zur Navigation springen

So wird Politik gemacht : Schüler erobern das Rathaus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schüler der 11. Klasse der Peter-Ustinov-Schule lernen im Dialog mit Politik und Interessengruppen die Bedeutung des Ehrenamtes kennen.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2015 | 06:10 Uhr

Eckernförde | Politiker können ein Liedchen davon singen: Für viele Menschen sind sie „die da oben“, die „sowieso machen, was sie wollen“ und dem „kleinen Bürger“ keine Möglichkeit zur Einflussnahme geben. Dass das nicht stimmt und Bürger sehr wohl die Entwicklung ihrer Stadt bestimmen können, will Klaus Witzig, Lehrer der Peter-Ustinov-Schule und ehemaliger SPD-Ratsherr, seinen Schülern im Rahmen der laufenden Projektwoche demonstrieren. Zusammen mit seinem Kollegen Michael Baum zeigt er den Schülern einer 11. Klasse, welche politischen Gestaltungsmöglichkeiten es für Bürger gibt. Als Beispiel hat er sich die Stadtentwicklung mit all ihren vielschichtigen Problemlagen ausgesucht.

Und so fanden sich die Schüler gestern um 8 Uhr im Rathaus ein, wo ihnen Bürgermeister Jörg Sibbel und Bürgervorsteherin Karin Himstedt Aufgaben und Funktionsweise von Verwaltung und Ratsversammlung näher brachten. Im Anschluss ging es zur Sache: Vertreter aller sieben in der Ratsversammlung vertretenen Parteien stellten sich und ihre politischen Ansichten vor, zusätzlich Architekten, Angehörige des Gemeinnützigen Wohnungsunternehmens, Altstadtvereins und der Bürgerinitiative. Sie alle reden ein Wörtchen mit bei der Stadtentwicklung in Eckernförde, sei es bei der geplanten Nooröffnung, der baulichen Gestaltung der Innenstadt oder der Nutzung eines neuen Bahnhofs.

„Ich bin überrascht, dass so viele Gruppen an diesen Planungen beteiligt sind“, sagte Schüler Jonathan Vosgerau. Einige wie die Bürgerinitiative waren ihm gar nicht bekannt, konnten ihm aber vermitteln, weshalb sich ein bürgerschaftliches Engagement lohnt.

Die Notwendigkeit, Jugendliche an das Ehrenamt heranzuführen, steht für Klaus Witzig außer Frage, denn oft existiere eine grundsätzliche Unkenntnis über die Grundlagen und Möglichkeiten der Basisdemokratie vor Ort. Zudem existiere eine erhebliche Entfremdung zwischen Politik und Bürgerschaft: Politisch Handelnde würden oft verallgemeinernd gleichgesetzt und der auf lokaler Ebene ehrenamtlich Tätige so für Ereignisse in der „großen Politik“ auf Landes- oder Bundesebene in Mithaftung genommen.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Oft lassen die Lebens- und Arbeitsverhältnisse heute ein individuelles Engagement gar nicht zu. Und: Das Angebot an Engagementmöglichkeiten muss sich den gewandelten Werten anpassen. „Mir wäre es wichtig, bei einem ehrenamtlichen Engagement meine privaten Interessen unter einen Hut zu bekommen“, sagt zum Beispiel Jonathan Vosgerau. „Und das Ehrenamt sollte flexibel sein und nicht von vornherein eine Verpflichtung über mehrere Jahre beinhalten.“

Den Auftakt mit dem direkten Kontakt zu den lokalen Entscheidungsträgern erlebten die Schüler gestern im Ratssaal des Rathauses. Heute und morgen sehen sie sich unter der Leitung von Bauamtsleiter Roy Köppen die städteplanerischen Baustellen wie Kieler Straße, Carlshöhe oder das Gelände der ehemaligen Bauschule an. Am Donnerstag erläutert Bauamtsmitarbeiter Michael Packschies die von ihm durchgeführte Umwelterhebung aus den 80er Jahren, die die Stadtentwicklung erheblich beeinflusst hat. Und am Freitag ziehen die Schüler ihre Schlüsse aus dem Erlebten und gießen sie in Reinform. Was genau dabei herauskommt, weiß noch niemand. „Wichtig ist, dass sie durch eigenes Erleben sehen, wie differenziert Politik ist“, so Klaus Witzig. „Und dass es sich lohnt, sich die Stadt zu eigen zu machen und sich zu engagieren, egal ob in der Ratsversammlung oder bei der Freiwilligen Feuerwehr.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen