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Eckernförder Zeitung

19. November 2017 | 08:01 Uhr

Schrittweise Annäherung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

shz.de von
erstellt am 16.Jun.2015 | 13:44 Uhr

Das Referendum über die vollständige Gleichstellung von Ehe und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften in Irland hat die Befürworter in Deutschland motiviert. Ich bin dafür, den Begriff der Ehe als Verbindung von Mann und Frau beizubehalten. In der öffentlichen Debatte ist ein Mainstream entstanden, der es kaum noch erlaubt, gegen die Gleichstellung von Ehe und gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaft zu sprechen. Ob sich das Meinungsbild der Bevölkerung darin wirklich widerspiegelt, ist fraglich. Mich erreichen täglich Zuschriften, die mich auffordern, die Ehe als Verbindung von Mann und Frau zu schützen. Mir sollten die Debatte versachlichen.

Begriffe wie „Ehe für alle“ oder „Homo-Ehe“ drücken eine Beliebigkeit aus, die für alle Beteiligten würdelos ist. Wir sprechen über Menschen. Deren Würde ist, wie unser Grundgesetz gleich im ersten Satz sagt, unantastbar. Da wird nicht nach sexueller Orientierung gefragt. Deshalb erkenne ich gleichgeschlechtliche Partnerschaften an, wenn sie dem Lebensglück zweier Menschen entspricht. Für sie besteht der Wunsch nach Verbindlichkeit: füreinander einstehen, gesellschaftlich akzeptiert werden, für die Zukunft sorgen. Das sind Werte, die ich nicht nur akzeptiere, sondern gutheiße. Weder der Staat noch die Kirche sollten den Wert dieser Partnerschaften in Zweifel ziehen. Wir haben deshalb eine weitgehende Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften ermöglicht, dazu gehören die Angleichungen im Erbschaftsrecht oder beim Steuer-Splitting.

Die Frage ist also nicht Ring oder Lohnsteuerklasse III. Vielmehr geht es um die endgültige Frage, ob das Rechtsinstitut der Ehe mit dem Rechtsinstitut der eingetragenen Lebenspartnerschaft gleichgesetzt und damit ineinander aufgehen soll.

Das sehe ich nicht. Offen bleibt die Teilfrage der Adoption. Vater und Mutter sind für jedes Kind eigenständige Begriffe. Der zweite Vater ersetzt die Mutter nicht und umgekehrt. Bei allem Verständnis für den Kinderwunsch: Das Wohl des Kindes ist für mich zentral. Auch deshalb hat unsere Kulturgeschichte und haben die großen Religionen unserer Welt die Ehe als Verbindung von Mann und Frau definiert. Weil es diesen Unterschied gibt, haben wir beispielsweise auch die Rechte nichtehelicher Väter gestärkt. Aus eingetragenen Lebenspartnerschaften wird bereits heute das Schlagwort „Ehe für alle“. Die rechtlichen Vorteile werden bald auch Menschen genießen wollen, die in anderer Form zusammenleben oder eine Verantwortung füreinander empfinden. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil von 2002 zum Lebenspartnerschaftsgesetz immer wieder die Verschiedengeschlechtlichkeit der Ehe als Wesensmerkmal herausgehoben. Dabei sollte es bleiben.

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