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Umgang mit Geld : Schüler lernen Schulden zu vermeiden

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Mit einem Finanzkompetenztraining lernen die Klassen acht bis zehn der Fritz-Reuter-Schule den Umgang mit Geld. Die Regionalschüler werden angehalten, nur soviel auszugeben, dass sie nicht in die Schuldenfalle geraten.

shz.de von
erstellt am 21.Aug.2013 | 20:17 Uhr

Pascale Celine Schultheis und Gleb Petrak müssen mit spitzem Bleistift rechnen: Das Gehalt aus der Arbeit in der Schlosserei beträgt nach Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen 1011 Euro. Daraus müssen sie ihren Lebensunterhalt bestreiten mit Miete, Lebensmittel, Versicherungen und allem, was dazugehört. Für viele Familien ist das Alltag, für die beiden 16-jährigen Schüler der Fritz-Reuter-Schule war es gestern nur ein Spiel. Die achten bis zehnten Klassen trainierten mit der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) ihre Finanzkompetenz.

„Das Training ist Präventionsarbeit, damit wir die jungen Leute mit 18 oder 19 Jahren nicht in unserer Sprechstunde beraten müssen“, sagte Christine Fischer von der Schuldnerberatung. Insgesamt sechs Klassen mit rund 120 Schülern durchliefen an den vergangenen zwei Tagen das Training. Das Szenario: Als junge Erwachsene ziehen die Schüler erstmals in eine eigene Wohnung – mit allen Kosten eines eigenständigen Lebens. Dazu bekommen sie einen Haushaltsplan und müssen entscheiden, was sie im Leben brauchen: Bei Lebensmitteln das Sortiment „Standard“ für 180 Euro monatlich oder „Luxus“ für 240 Euro? Oder zum Beispiel den gebrauchten Fernseher für sechs Raten à 25 Euro oder den Flachbildschirm für 48 Raten à 25 Euro?

Auch Pascale und Gleb wollen sich etwas leisten, doch mit der 2,5-Zimmer-Wohnung für 300 Euro, die Heizkosten von 50 Euro und Nebenkosten von 60 Euro verursacht, reicht das Geld nicht. Dann muss es eben doch eine kleinere Wohnung sein. Doch dann hält das Spiel einen Rückschlag in Form einer Aktionskarte für die beiden bereit: Nach einem Unfall gibt es nur noch Krankengeld in Höhe von 80 Prozent des Nettolohns. Pascale und Gleb müssen sich überlegen, worauf sie noch verzichten können. „Das Spiel bringt mich auch zum Nachdenken. Ich verstehe jetzt, weshalb mein Vater immer sagt, dass ich mein Geld nicht so rausschmeißen soll“, sagt Pascale Celine. Auch ihre Mitschülerin Sultan Algin (15) macht das Spiel Spaß: „Jetzt wissen wir, wie wir uns in Zukunft verhalten müssen. Ich hätte nie gedacht, dass Miete, Heizung und Strom so viel Geld kosten.“

Martin Klimach-Dreger von der Awo ist sich sicher, dass das Thema am besten über das Spiel zu vermitteln ist. „Es weckt den Ehrgeiz bei den Schülern, den Haushaltsplan einzuhalten, sie wollen es schaffen.“ Das Training finde in der Schule jedoch nicht statt, weil junge Erwachsene besonders oft in die Beratung kommen. „Die Anzahl ist zwar erschreckend, ist jedoch nicht der Auslöser“, sagt er. Die Altersgruppe gerate häufig wegen ihres Konsumverhaltens in die Schuldenfalle. Das liege zum Beispiel oft am Online-Shopping und an Handy-Verträgen, die die jungen Leute häufig nicht überblickten. „Sie werden gelockt von unseriösen Angeboten wie Handys für null Euro oder zinslosen Anschaffungen auf Raten.“

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