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Eckernförder Zeitung

23. November 2017 | 21:42 Uhr

Schüler erforschen Schicksale von NS-Opfern

vom

In einem Geschichtsprojekt setzen sich die Gymnasiasten mit der NS-Vergangenheit auseinander / Heute werden in Gedenken an die Opfer Stolpersteine in Kiel verlegt

shz.de von
erstellt am 13.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Altenholz | Mit der Verlegung von 23 Stolpersteinen an elf Stellen erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig heute in Kiel an das Schicksal von Menschen, die im Nationalsozialismus ermordet oder vertrieben worden sind. Die Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern Länge sind mit einer Messingplatte versehen, auf der der Name sowie die Lebensdaten und das Schicksal der Opfer eingeprägt sind. Vor den ehemaligen Wohnhäusern verlegte Demnig bisher über 40 000 Steine in etwa 750 Orten Europas. Die zwölfte Klasse des Gymnasiums Altenholz begleitet das Projekt seit drei Jahren.

"Die Schüler haben die Möglichkeit Recherchen zu betreiben", berichtet Geschichtslehrerin Nadine Köhler. "Man ist selten so nah dran an einem Schicksal. Die Jugendlichen befassen sich über mehrere Wochen mit einer Person oder einer Familie. Das macht es erfahrbar." Die Ergebnisse werden von den Schülern in einem Flyer zusammengefasst, der vor Ort an die Anwohner verteilt wird. Die Altenholzer besuchten hierfür auch das Landesarchiv in Schleswig, um in die Akten einzusehen. Große Vorarbeit leistete Trudemarie Clausen. Seit 2008 stellt die pensionierte Lehrerin Arbeitsmappen zusammen. "Ich freue mich sehr über die wunderbare Zusammenarbeit mit den Schulen, der Stadt Kiel und der Gemeinschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit. Nur deshalb kann ich es ertragen. Es kostet sehr viel Tränen und Geduld. Ich möchte die Toten ehren, mich für die Demokratie einsetzen und dass junge Leute von früh an lernen wie wichtig es ist, Menschenrechte einzuhalten."

Dass die Kinder sich auch persönlich mit den Geschichten der Menschen auseinandersetzen, sei ihrer Meinung nach sehr wichtig. Im Stadtarchiv Kiel ist zum Beispiel ein handgeschriebener Brief von Jacob Levy an die Baupolizei erhalten. Er hatte mit seinen Geschwistern Philipp, Nathan und Recha in die Schlossstraße 14 gewohnt, bevor ihr Besitz enteignet und sie am 30. September 1940 von der Regierung in ein so genanntes Judenhaus umquartiert wurden.

Jacob Levy ersuchte in seinem Schreiben um Abhilfe und schilderte höflich die mangelhaften Zustände. "Diese Verzweiflung, die aus dem Brief sprach, hat uns sehr schockiert", erzählt Mandy Heide. Die Baupolizei bestätigte die Unbewohnbarkeit der Unterkunft. Am 6. Dezember 1941 wurden die Levy´s verhaftet und zusammen mit 50 anderen Kieler Juden ins Konzentrationslager Jungfernhof bei Riga deportiert. Ob sie bereits auf der kräftezehrenden Fahrt unter schlimmsten Bedingungen oder durch die grausamen Zustände im KZ zu Tode kamen, ist nicht klar. Vielleicht sind sie auch zusammen mit Tausenden nicht arbeitsfähigen Juden gleich nach ihrer Ankunft im Wald erschossen worden. "Wir haben durch die Recherchen einen ganz anderen Blickwinkel bekommen", berichtet Hanne Honerlagen.

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