen dümpeln im Keller herum. So schwierig habe ich mir das nicht vorgestellt." An zwei Tagen pro Wochen stellen sich zwar 200 Esser ein, an den anderen drei aber nur zwischen zwölf und 60. Und das bei 1800 Schülern eines Gymnasiums und einer Gemeinschaftsschule. In Uetersen kündigte der Hausfrauenbund seinen Betreibervertrag zum 31. Januar. Die Organisation hatte 40.000 Euro in die Küche investiert. Doch auch nach 17 Monaten war es nicht gelungen, die für eine wirtschaftliche Arbeit benötigten 250 Essen pro Tag abzusetzen. Nach Einschätzung der Stadt Kiel könne die Auslastung an den Schulen, die keine verpflichtenden, sondern freiwilligen Ganztagsangebote haben, "sehr viel besser sein".
"Wo wir auch hingucken, ist eine Abwärtsspirale in Gang", beklagt Professor Michael Berger von der Fachhochschule Westküste. Die ist dabei, ein Beratungsprojekt für Schulen mit Mensen zu initiieren. Als Anlass nennt Berger, "dass die Gesamtkompetenz an den Schulen für dieses neue Feld relativ schlecht ist". Eine Gemengelage aus Bauangelegenheiten, kaufmännischen Aufgaben, Abrechnungssystemen, Ernährungskompetenz und Psychologie komme zusammen. Um für Klarheit zu sorgen, möchte er einen modellhaften Leitfaden entwickeln - doch obwohl Millionen in die Mensa-Bauten gepumpt wurden, finde sich niemand, so ärgert sich Berger, der 2000 bis 3000 Euro für eine Pilotstudie finanziere.

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